Bremgarten
Sie betreut psychisch Kranke für die Spitex

Susanne Graf ist bei der Spitex Bremgarten für die Betreuung psychisch erkrankter Menschen zuständig.

Dominic kobelt
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Susanne Graf arbeitet als Psychiatrie-Fachfrau bei der Spitex Bremgarten. kob

Susanne Graf arbeitet als Psychiatrie-Fachfrau bei der Spitex Bremgarten. kob

Beim Thema Spitex denken wohl viele an eine freundliche Frau, die bei ihren Klienten den Blutzucker misst, Verbände wechselt, Medikamente verabreicht, bei der Körperpflege oder den Haushaltsarbeiten hilft. Das Fachpersonal deckt aber ein weitaus breiteres Angebot ab: Erstmals arbeitete die Spitex Bremgarten im letzten Jahr mit dem neu geschaffenen Angebot des «Hometreatment» der psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) zusammen. Dieses ermöglicht die psychiatrische Behandlung zu Hause auch in einer akuten Krankheitssituation. Dank der intensiven Behandlung der Patientinnen und Patienten durch ein Team der PDAG können der stationäre Klinikaufenthalt reduziert und die Stationen der PDAG entlastet werden.

Susanne Graf ist Psychiatrie-Fachfrau und bei der Spitex Bremgarten für die Betreuung psychisch erkrankter Menschen zuständig. «Das Hometreatment-Team kümmert sich so lange intensiv um den Patienten, bis sich dessen Zustand so weit stabilisiert hat, dass er an die Spitex übergeben werden kann. Diese übernimmt die ambulante psychiatrische Leistungserbringung», beschreibt Graf. Nicht alle Patienten kommen für die Betreuung in den eigenen vier Wänden infrage. «Das läuft so ab, dass Menschen in akuten Krisensituationen in die Klinik in Königsfelden eintreten. Unter denjenigen, die sich von der Krankheit her für ein Hometreatment eignen, werden einige ausgelost», erklärt Graf. Diese werden dann gefragt, ob sie zu Hause betreut werden möchten – entscheiden dürfen sie selber. Bevor die Behandlung vom PDAG-Team an die Spitex übergeht, steht ein gemeinsamer Besuch an. «Für den Patienten ist der Übergang nahtlos, er ist direkt an den Abmachungen beteiligt.»

Ziel: gute Lebensqualität

Und wie läuft ein Besuch bei einem Patienten ab? «Das Ziel der Spitex-Betreuung ist dasselbe wie bei einem Patienten mit einer körperlichen Krankheit: eine gute Lebensqualität zu Hause.» Wie die Arbeit im Detail aussehe, hänge dann aber sehr vom Krankheitsbild ab. «Bei einer Person mit einer Angststörung kann das beispielsweise ein Expositionstraining sein.» Je nachdem, wie viel Betreuung gerade benötigt wird, schwankt auch das Pensum der Psychiatrie-Fachfrau. Die Besuche dauern in der Regel etwa ein bis zwei Stunden – das ist länger, als ein «gewöhnlicher» Spitexbesuch, der zwischen einer Viertelstunde und fünf Viertelstunden in Anspruch nimmt. Susanne Graf besucht ihre Klientinnen in der Regel ein- bis zweimal pro Woche, je nach Abmachung und Zustand. «Wenn sich der Zustand eines Klienten verschlechtert, erhöhe ich meine Besuche, und wenn das nicht genügt, leite ich zusammen mit dem Klienten und seinem Arzt die Überweisung an die PDAG ein.»

Die Psychiatrie-Fachfrau arbeitet seit 22 Jahren in ihrem Berufsfeld. Sieht sie auch Nachteile darin, dass psychisch kranke Menschen zu Hause betreut werden? «Im stationären Bereich sind immer Ansprechpersonen vorhanden, zu Hause nicht», sagt sie. «Aber auf viele Patienten hat es eine positive Auswirkung, wenn sie zu Hause sein können.»

Auch Corinna Ganzoni, Stützpunktleiterin in Bremgarten, zieht eine positive Bilanz: «Dank dem Psychiatrie- Fachwissen in unserem Team können wir auch diesen Bereich kompetent abdecken. Im letzten Jahr hat unsere Arbeit insgesamt um 10 Prozent zugenommen, seit 2011 sogar um 80 Prozent.» Das Team umfasst mittlerweile 25 Mitarbeiterinnen. Sind denn in den letzten Jahren auch die Anforderungen gestiegen? «Fachwissen war schon immer nötig. Aber die Arbeit ist interdisziplinärer geworden. Unsere Mitarbeiterinnen müssen teils sehr komplexe Situationen erfassen und viele Dinge auf dem Radar haben», erklärt Ganzoni, die bereits 20 Jahre für die Spitex arbeitet.