Wohlen
Sextäter vom «Touch The Air Festival» war gar nie in U-Haft

Der Mann, der 2011 eine junge Frau zu Oralsex gezwungen haben soll, ist kurz nach einer Hausdurchsuchung und Vernehmungen wieder auf freiem Fuss.

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Beim "Touch The Air Festival" kam es 2011 zu einem sexuellen Übergriff

Beim "Touch The Air Festival" kam es 2011 zu einem sexuellen Übergriff

Leserreporter

Am «Touch The Air»-Festival in Wohlen 2011 wurde eine 17-Jährige von einem mit einem Messer bewaffneten Mann im Zelt zum Oralsex gezwungen. Sechs Jahre nach der Tat konnte der mutmassliche Täter ermittelt werden. Ein DNA-Profil führte die Behörden zu einem 27-jährigen Schweizer aus der Region Wohlen. Die Kantonspolizei habe ihn an seinem Wohnort angehalten und vorübergehend festgenommen, teilte die Oberstaatsanwaltschaft mit.

Nun zeigt sich: Der Mann war kurz darauf wieder auf freiem Fuss. Er sei nach «ein paar Stunden zur Hausdurchsuchung und zu den anschliessenden Einvernahmen» wieder entlassen worden, bestätigt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Polizei und Staatsanwaltschaft dürften gemäss Strafprozessordnung einen Tatverdächtigen für je 24 Stunden vorläufig festnehmen.

Nach Ablauf dieser 48 Stunden muss die Person entlassen werden, es sei denn, die Staatsanwaltschaft stellt einen Haftantrag beim Zwangsmassnahmengericht, das danach wiederum 48 Stunden Zeit hat für den Entscheid.

«Es bestehen keine Haftgründe», sagt Strebel. Zu diesen zählen Flucht-, Verdunklungs- sowie Wiederholungsgefahr. Anzeichen dafür sieht die Staatsanwaltschaft nicht: Weil bereits alle Beweise erhoben wurden, keine Indizien für eine Flucht vorliegen und der Beschuldigte nicht einschlägig vorbestraft ist. Strebel: «Da die Tat bereits fast sechs Jahre zurückliegt, kann aktuell nicht von einer akuten Wiederholungsgefahr gesprochen werden.»

Auf die Spur des mutmasslichen Täters kamen die Behörden aufgrund eines DNA-Profils, das im Zusammenhang mit einem anderen Delikt erstellt worden ist. Weil dem Mann mehrfache Fälschung von Ausweisen und Vergehen gegen das Waffengesetz vorgeworfen werden, waren die Bedingungen dafür gegeben. «Zusätzlich bestand der Verdacht, dass der Beschuldigten in Zukunft in Bezug auf Vermögensdelikte erneut straffällig werden könnte», sagt Strebel.

Der Abgleich mit der nationalen Datenbank habe dann den «Zufallstreffer» ergeben. Ende 2015 enthielt die Datenbank Codis 176 758 Personenprofile und 63 941 Tatortspuren. Wie viele davon aus dem Kanton Aargau stammen, ist dem Bundesamt für Polizei Fedpol nicht bekannt. In knapp 5500 Fällen stimmten die DNA-Profile mit Spuren vom Tatort überein. Ein sogenannter Hit ergab sich 2015 schweizweit beispielsweise 97 Mal in Fällen von sexueller Nötigung.

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