Serie (Teil 3)
Wie ein «Bewerbungsfuchs» Jugendlichen bei der schwierigen Schnupperlehr-Suche hilft

Die AZ begleitet Freiämter Schüler bei ihrer Suche nach Schnupperlehren in Coronazeiten in einer losen Serie. Im dritten Teil zeigt die Jugendarbeit Mutschellen ihr eigens entwickeltes Bewerbungsprogramm.

Verena Schmidtke
Merken
Drucken
Teilen
Die Mutscheller Jugendarbeiter (von links): Marcel Lepper, Bettina Pudelko und Jonathan Blickenstorfer (von links).

Die Mutscheller Jugendarbeiter (von links): Marcel Lepper, Bettina Pudelko und Jonathan Blickenstorfer (von links).

Verena Schmidtke

Hilfestellung für Jugendliche bei der Suche nach einer Schnupperlehre bietet neben der Berufsberatung zusätzlich die Jugendarbeit. Dafür hat die Jugendarbeit Mutschellen (JAM) in Widen ein eigenes Bewerbungs-Programm entwickelt. Bettina Pudelko, Jonathan Blickenstorfer, Marcel Lepper beantworten Fragen dazu.

Auf welche Art und Weise unterstützt die Jugendarbeit bei Bewerbungen?

Bettina Pudelko: Seit einem Jahr haben wir den «Bewerbungsfuchs»– der Fuchs ist schlau und flink, der weiss alles über Bewerbungen, das war ein gutes Motiv. Dafür haben wir ein Poster erstellt und bei den Lehrern Werbung gemacht, dass wir unsere Dienste am Donnerstagnachmittag in der Schule anbieten. Wir machen das auf Anfrage – die Lehrer melden sich bei uns, wenn Jugendliche Unterstützung bei Bewerbungen für die Schnupperlehre benötigen. Wir knipsen auch Bewerbungsfotos, wenn die Schülerinnen und Schüler das möchten – in der Schule oder hier im JAM. Die Jugendlichen sind da ganz dankbar, weil professionelle Bilder oft sehr teuer sind. Am meisten Aufwand macht es, die Bewerbungen durchzugehen. Wobei wir möchten, dass die jungen Leute die Fehler selbst korrigieren. Ganz wichtig ist beispielsweise die Unterschrift unter dem Anschreiben, die wird manchmal vergessen, und dann ist die Bewerbung draussen. Jetzt mit den Masken begrenzen wir die Besprechungen auf eine Stunde, weil sonst die Motivation nachlässt, dafür haben wir dann aber mehrere Termine.

Das Plakat zum «Bewerbungsfuchs».

Das Plakat zum «Bewerbungsfuchs».

zvg

Marcel Lepper: Wir helfen auch bei der Suche über Berufsberatungstools, wenn Jugendliche gar keine Ahnung haben, welche Möglichkeiten es gibt. Es gibt so tolle Möglichkeiten im Internet, die eigenen Fähigkeiten kennen zu lernen. Die Jugendlichen sind da auf unterschiedlichem Stand. Es gibt eben nicht nur die fünf, sechs Berufe, die beliebt sind, sondern ein grosses Feld. Da lohnt es sich zu schnuppern. Und es ist schade, weil das gerade etwas schwierig ist.

An wen richtet sich das Angebot?

Jonathan Blickenstorfer: Ab Beginn der 2. Sek helfen wir den Schülerinnen und Schülern bei den Bewerbungen. Da sind sie etwa 14 Jahre alt.

Bettina Pudelko von der Jugendarbeit Mutschellen spricht mit Alisar über den «Bewerbungsfuchs» und die Schnupperlehrsuche.

zvg

Wo sind die aktuellen Schwierigkeiten während der Pandemie? Erzählen die Jugendlichen von ihren Problemen?

Pudelko: Ein paar Schülerinnen und Schüler berichten, dass einige Firmen für die Schnupperlehre anscheinend gerade nicht so den Kopf haben.

Blickenstorfer: Die Motivation lässt bei manchen jungen Leuten nach, wenn sie hören, dass es weniger Stellen gibt.

Lepper: Im letzten Sommer hofften ja alle, dass die Coronasituation sich bessert. Aber nun ist es immer noch schwierig. Es gibt ja online beim «ask» inzwischen interessante Angebote. Trotzdem ist es nicht das gleiche, es ist nicht fühlbar. Bei den Jugendlichen passiert schon viel im Kopf, wenn sie einfach mal einen Tag in einem Betrieb sein können. Da ist es toll, wenn die Kreisschule Mutschellen und der Gewerbeverein Mutschellen zusammenspannen. Mit Abstand und Maske ist es für einige Betriebe sicher kein Problem, wenn jemand zum Schnuppern kommt.

Das Jam in Widen steht den Jugendlichen offen.

Das Jam in Widen steht den Jugendlichen offen.

Verena Schmidtke

Pudelko: Leider gibt es Bereiche, die gerade komplett wegfallen, wie Gastronomie oder Hotels. Da sind die finanziellen Möglichkeiten gerade schlecht, sodass es keine Ausbildungsmöglichkeiten gibt.

Blickenstorfer: In der Pflege werden dagegen sicher immer Leute gebraucht, aber es kann ja nicht jeder in diesen Berufen arbeiten.

Lepper: Mir tun die jungen Leute gerade sehr leid, die Lehrstellensituation ist nicht einfach. Da ist so ein diffuser Druck.

Pudelko: Den Jugendlichen werden aktuell auch viele andere Erfahrungen genommen, wie Sprachaufenthalte oder Ferienlager. Das ist so schade. Zum Glück ist der Jugendtreff offen, sodass die Teenager wenigstens mal etwas Abstand haben.

Gibt es Ratschläge für die Jugendlichen für ihre Schnupperlehren-Suche?

Lepper: Wir sind eine gute Ergänzung zu Familie und Schule. Einige fühlen sich da vielleicht nicht so aufgehoben, da können wir sie auffangen. Wenn sich die jungen Leute aussprechen möchten, sind wir da. Aktiv helfen wir bei den Bewerbungen, das geht auch ganz spontan. Die Jugendlichen sind herzlich eingeladen, vorbei zu kommen. Sich Hilfe zu suchen, ist wichtig, sie sollen bloss nicht alles in sich hineinfressen. Hier ist immer jemand für sie da – garantiert.

Blickenstorfer: Und einfach mal in einem Betrieb anrufen, ob es möglich ist, eine Schnupperlehre zu machen. Ein grosses Lob an die Jugendlichen – sie haben bisher in dieser schwierigen Situation gut mitgemacht.