Internetsicherheit
Sicherheitslücken im WLAN-Netz: Hier haben Datenpiraten im Freiamt leichtes Spiel

Im privaten Umfeld, im Geschäftsbereich und in öffentlichen Zonen – fast überall gibt es WLAN (Kurzwort für das englische Wireless Local Area Network, das kabellose lokale Netzwerk) und somit Empfang auf dem Smartphone, dem Tablet, PC oder Notebook. Doch sicher ist das öffentliche Internet keinesfalls.

Walter Christen
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Internet-Router mit WLAN-Funktion: Geräte sind auch bei vielen privaten Nutzern im Freiamt nicht immer passwortgeschützt, sondern offen zugänglich.

Internet-Router mit WLAN-Funktion: Geräte sind auch bei vielen privaten Nutzern im Freiamt nicht immer passwortgeschützt, sondern offen zugänglich.

Walter Christen

WLAN wird oft auch überall dort eingesetzt, wo die Datenübertragung per Kabel nicht oder nur mit hohem Aufwand möglich wäre – oder auch einfach nur deshalb, weil es bequem ist. Ein drahtloses lokales Netzwerk ermöglicht etwa innerhalb eines Gebäudes den Internetzugang aus jedem Raum oder sogar vom Balkon oder Garten. Sind die Sicherheitseinrichtungen bei einem Router aktiviert, haben es Datendiebe schwer, sich Zutritt zu verschaffen.

Netze mit grossen Reichweiten

Die az wollte wissen, wie es um die Verschlüsselung der WLAN-Zugänge im Freiamt steht. Ob sie verschlüsselt und sicher sind oder ob es im Freiamt immer noch offene und für Datenpiraten leicht zugängliche Netze gibt, fand die az stichprobenweise heraus.

In Wohlen führte der Weg mit dem auf WLAN-Empfang geschalteten Smartphone in der Hand der Zentralstrasse und der Bahnhofstrasse entlang. In Bremgarten diente das Stadtzenrum als Testgebiet. In Muri waren es die Marktstrasse und die Seetalstrasse sowie ein Wohnquartier. Aufgefallen ist überall, dass die Reichweite der Netze zum Teil erheblich ist und der Empfang im öffentlichen Raum bei den meisten sichtbaren WLAN gut bis sogar sehr gut war.

In Wohlen ortete das Smartphone auf den Teststrecken praktisch auf Schritt und Tritt eine WLAN-Anbindung, insgesamt 128 verschiedene Netze, davon 21 unverschlüsselte und somit frei zugängliche. Sie bieten keinerlei Schutz und legen den gesamten Netzwerkverkehr offen. 52 WLAN konnten im Zentrum Bremgartens empfangen werden, 7 davon ohne Passwortschutz.

Was der Experte rät: Offenes Netz ist eine offene Haustüre

Die az fragte einen Spezialisten zum Thema Sicherheit im Netz und erhielt Antworten von Systemtechniker Martin Heiniger von der auf IT-Dienstleistungen spezialisierten Matho Informatik AG in Wohlen: «Ein Netz offen – ohne Passwortschutz – zu belassen, ist dasselbe wie die Haustüre nicht zu verschliessen. Der Anschluss ist dann ungeschützt und Daten können von Unbefugten abgegriffen werden.»

Dieses Risiko werde noch immer von vielen Nutzern unterschätzt. Sie sagten, sie hätten ohnehin keine Geheimnisse und bei ihnen seien keine wertvollen Daten zu holen. «Dabei geht es nicht einmal um die Güte der Daten», sagt Martin Heiniger, «vielmehr können Hacker ein offenes WLAN für ihre Zwecke missbrauchen.» Werde über einen solchen Router eine Straftat verübt, führe die Rückverfolgung der Untersuchungsbehörden unweigerlich zum WLAN-Betreiber, und der sitze dann echt in der Klemme.

Was rät der Spezialist? «Veraltete Infrastruktur müsste ersetzt werden. Neue Geräte verfügen bereits über eine Grundeinstellung mit Verschlüsselung. Dann sollte eigentlich jeder WLAN-Router noch manuell auf die individuelle Sicherheitsstufe eingestellt werden. So lassen sich beim drahtlosen Surfen im Internet die Risiken minimieren.»

Fazit: Wer einen räumlich begrenzten Netzverbund via Funkübertragung betreibt, nutzt mit Vorteil zu seinem Schutz die vorhandenen Verschlüsselungsmöglichkeiten. Die technischen Möglichkeiten sind da. Es hat sich bei az-Test jedoch gezeigt, dass das Einwählen in fremde Netzwerke und damit ein freier Zugang zum Internet noch immer zu oft möglich ist. (chr)

Von den 86 gesichteten drahtlosen WLAN-Verbindungen in Muri hätten deren elf einen freien Netzzugang ohne Passworteingabe erlaubt. An allen drei Freiämter Testorten gibt es diverse WLAN-Anschlüsse von öffentlichen Institutionen wie Geschäften und/oder Restaurationsbetrieben.

Kunden und Gäste erhalten von den Betreibern der entsprechenden Netze den Code und können das Internet gratis oder für ein geringes Entgelt nutzen.
Kostenloses Surfen ist zum Beispiel auch im Postauto möglich. Ein grosser Teil der Fahrzeugflotte ist bereits mit Gratis-Internetzugang für die Fahrgäste ausgestattet.