Serie Freiämter Bibliotheken (8)
Von Telefonzellen und dystopischen Welten – ein Besuch in der Gemeindebibliothek Zufikon

In einer regelmässig erscheinenden Serie stellt die AZ Freiamt Bibliotheken aus der Region, Bibliothekarinnen und deren Lieblingsbücher vor. Im achten Teil ist die Reihe an der Leiterin der Schul- und Gemeindebibliothek Zufikon, Simone Soricelli.

Verena Schmidtke
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Bibliothek Zufikon: Astrid Schär (links) und Simone Soricelli zeigen ihre Buchtipps.

Bibliothek Zufikon: Astrid Schär (links) und Simone Soricelli zeigen ihre Buchtipps.

Verena Schmidtke

Einladend geöffnet ist die Eingangstür zur Zufiker Schul- und Gemeindebibliothek. Gleich bei der Tür sind Bücher mit Anregungen für Städtereisen arrangiert – vielleicht für einen Trip nach Paris oder doch lieber nach London? Daneben können sich Leserinnen und Leser über die aktuellen Neuheiten informieren. Bibliotheksleiterin Simone Soricelli und ihre Kollegin Astrid Schär bereiten einen weiteren Termin am Nachmittag vor. «Später kommt eine Schulklasse zu uns in die Bibliothek», erzählt die Leiterin lächelnd. Mit zum Team gehöre ausserdem Mirjam Bissegger, die an diesem Tag verhindert sei.

Trotz Corona-Einschränkungen zeigen sich die Bibliothekarinnen insgesamt recht zufrieden. «Unsere Ausleihzahlen der letzten Monate sind jedenfalls super», freut sich Soricelli, ihre Kollegin nickt zustimmend.

Die Freude, andere zum Lesen zu motivieren

Beide seien als Quereinsteigerinnen zu ihrer Tätigkeit gekommen. Simone Soricelli wurde 2005 von der damaligen Leitung nach dem Umzug der Bibliothek gefragt, ob sie Lust hätte, bei der Rekatalogisierung und Digitalisierung zu helfen. Als treue Kundin sei sie dazu gern bereit gewesen und bald darauf angestellt worden.

Auch Astrid Schär gehörte schon seit ihrer Kindheit zum treuen Leserkreis der Einrichtung. «Die Bibliothek hat mich gefunden», erinnert sie sich. «2008 gab es eine Jobausschreibung, ich habe mich beworben und es hat geklappt. Bücher sind meine Leidenschaft – ein schöner Beruf.» Im Laufe der Zeit absolvierten beide Weiterbildungskurse, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Die Bibliothek in Zufikon lädt zum Stöbern ein.

Die Bibliothek in Zufikon lädt zum Stöbern ein.

Verena Schmidtke

Wichtig für den Beruf sei der Bezug zur Literatur, merkt die Leiterin an: «Sehr bereichernd ist ja immer der Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden.» Schön seien auch Anlässe mit den ganz jungen Kunden. Dabei liege es dem Team am Herzen, besonders Schülerinnen und Schüler zum Lesen zu motivieren. «Wir arbeiten im Bereich der Leseförderung eng mit der Schule zusammen», führt Schär aus, «da gibt es viele spannende Projekte.»

Die Bibliothekarinnen lesen selber gern, meistens querbeet. Man müsse offen bleiben, betonen beide. Doch nicht jedes Genre passe jedem. Soricelli erzählt: «Heftige Thriller mag ich nicht so sehr.» Ihre Kollegin räumt ein, dass sie dagegen mit Fantasy nicht so viel anfangen könne. «In unserem dreiköpfigen Team haben wir alle ganz unterschiedliche Interessen», berichtet die Leiterin schmunzelnd. «Diese Vielfalt und der Austausch darüber sind schön.»

Natürlich bietet die Bibliothek Zufikon auch fremdsprachige Bücher an, wie dieser englischsprachige Büchersims zeigt.

Natürlich bietet die Bibliothek Zufikon auch fremdsprachige Bücher an, wie dieser englischsprachige Büchersims zeigt.

Verena Schmidtke

In ihrer Freizeit sind beide oft draussen anzutreffen. Astrid Schär erläutert: «Ich jogge und bin insgesamt sehr sportbegeistert.» Auch Soricelli sei gern in der Natur unterwegs und koche gern. «Und ich habe drei Enkelkinder», sagt sie und ihre Augen leuchten.

Ihre Buchtipps regen zum Nachdenken an

«Als Buchtipp habe ich von Laura Imai Messina ‹Die Telefonzelle am Ende der Welt› ausgesucht», teilt die Bibliotheksleiterin mit. «Es spielt in Japan und ist sehr schön geschrieben.» Die genannte Telefonzelle stehe in einem Garten am Meer in einiger Entfernung von Tokio. Ans Netz angeschlossen sei sie schon lange nicht mehr. Dennoch suchen immer wieder Menschen die Telefonzelle auf – es sind Angehörige von Verstorbenen. Sie können eine Nummer wählen und hören dann den Wind, der ihre Worte mit zu den Menschen nimmt, die sie verloren haben.

Ein Buch zum Nachdenken: «Die Telefonzelle am Ende der Welt» von Laura Imai Messina.

Ein Buch zum Nachdenken: «Die Telefonzelle am Ende der Welt» von Laura Imai Messina.

Verena Schmidtke

Soricelli zur Geschichte: «Nach dem Tsunami, bei dem Yui Mutter und Tochter verloren hat, ist die Welt für sie nur noch schwer zu ertragen. Dann erfährt sie von der Telefonzelle und wie sie anderen geholfen hat, mit ihren Verstorbenen zu reden.» Die Geschichte brauche ein wenig Zeit, um sich zu entfalten. Man müsse darüber nachdenken. «Der Roman ist sehr berührend und tiefgehend, er zieht den Leser nicht hinunter, aber leichte Kost ist er nicht», resümiert die Leiterin.

Passend zum Buchtipp steht auf der gegenüberliegenden Strassenseite eine Bücherkabine in einer ehemaligen Telefonzelle.

Passend zum Buchtipp steht auf der gegenüberliegenden Strassenseite eine Bücherkabine in einer ehemaligen Telefonzelle.

Verena Schmidtke

Ihre Kollegin stellt das Buch «Cryptos», geschrieben von der bekannten Jugendbuchautorin Ursula Poznanski, vor. «Cryptos ist eine Dystopie in der Zukunft», sagt Astrid Schär zum Inhalt. «Die Menschen leben in einer zerstörten Umwelt auf sehr engem Raum. Um dem zu entfliehen, entwickeln Programmierer wie Jana virtuelle Welten.»

Aber gerade in Janas Lieblingswelt geschieht ein Verbrechen, sie muss handeln. «Es ist ein tolles Buch, mega spannend, ich konnte es kaum aus der Hand legen», sagt Schär begeistert. Es sei allerdings auch ein Wink, wie die Menschen sich heute verhalten sollten, damit die Zukunft nicht so schlimm werde.

Die zwei Büchertipps der Bibliothekarinnen.

Die zwei Büchertipps der Bibliothekarinnen.

Verena Schmidtke

Schul- und Gemeindebibliothek Zufikon

Die Schul- und Gemeindebibliothek Zufikon umfasst ungefähr 120 Quadratmeter. Hier arbeiten drei Mitarbeiterinnen. 2020 betrug die Anzahl der Ausleihen inklusive E-Books 22'176. In der Einrichtung befinden sich 8607 Medien. Die Bibliothek lädt ausserdem zu Anlässen wie Nuggi-Zmorge und Biblio-Kafi ein. Alle zwei Jahre findet das Event «Wein und Literatur» statt. Dabei werden verschiedene Bücher vorgestellt, die bei einem Glas Wein diskutiert werden können.

Passend zum vorgestellten Buch gibt es in Zufikon eine Bücherkabine. Diese wurde während des Lockdowns in einer ehemaligen Telefonzelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite eingerichtet. Aus der Kabine können Bücher gratis mitgenommen oder ausgeliehen werden. Aber es können dort auch gut erhaltene Bücher abgegeben werden. Ein Blick in die Kabine lohnt sich.

Adresse: Schulstrasse 15, Zufikon, www.zufikon.biblioweb.ch

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