Es ist kurz vor 8 Uhr, der Kleintransporter wird beladen. Fünf Leute packen Säcke, Holzpfähle und Werkzeug auf die Ladefläche; es wird gelacht und diskutiert. «Die friedliche Atmosphäre ist hart erarbeitet», sagt Daniel Meier. Er hat die Gartenservicegruppe der Integra ins Leben gerufen. Die Männer, die sich für ihren Arbeitseinsatz vorbereiten, haben eine leichte geistige Behinderung, manche auch eine Lernschwäche. «Es ist alles ein bisschen emotionaler bei uns – wenn es gut läuft, ist das positiv», erklärt Meier.

Damit es gut läuft, stellen die Gruppenleiter hohe Erwartungen an Anstand und Umgangston – «In der normalen Arbeitswelt findet man das selten», sagt Willi Kleiner, der die Betreuten begleitet. Er kontrolliert geduldig, ob nichts vergessen wurde. «Mein Mittagessen müssen wir noch einpacken», sagt André und grinst. Er meint sein Ritalin, das er am Mittag braucht. Weil heute die Gruppe den ganzen Tag draussen arbeitet, ist Kleiner für die Medikamentenabgabe verantwortlich.

Nicht jeder kann mitmachen

Wer im Green Team mitarbeiten will, muss sich das verdienen. Es ist körperliche Fitness erforderlich und auch ein Mindestmass an Selbstständigkeit. Man könne aber nicht damit beginnen, den Leuten das Gärtnern beizubringen, erklärt Kleiner: «Manchmal sind es die kleinen Dinge wie Schuhe binden, Hände waschen, oder eine Arbeit selbstständig zu Ende zu führen.» Die Arbeit bedeutet für die Betreuten aber auch Tagesstrukturen. «Das vermittelt ihnen auch, dass wir sie als wertvolle Menschen wahrnehmen», sagt Meier.

Arbeit muss rentieren

Auf der Baustelle in Jonen angekommen verteilt Kleiner die Aufgaben. Es gilt, rund um einen Anbau Verbundsteine und Erdreich zu entfernen, damit später ein Zimmermann die Holzverkleidung durch Aluminium ersetzten kann. Ausserdem schneidet das Team die Hecken zurück und kümmert sich um den Garten. André weiss genau, wie er mit der Schere umgehen muss: «Die dürren Äste muss man unten abschneiden, beim Zurückschneiden nehme ich die Äste möglichst nahe bei der Vergabelung.»

Die Arbeiten laufen in langsamerem Tempo ab, als bei einem «normalen» Gärtner-Team. Und es sind mehr Leute mit einer Aufgabe beschäftigt. Trotzdem herrscht ein gewisser Druck. «Wir sind Unternehmer und müssen auch wirtschaftlich denken. Wenn es vorwärtsgehen muss, dann teile ich die Arbeit jemandem zu, der sie beherrscht, auch wenn es dann enttäuschte Gesichter gibt.» Für die Aufträge werden Pauschalen ausgehandelt, die sich am Arbeitsmarkt orientieren.

Im Unterschied zu anderen Anbietern ist es dem Integra-Team aber nicht möglich, unter Zeitdruck zu arbeiten. «Die Betreuten machen das alle freiwillig. Sie arbeiten gerne, aber sie gehen auch gerne wieder nach Hause», sagt Meier. Die Leistungskurve falle am Nachmittag merklich ab. Somit ist es unmöglich, einfach Überstunden oder Wochenendarbeit einzulegen, um ein Projekt fertigzustellen. «Wir bieten die gleiche Qualität wie andere, brauchen dafür einfach etwas länger», sagt Kleiner. Auch das Angebot ist eingeschränkt, weil das Green Team beispielsweise nicht mit grossen Maschinen arbeitet.

Mehr als ein Gärtner

Es ist ruhig geworden rund um den Wintergarten in Jonen. Die fünf Männer arbeiten fleissig und konzentriert. Das ermöglicht Willi Kleiner, sein Team etwas genauer in Augenschein zu nehmen, denn er muss regelmässig die Betreuten beurteilen. Die Integra beurteilt auch, ob jemand wieder auf den sogenannten ersten Arbeitsmarkt zurück kann. Es gebe durchaus auch Fälle, in denen ein IV-Bezüger eigentlich arbeiten könne, aber einfach nicht wolle. Diese müssen die geschützten Arbeitsplätze wieder verlassen – einfach eine «ruhige Kugel schieben» liege nicht drin.

Kleiner ist gelernter Gärtner und war 20 Jahre lang selbstständig. «Ich hinterfrage viel», beginnt er die Ausführungen über seinen Berufswechsel. Er habe festgestellt, dass sein Unternehmen «zu klein für einen grossen, aber zu gross für einen kleinen Betrieb» gewesen sei. Nun wird aus dem Gärtner ein systemischer Arbeitsagoge. «Ich lerne, das Umfeld von Personen mit einem Handicap zu analysieren und ihnen so zu helfen.»

Ob er nun lieber zur Arbeit gehe? «Ich habe immer gerne gearbeitet», sagt Kleiner. «Aber nun habe ich nicht den Stress des Selbstständigseins. Das gibt mir viel Lebensqualität und Freude.»