Serie Freiämter Bibliotheken (7)
Ein Roman über eine dunkle Zeit in den 1940er-Jahren regt die Sarmenstorfer Bibliothekarin zum Nachdenken an

In einer regelmässig erscheinenden Serie stellt die AZ Freiamt Bibliotheken aus der Region, Bibliothekarinnen und deren Lieblingsbücher vor. Im siebten Teil ist die Reihe an der Leiterin der Bibliothek Sarmenstorf, Christina Eppisser.

Verena Schmidtke
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Die Sarmenstorfer Bibliothekarin Christina Eppisser zeigt ihr aktuelles Lieblingsbuch «Die Schwimmerin».

Die Sarmenstorfer Bibliothekarin Christina Eppisser zeigt ihr aktuelles Lieblingsbuch «Die Schwimmerin».

Verena Schmidtke

Ein wenig versteckt, von der Strasse aus nicht gleich erkennbar, liegt die Sarmenstorfer Bibliothek. Sie befindet sich im ersten Stock des Schulhauses Winkel. «Wir haben an die Fenster die Aufschrift Bibliothek geklebt», erläutert Bibliotheksleiterin Christina Eppisser.

Aus Erfahrung wisse sie, dass viele zunächst vermuten, die Einrichtung stünde allein der Schule zur Verfügung. «Aber wir sind wirklich für alle Einwohner der Gemeinde da», betont sie.

Der Engangsbereich der Bibliothek Sarmenstorf beim Schulhaus Winkel.

Der Engangsbereich der Bibliothek Sarmenstorf beim Schulhaus Winkel.

Verena Schmidtke

Im oberen Stockwerk angekommen, laden die vielen Bücherregale und die freundliche Atmosphäre sofort dazu ein, sich ein Buch auszusuchen, um es in einer ruhigen Ecke durchzublättern. Die Bibliothek ist ein beliebter Treffpunkt, um Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen. Eppisser stellt fest:

«Für Neuzuzüger ist es ein guter Ort, um Bekanntschaften zu machen. Ideal für die Integration. Neukunden sind immer herzlich willkommen.»

Jedes Jahr wird ein Zehntel der Medien ersetzt

«In unserer Bibliothek ersetzen wir jährlich zehn Prozent der Medien durch Neuerscheinungen, dadurch sind wir immer aktuell», berichtet die Leiterin. Eine Ausnahme gebe es bei der umfangreichen Comicsammlung.

Dazu Christina Eppisser schmunzelnd: «Die frühere Bibliotheksleiterin hat sie mit viel Liebe aufgebaut. Es gibt wirklich viele Fans, die gern auch ältere Ausgaben ausleihen.»

Dabei weist sie zu den Regalen in denen «Lucky Luke» und eine Reihe der «Star Wars»-Comics auf Leser warten. Grosser Beliebtheit erfreuen sich seit einigen Zeit die E-Medien. «Die Bibliothek wird noch grösser. Gerne beraten wir auch im Umgang mit E-Readern, denn über das Bibliotheksabo kann man die riesige Datenbank E-Bookplus nutzen. Das passt natürlich auch zum Nachhaltigkeitsgedanken.»

Die Comicsammlung ist sehr umfangreich.

Die Comicsammlung ist sehr umfangreich.

Verena Schmidtke

Seit 2014 sei die Einrichtung im E-Book-Verbund dabei und die Ausleihen steigen rasant an. «Erfreulicherweise sind die Ausleihzahlen in der Bibliothek seither nicht gesunken. Also der Beweis dafür, dass die Bibliotheken ihre Berechtigung in den Gemeinden haben.»

Vielfältigkeit ist das Spannende am Beruf

Sie selbst sei als Quereinsteigerin zu ihrer Tätigkeit gekommen, so die Bibliothekarin. «Ich habe mich schon immer für Bücher interessiert, sehr gern gelesen und war selbst Kundin. Als ich sah, dass hier eine Stelle ausgeschrieben war, habe ich mich beworben.» Das sei etwa sechs Jahre her. «Leiterin bin ich seit 2018», erinnert sich die Bibliothekarin.

«Besonders spannend ist die Vielfältigkeit in diesem Beruf», legt sie dar, «wie die Zusammenarbeit mit der Schule, dazu zählen Klassenführungen, Lesungen mit den Schulklassen, Kindergartenbesuche, Schweizer Vorlesetag. Das sind alles Anlässe, die mit der Schule durchgeführt werden und meinem Team und mir gehen die Ideen vorläufig nicht aus.»

In der Bibliothek ist es dank den Fenstern lichtdurchflutet.

In der Bibliothek ist es dank den Fenstern lichtdurchflutet.

Verena Schmidtke

Ein wichtiges Aufgabengebiet der Bibliothek sei die Lese- und Sprachförderung, die mit der Schule abgestimmt werde. «Wir sind froh, dass wir im letzten Jahr die beliebte Vorlesenacht durchführen konnten. Dafür hatten wir ein ausgefeiltes Corona-Schutzkonzept. Wir sind schon voller Tatendrang, wenn die Pandemie vorbei ist», sagt Eppisser lachend.

Wenn es um Lesestoff gehe, da sei sie selbst recht breit gefächert interessiert, spannend dürfe es gern sein. Sie sagt:

«Ich lese auch gern Jugendbücher und tauche in deren Welt ab.»

In ihrer Freizeit möge sie sehr gern zusammen mit der Familie jassen und Gesellschaftsspiele spielen. «Ausserdem bin ich gern Velofahren mit meinem Mann und Wandererlebnisse geniesse ich mit meinen Freundinnen», fügt sie hinzu.

Ein Buchtipp, der zum Nachdenken anregt

Als Buchtipp habe sie sich einen Roman ausgesucht, der auf zwei Zeitebenen angelegt sei. «Solche Bücher lese ich gern», führt die Bibliothekarin aus. «Der Roman ist von Gina Mayer und heisst ‹Die Schwimmerin›. Dabei geht es um das Mädchen Elisabeth, das 1942 mit ihrer Mutter aus Düsseldorf nach Schwaben flieht.» Dort fühle sich das junge Mädchen zunächst so wohl, dass sie nach dem Krieg auf einem Bauernhof bleibt. Der Bauerssohn bringt ihr im Dorfweiher das Schwimmen bei. Allerdings passiert etwas, das Elisabeth in den nächsten Jahren versuchen wird, zu verdrängen.

Der Roman «Die Schwimmerin» von Gina Mayer.

Der Roman «Die Schwimmerin» von Gina Mayer.

Verena Schmidtke

Die zweite Zeitebene zeigt Betty/Elisabeth in den 1960er-Jahren. Die junge Frau verliebt sich, heiratet und erwartet ein Kind. Dem Schwimmen ist sie treu geblieben, nur dann fühlt sie sich frei. Ausgerechnet im Schwimmbad lernt Betty ein Mädchen kennen, das ihr irgendwie vertraut ist.

Diese Begegnung konfrontiert die junge Frau mit ihrer Vergangenheit, die sie am liebsten hinter sich lassen möchte. Denn in Schwaben ist ihr etwas geschehen, das wie ein dunkler Schatten über ihr liegt.

Christina Eppisser dazu: «Mehr möchte ich nicht verraten. Es ist ein Buch darüber, dass Frauen lange Zeit nur wenig Rechte hatten und zeigt, wie über sie verfügt wurde. Diese flüssig geschriebene Lebensgeschichte regt zum Nachdenken an.»

Bibliothek Sarmenstorf

Die Einrichtung umfasst 100 Quadratmeter. In der Bibliothek arbeiten vier Mitarbeiterinnen. Im Jahr 2020 wurden 22'658 Ausleihen getätigt. In der Bibliothek warten 9564 Medien wie Bücher, Hörbücher, DVDs, CDs, Comics und Tonies auf ihre Ausleihe. Eine besondere Veranstaltung: Die Seetaler und einige Luzerner Bibliotheken veranstalten jährlich im Frühjahr ein Literaturschiff auf dem Hallwilersee. Wegen der Corona-Auflagen musste das Literaturschiff dieses Jahr bereits zum zweiten Mal abgesagt werden. Die beteiligten Bibliotheken hoffen, es klappt im Mai 2022 zum 10-Jahr-Jubiläum.
Mehr Infos auf: www.sarmenstorf.biblioweb.ch
Adresse: Schulhaus Winkel, 5614 Sarmenstorf

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