Hägglingen
Sie behüten das Freiamt und die Welt seit 100 Jahren

Die Zeit der Strohhutmetropole Freiamt ist vorbei? Falsch. Die Risa Hutwerkstatt bringt zum Jubiläum nicht nur eine neue Kollektion heraus, sondern auch Bands in die Hutmacherei.

Andrea Weibel
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Julian Huber zeigt die neuen Jubiläumshüte und trägt das Modell Julian, einen klassischen Herren-Fedora aus ultrafeinen Weizenstrohbändern.
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Monika Wicki-Sax’ Modell ist ein Damen-Fedora aus einem Bao-Geflecht.
Gaby Huber-Sax erhielt einen «Cloche» aus ultrafeinen Weizenstrohbändern.

Julian Huber zeigt die neuen Jubiläumshüte und trägt das Modell Julian, einen klassischen Herren-Fedora aus ultrafeinen Weizenstrohbändern.

zvg / Nici Jost

Das Freiamt war bis nach Paris, Mailand und gar New York bekannt für seine Strohgeflechte. Doch während die anderen Firmen ihre Fabriktore nach und nach schliessen mussten, ist die Risa Hutwerkstatt in Hägglingen bis heute erfolgreich. Das soll am kommenden Wochenende – genauer gesagt ab heute – gefeiert werden. Dabei ist die Idee dazu ganz spontan entstanden: «Wir wollten einen ganz normalen Frühlings-Fabrikverkauf durchführen, aber weil wir immer wieder von Leuten auf das Jubiläum angesprochen wurden, soll es nun eben doch etwas Grösseres werden», sagt Geschäftsführer Julian Huber lachend. Dabei wird er eine Idee umsetzen, die er schon seit einiger Zeit mit sich herumträgt: «In einem der Werkstatträume, wo rund 100-jährige Strohnähmaschinen stehen, haben wir eine kleine Bühne aufgestellt, wo über die Tage drei Bands auftreten werden. Ich glaube, gerade durch das Ambiente in der Werkstatt könnte das sehr schön werden.»

Knöpfe aus der Nudelpresse

Doch das dreitägige Fest ist noch längst nicht alles, was sich die Risa-Verantwortlichen zum Jubiläumsjahr ausgedacht haben. Sie wollen sich erinnern, denn die Risa hat eine sehr bewegte Geschichte erlebt, seit sie 1919 von J. Marin Geissmann gegründet worden ist. Die ursprünglich vor allem auf Damenhüte aus Stroh spezialisierte Firma musste sich während des Zweiten Weltkrieges aus wirtschaftlichen Gründen umorientieren. Da sei «die Idee einer Obst- und Gemüsedörrerei keineswegs abwegig» gewesen, schreibt Julian Huber in seiner Zusammenfassung der Geschichte. Doch auch dieser Firmenzweig sei ab Ende des Krieges nicht mehr voll ausgelastet gewesen. So setzte man zusätzlich auf eine neue Kunststoff-Verarbeitungsanlage. Die Risa-Chefs waren schon immer sehr kreativ, was ihre Maschinen betraf. Heute bringt der gelernte Werkzeugmacher Huber immer wieder über 100-jährige Maschinen zum Laufen, die er dann zum Herstellen alter Strohgeflechte einsetzen kann. Ein kleines Detail: Einzelne dieser Maschinen wurden bereits durch neuere, nur noch 70-jährige Modelle ersetzt. Findigkeit ist Tradition, denn in den 40er-Jahren wurden Hosenknöpfe mittels einer umgebauten Teigwarenpresse hergestellt. Die Firma bestand damals aus 35 Mitarbeitern. «Ihr Gehalt betrug 75 Rappen pro Stunde bei einer 49-Stunden-Woche und einer Woche Ferien pro Jahr. Zudem mussten die Näherinnen den Faden selbst besorgen», erzählt Huber weiter. Später kamen dann auch Schutzartikel gegen Regen zum Angebot hinzu.

Als die Dörrerei 1961 niederbrannte, liess man diesen Firmenzweig fallen und bezog im alten Doktorenhaus neue Räume. Dort widmet sich die Risa Hutwerkstatt seither der Produktion von Hüten aller Art – besonders eben den Strohhüten, die wieder total im Trend sind. So sehr, dass die Risa 2016 gar eine Filiale an der Geroldstrasse in Zürich eröffnen konnte. «Ich finde, Strohhüte sind auch viel cooler als beispielsweise Baseballmützen», sagt Julian Huber, der die Firma seit 2010 zusammen mit seiner Mutter Gaby Huber-Sax in zweiter und dritter Generation der Familie Sax leitet.

Jedem Geschäftsführer einen Hut

Zur Erinnerung an all die Jahre sind zwei weitere Highlights geplant: Einerseits hat Huber für jede bisherige Geschäftsführerin und jeden Geschäftsführer der Risa einen eigenen Jubiläumsstrohhut designt. «Diese sind limitiert und werden mit aussergewöhnlichen Materialien und Techniken gefertigt», schreibt er im Vorwort zur Kollektion. Hier kommt auch der Hosenknopf als Erinnerungssymbol und neues Label wieder zum Einsatz.

Und weil sein allergrösster Dank all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt, die die Firma 100 Jahre alt haben werden lassen, wird im Oktober ein Buch mit 100 Charakterköpfen erscheinen, natürlich alle gut behütet. «Darunter sind viele heutige und ehemalige Mitarbeiter, aber auch Kunden, Nachbarn und der eine oder andere Promi», wirbt Huber. Ausserdem will sich die Firma im Oktober selbst ein grosses Geschenk machen – was genau, verrät der 33-Jährige aber noch nicht.

100 Jahre Risa Hutwerkstatt heute Donnerstag, 25., bis Samstag, 27. April, Zinsmattenstrasse 10, Hägglingen. Infos unter www.risa.ch