Wohlen

Sie haben Tausende von jungen Menschen ins Leben begleitet

Führungswechsel am BBZ Freiamt: Orlando Müller, Leiter Wirtschaft, mit Nachfolger Philippe Elsener sowie Carlo Nardo, Leiter Gewerbe und Technik, mit Nachfolger Rolf Maurer.  BA

Führungswechsel am BBZ Freiamt: Orlando Müller, Leiter Wirtschaft, mit Nachfolger Philippe Elsener sowie Carlo Nardo, Leiter Gewerbe und Technik, mit Nachfolger Rolf Maurer. BA

Berufsbildungszentrum Freiamt: Rektor Orlando Müller, Leiter der Abteilungen Wirtschaft sowie Carlo Nardo, Leiter Gewerbe und Technik, werden pensioniert. «Wir freuen uns auf das Leben nach der Schule», sagen die beiden.

Am Berufsbildungszentrum Freiamt (BBZ) in Wohlen kommt es zu einem Doppelwechsel: Rektor Orlando Müller (62), Leiter der Abteilung Wirtschaft, und Carlo Nardo (60), Leiter der Abteilung Gewerbe und Technik, treten auf Ende Schuljahr in den Ruhestand. «Wir sind nicht schulmüde oder gar ausgebrannt. Aber wir freuen uns auf das Leben nach der Schule», sagen die beiden Lehrer. Sie führten Tausende von jungen Menschen zum Lehrabschluss.

Müller und Nardo standen neben ihren Führungsfunktionen am BBZ Freiamt auch ständig im Schuldienst. «Das war ein Vorteil - für uns, aber auch für die Schülerinnen und Schüler», betonen sie. «Der Kontakt zu den Lernenden war uns wichtig. Es war schön, junge Menschen ins Erwachsenenalter zu begleiten.»

Nachfolger aus dem eigenen Haus

Das Berufsbildungszentrum regelte die Nachfolge in den Spitzenpositionen schon früh. Es setzt auf zwei langjährige, erfahrene Lehrer aus dem eigenen Haus: Das Rektorat und die Leitung der Abteilung Wirtschaft wird der Historiker Philippe Elsener (46) übernehmen. Er war bisher neben seiner Lehrtätigkeit für den Bereich Weiterbildung und Innovation zuständig.

Die Leitung der Abteilung Gewerbe und Technik wurde Rolf Maurer (58), Lehrer für allgemeinbildende Fächer, übertragen. Elsener stiess bereits während des Studiums zur Schule. Maurer, von Haus aus Sekundarlehrer und damals nebenamtlicher Lehrer am BBZ, gehört nach einem Weiterbildungsstudium seit 1994 fest zum Kollegium.

Müller und Nardo konnten sich nicht darauf beschränken, das Berufsbildungszentrum Freiamt lediglich zu verwalten. Das liess der sehr bewegte Schulalltag nie zu. Schwerarbeit stand ihnen schon bei der Fusion der Kaufmännischen Berufsschule und der Gewerblich-Industriellen Berufsschule zum Berufsbildungszentrum ins Haus.

Diese war 1998 abgeschlossen - und sie erwies sich als glückliche Lösung. Nochmals mussten Müller und Nardo kräftig in die Hosen steigen, als das Schulzentrum ausgebaut und modernisiert wurde. Nardo übernahm trotz vollem Terminkalender hausintern die Projektleitung. In dieser Aufgabe habe er sich als Handwerkersohn richtig entfalten können, berichtet er.

Nie eine «Mammutschule»

Mit seinen 770 Schülerinnen und Schülern gehörte das BBZ nie zu den «Mammutschulen», wo die Lernenden in der Anonymität untertauchen konnten. «Wir kennen unsere Schüler noch», sagen Müller und Nardo. «Das BBZ ist übersichtlich.»

Lehrabbrüche sind die löbliche Ausnahme geblieben – auch wenn sie gelegentlich und in letzter Zeit vermehrt vorkommen. Auch disziplinarische Schwierigkeiten gilt es selten. «Wir wollten unseren Schülerinnen und Schülern immer auf der gleichen Augenhöhe begegnen. Das hat uns und den Lernenden die Aufgabe enorm erleichtert», betonen die beiden abtretenden Lehrer. «Grosse Sorgen macht mir, dass im Aargau einige hundert Schulabgänger nur via Brückenangebote in die Berufsbildung wechseln können und nicht im normalen Tempo abschliessen», räumt Müller ein. «Oft fehlt es am Durchhaltewillen und an der Leistungsbereitschaft, die den Jugendlichen erst durch ein Zusatzjahr vermittelt werden müssen.»

Müller ist aber davon überzeugt, dass das duale Berufsbildungssystem (Theorie in der Berufsschule, Praxis im Lehrbetrieb) nach wie vor ein Erfolgsmodell ist. Die zurückgehenden Jugendarbeitslosigkeitszahlen würden dies beweisen.

Das KV nach wie vor beliebt

Der kaufmännische Beruf habe nichts von seiner Anziehungskraft verloren, «auch wenn man die KV-Lehre schon längstens auf vier Jahre verlängern sollte», bemerkt Müller. «Aber da ist nichts zu machen.» Ein Highlight ortet Elsener: die Seminarwoche für die KV-Schüler. Lehrkräfte und Schüler können sich in dieser Woche besser kennen lernen und wichtige Grundlagen für die Ausbildungszeit schaffen.

Anders als die KV-Vertreter klagten die Bäcker und die Fleischfach-berufe derzeit über Nachwuchssorgen, betont Nardo. Die Maurerklassen sind aber gut besetzt. Nardo: «Die gute Baukonjunktur hilft uns dabei.» Gross ist in Wohlen nach wie vor auch der Ansturm auf die Ausbildung zum Landmaschinen-, Baumaschinen- und Motorgerätemechaniker.

«Auch im Lehratelier für Kleidungsgestalterinnen haben wir keine Mühe, die vorhandenen Plätze zu besetzen», sagt der Lehrer. Unter den vielen Frauen hat sich auch ein Mann für diesen Beruf entschieden. Die Emanzipation kommt hier für einmal von der anderen Seite.

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