Oberlunkhofen

Seit drei Jahrzehnten im Amt: Dieser Gemeindeschreiber mischt sich gerne unters Volk

Der Gemeindeschreiber Erwin Eichenberger verbringt seine Zeit ausserhalb der Gemeindeverwaltung gerne mit seinem Welpen Linus oder in der Natur.

Der Gemeindeschreiber Erwin Eichenberger verbringt seine Zeit ausserhalb der Gemeindeverwaltung gerne mit seinem Welpen Linus oder in der Natur.

Seit Erwin Eichenberger Gemeindeschreiber von Oberlunkhofen ist, hat sich die Grösse des Dorfs fast verdreifacht.

«Auch nach drei Jahrzehnten gehe ich noch jeden Tag gerne zur Arbeit», sagt Erwin Eichenberger. Der 61-Jährige feiert heute sein Jubiläum. Denn seit 30 Jahren setzt er sich als Gemeindeschreiber für das Dorf Oberlunkhofen ein. Eichenberger sitzt am grossen hölzernen Sitzungstisch der Gemeindeverwaltung. «Als wir von der Birkenstrasse an die Zugerstrasse zogen, konnte ich die Räumlichkeiten mitgestalten und dekorieren sowie mein eigenes Büro einrichten. Das ist bis heute ein tolles Gefühl und schafft eine gewisse Verbundenheit zu diesem Ort.»

Eichenberger, der Elektromonteur gelernt hatte und später als Betriebsfachmann tätig war, kam über das Grundbuchamt zur Einwohnerkontrolle in Niederlenz, wo er aufgewachsen ist. «Als ich die Stellenausschreibung für das Amt als Gemeindeschreiber in Oberlunkhofen sah, wusste ich sofort, dass dies etwas für mich ist», sagt er. Nach der Besichtigung mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter habe es ihnen die Gemeinde vor allem wegen ihrem Dorfcharakter und der besonderen Lage angetan. Das war wichtig, denn: «Für mich kam nicht infrage, als Gemeindeschreiber ausserhalb meines Einsatzgebiets zu wohnen.»

Es gab viele schlaflose Nächte

In Rheinfelden absolvierte er, parallel zum Antritt der neuen Stelle in Oberlunkhofen, die Ausbildung zum Gemeindeschreiber. Da alles neu war für ihn, habe er immer bei verschiedensten Leuten nachfragen müssen. «Das kostete viel Zeit und Energie», erinnert er sich. Zudem habe er anfangs noch nicht für jedes Problem direkt eine Lösung gewusst. «Das bereitete mir damals oft schlaflose Nächte. In den ersten zwei Jahren als Gemeindeschreiber habe ich jedoch viel gelernt.»

Vor dem Sitzungszimmer, dessen Tür offen steht, herrscht reger Betrieb. Jeder, der am Zimmer vorbeigeht, wird von Eichenberger freundlich begrüsst. Das sei für ihn selbstverständlich. «Mir ist es wichtig, für die Menschen als Person greifbar zu sein. So entstehen bessere Gespräche und schlussendlich auch ein besseres Netzwerk, was viele Vorteile bringt», betont Eichenberger. Aus diesem Grund wolle er auch aktiv am Dorfleben teilnehmen. «Die Leute in Oberlunkhofen nehmen einen sehr herzlich auf. Aber nur, wer der Gemeinde etwas gibt und sich engagiert, der bekommt auch etwas zurück», sagt er und lacht. Der Familienvater war beispielsweise zwölf Jahre Präsident des Musikvereins Lunkhofen. Privates und Berufliches zu trennen, sei für ihn noch nie ein Problem gewesen. «Die zwei Bereiche dürfen ineinanderfliessen, aber nur bis zu einem gewissen Grad.»

Viele Veränderungen miterlebt

«In den 30 Jahren, in denen ich hier wohne und tätig bin, hat sich vieles verändert», sagt Eichenberger. So beispielsweise auch die Grösse des Dorfs. «Oberlunkhofen hat sich in dieser Zeit fast verdreifacht. Zu Beginn waren wir zu zweit auf der Gemeindeverwaltung. Heute sind wir sechs», stellt der Gemeindeschreiber fest. Auch die Anforderungen der Bevölkerung an die Verwaltung haben sich geändert. Denn die Leute erwarten eine schnellere Reaktionszeit. «Früher brachte Frau Staubli um 9 Uhr die Post. Ich wusste, dass das alles war für den Rest des Tages. Mit dem Internet ist das heute anders. Die Informationsflut kommt den ganzen Tag», beschreibt Eichenberger.

Sein Vorbild sei der Gemeindeschreiber in Niederlenz gewesen. Er war fasziniert von diesem Beruf. «Bis heute habe ich tatsächlich noch keine negativen Seiten an dieser Tätigkeit entdeckt.» Er schätze vor allem die abwechslungsreiche Seite und den Kontakt mit den Menschen. «Ich weiss nie, was mich am nächsten Tag erwartet. Das liebe ich an meinem Beruf.» Er habe viele lustige und schöne Momente erlebt. «Vor allem, wenn ich durch Oberlunkhofen laufe und all die Häuser sehe, für die ich schon Baubewilligungen erteilen durfte, ist das ein tolles Gefühl», sagt der Gemeindeschreiber.

Eichenberger, der in seiner Freizeit gerne Euphonium spielt, mit seinem Golden-Retriever-Welpen Linus spazieren geht oder sich in der Natur aufhält, will seinen Lebensabend in Oberlunkhofen verbringen. «Wir erhielten sogar das Ortsbürgerrecht. Das war eine grosse Ehre für uns», freut er sich. Über die Pensionierung habe er sich noch keine Gedanken gemacht. «Wenn es die Gesundheit zulässt, möchte ich noch bis 65 arbeiten.» Er könne sich aber beispielsweise eine Töfftour durch Amerika gut vorstellen. «Ideen für die Zeit habe ich auf jeden Fall genug.»

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