Es ist heiss, es ist laut. Die Motoren in der Biogasanlage röhren, was das Zeug hält. Gekühlt werden sie mit Wasser, das dadurch aufgeheizt wird und die Anlage mit 90 Grad verlässt. Durch 12,5 cm dicke Rohre, umgeben von 8 cm Isolation, gelangt es zum 1,2 km entfernten Reusspark.

Dort wird dem Wasser Wärme zum Heizen entzogen. Wenn es wieder zur Biogasanlage zurückfliesst, ist es noch rund 55 Grad zurück.

Bis anhin wurden rund zwei Drittel der Abwärme, die in der Biogasanlage entsteht, im eigenen Betrieb, zum Beispiel zum Reinigen der Biomassecontainer, eingesetzt. Der Rest wurde ungenutzt an die Umwelt abgegeben.

«Die Natur kennt keine Abfälle. Es ist unser Bestreben, möglichst alles wiederzuverwerten, sagte Werner Humbel von der Recycling Energie AG an der Inbetriebnahme des Wärmeverbunds. Dank der Fernwärmeleitung könne man nun auch die restliche überschüssige Wärme nutzen.

Sanierung hätte nicht rentiert

Thomas Peterhans, Direktor des Reussparks, freute sich über die Inbetriebnahme des Wärmeverbunds. «Vor 15 Jahren haben wir von einer fossilen Heizung zu einer CO2-neutralen Holzschnitzelheizung gewechselt.» Mit der noch ökologischeren Wärmenutzung mache man einen weiteren Schritt in diese Richtung.

Die Holzschnitzelheizung konnte die maximal zulässigen Abluftwerte nicht mehr erfüllen, seit die Bestimmungen der Luftreinhalteverordnung verschärft wurden. Die Sanierung des Kessels und der Einbau eines Elektrofilters hätten rund 800 000 Franken gekostet.

«Genau zu dem Zeitpunkt, als wir weitere Offerten für die Sanierung einholen wollten, habe ich von Werner Humbel einen Telefonanruf erhalten, mit der Bitte um einen Besprechungstermin», erzählte Peterhans.

Was dann passiert sei, sei sehr eindrücklich gewesen, so der Direktor des Reussparks. «Am Anfang haben wir alles per Handschlag abgemacht – es lief alles sehr einfach und unkompliziert. Werner Humbel ist noch ein echter Unternehmer.»

Allerdings ist es dann Peterhans doch nicht so einfach gefallen, sich von der Holzschnitzelheizung zu trennen: «Ich habe mich damals stark für diese Lösung engagiert. Es war deshalb komisch, dass ich diese Holzschnitzelheizung nun praktisch selber beerdigen musste.»

Zudem sei man sich bewusst, dass man für den Forstbetrieb Reusstal ein zuverlässiger Holzschnitzel-Abnehmer gewesen sei. Rund 3300 m2 müssen nun einen anderen Abnehmer finden.

Strasse ist offen – nicht für LKWs

Gleichzeitig mit dem Fernwärmeverbund wurde gestern die sanierte Tägerigerstrasse eingeweiht, die ab sofort wieder befahrbar ist. Sie wurde verbreitert, gleichzeitig wurden Rohre verlegt, um später das Gnadental an die Wasserversorgung der Gemeinde Niederwil anzuschliessen. Bisher wurde die Wasserversorgung unabhängig betrieben.

Das Grundwasserpumpwerk speiste ein Reservoir, das aber in der Schutzzone im Bereich der Tägerigerstrasse liegt. Deshalb habe das kantonale Baudepartement die Konzession für die Grundwasserfassung nicht mehr erneuert. «Für den Gemeinderat war es naheliegend, sich an diesem Bauprojekt zu beteiligen», sagte Gemeinderat Kurt Studer.