Rottenschwil

Sie fahren alle lieber durchs Nadelöhr – Gemeinderat fürchtet mehr Durchgangsverkehr

Rottenschwiler Gemeinderat fürchtet mehr Durchgangsverkehr wegen geplanter Kreisel und des Abbiegeverbots Richtung Werd.

Gewitterwolken hängen über der Gemeinde Rottenschwil. Sie bringen aber nicht Regen, sondern Verkehr. Das ist jedenfalls die Befürchtung des Gemeinderats, wenn der Kanton seine Pläne umsetzt. Er will Kreisel bauen bei den beiden Abzweigern von der Mohrentalstrasse in Richtung Besenbüren und in Richtung Rottenschwil. Ausserdem soll das Linksabbiegen von und nach Werd, 200 Meter vor der Einfahrt nach Rottenschwil, verboten werden.

Gemeindeammann Giordana Huonder ist selber Autofahrerin und pendelt von Rottenschwil nach Lachen zur Arbeit. Sie weiss, wie Autofahrer ticken: «Wenn ich über die Werdbrücke fahren will, aber nicht von der Kantonsstrasse her in Richtung Werd abbiegen darf, dann fahre ich halt durch Rottenschwil und biege vor dem Schulhaus rechts ab in die Werdstrasse.» Huonder und ihre Gemeinderatskollegen sehen durch die Verkehrsplanung des Kantons die Lebensqualität in Rottenschwil akut gefährdet. «Die grossen Gemeinden wachsen. Wohlen baut. Muri baut. All diese Leute müssen ja irgendwie zur Arbeit. Den Verkehr kriegen wir.»

Projekt erhöht Sicherheit

Die Verkehrszählungen der Regionalpolizei zeigen, dass die Anzahl Fahrzeuge, die durch Rottenschwil fahren, sich innerhalb der vergangenen drei Jahre um über 20 Prozent erhöht hat. 7500 Fahrzeuge sind es jeden Tag, die auf der Hauptstrasse in und aus Richtung Zürich mitten durchs Dorf und an der Schule vorbeibrauschen. Obwohl die Reussbrücken in Rottenschwil und Werd nur einspurig befahrbar sind, wählen viele Verkehrsteilnehmer lieber diese Nadelöhre, als einen Umweg über Bremgarten oder Aristau/Birri zu machen. «Unsere Befürchtung ist, dass dann noch mehr Fahrzeuge durch Rottenschwil fahren, wenn der Verkehrsfluss durch die Kreisel noch verbessert wird», sagt Huonder. Es gehe aber nicht darum, das Projekt des Kantons zu torpedieren, denn sowohl Kreisel wie auch Linksabbiegeverbot erhöhten die Verkehrssicherheit deutlich. «Was wir wollen, ist ein konstruktiver Austausch mit dem Kanton, um Möglichkeiten zu finden, den Verkehr im Dorf erträglich zu machen.»

Vorlage an Sommergemeinde

Zuerst soll nun aber die Bevölkerung nach ihren Bedürfnissen und Vorstellungen befragt werden (siehe Box unten). Unter der Leitung von Oscar Merlo, Verkehrsingenieur bei der Teamverkehr.zug AG, werden mögliche Massnahmen zur Qualitätsverbesserung entlang der Hauptstrasse zusammengetragen und als Diskussionsgrundlage zuhanden der Kantonsplaner ausgearbeitet. «Es geht darum, Lösungen zu finden, die für die Gemeinde gut, für den Kanton aber auch machbar sind», erklärt Merlo sein Ziel. «Man kann den Verkehr nicht verhindern, aber er muss auszuhalten sein.»

Der zuständige Kreisingenieur des kantonalen Baudepartements, Manuel Baldi, ist von den Plänen des Kantons überzeugt: «Das ist die sicherste, schnellste und günstigste Massnahme. Ich hoffe, dass die Einwohner unserem Projekt an der Sommergemeinde zustimmen. Über weitere bauliche Massnahmen kann man sicher diskutieren.» Er glaube zwar nicht, dass es zu mehr Verkehr durch Rottenschwil kommen werde, nehme die Anliegen der Anwohner und der Gemeinde aber ernst.

Autor

Christian Breitschmid

Meistgesehen

Artboard 1