Ein Kampfjet auf dem Parkplatz? Ernsthaft? Die ausgemusterte Mirage III RS der Schweizer Luftwaffe ist das erste, das einem auffällt, wenn man auf den Parkplatz der Kartbahn Wohlen einbiegt. «Der Flieger soll Geschwindigkeit repräsentieren und die Besucher sofort auf das bevorstehende Adventure einstimmen», sagt Vincent Abrahamse, Kundenbetreuer und Pistenwart der Kartbahn.

Geschwindigkeit liegt in der Luft

Sobald man aus dem Auto aussteigt, streicht einem der Geruch von verbranntem Benzin um die Nase und man hört das Knattern der von Rasenmähermotoren betriebenen Gokarts, die auf der Bahn ihre Runden drehen. Auf dem Parkplatz stehen die Lieferwagen vieler Profifahrer, die täglich auf die Strecke kommen, um mit ihren Rennboliden richtig Gas zu geben. Am Streckenrand sucht man vergebens nach Frauen, nur Männer von jung bis alt schauen dem Treiben auf der Rennpiste zu und kritisieren die Fahrkünste der Amateurfahrer. Gleich daneben ist das Fahrerlager der Profifahrer, wo diese die Karts für ihren nächsten Einsatz parat machen. Sei es, dass sie die Reifen wechseln oder den hochgezüchteten Motor mit vielen einzelnen Gasstössen aufwärmen.

Die vor 53 Jahren erbaute Strecke finanziert sich hauptsächlich durch den täglichen Mietbetrieb für Amateurfahrer. Im Sommer kann sich jeder, der das nötige Kleingeld hat, von 9 bis um 21 Uhr anmelden und seine Runden drehen. Die Strecke hat von März bis November geöffnet, wobei in den Sommermonaten immer am meisten los ist.

Auf dem 825 Meter langen Rundkurs gibt es alle 15 Minuten einen Wechsel zwischen Mietbetrieb und Profibetrieb. Meistens sind es Firmen, die ein sogenanntes Fun-Race buchen und mit dem ganzen Betrieb anrücken, um auf der Rennpiste zu klären, wer der schnellste des Büros ist. «Am meisten verdienen wir an diesen Fun-Races», sagt Abrahamse.

Traumjob mit Vorzügen

Abrahamse arbeitet schon 6 Jahre auf der Kartbahn Waltenschwil, davon 4 Jahre als Festangestellter. Vorher verdiente er seine Brötchen auf dem Bau, hat aber mit seinem jetzigen Job seinen Traumberuf gefunden. «Ich finde alles an meiner Arbeit toll. Ich liebe vor allem den Kontakt zu den Kunden und habe mich sehr gut mit den doch sehr speziellen Arbeitszeiten angefreundet», sagt Abrahams.

Im Sommer arbeitet er fast immer sieben Tage die Woche und zwölf Stunden täglich. Da bleibt nicht viel Freizeit. Dafür hat er im Winter, wenn die Strecke geschlossen ist, drei Monate bezahlten Urlaub. Neben der Kundenbetreuung und dem Unterhalt der Strecke beschäftigt sich Abrahams auch mit der Buchhaltung. «Wir sind vier Festangestellte: ein Mechaniker, ein Buchhalter, der Chef, der für das Inventar zuständig ist und ich. Wenn einmal nicht viel los ist, sind wir sehr flexibel und übernehmen manchmal die Arbeit der anderen.»

Unfälle möglich

Grosse Rennkart-Rennen finden jährlich etwa fünf bis sechs Mal statt, wobei die Schweizermeisterschaften das grösste Event im Jahr sind. Bei diesen Rennen kann es immer wieder zu schweren Unfällen kommen. Meistens passiert das aber nur etwa einmal jährlich. Vor zwei Jahren verunglückte bei einem solchen Rennen ein Schweizer sehr schwer. Er erlitt diverse Knochenbrüche und lag zwei Monate im Koma. Er verlor die Kontrolle über sein Gefährt und krachte mit hoher Geschwindigkeit in eine Bande.

Noch zwei Jahre zuvor kam es gar zu einem Unfall, nachdem ein Fahrer querschnittsgelähmt war. «Bei den Mietkarts passieren solch schwere Unfälle jedoch nicht. Das Maximum, was passieren kann, ist ein offenes Knie, aber nichts Verheerendes», beruhigt Abrahamse. Die maximal neun PS starken Mietkarts seien schlichtweg zu schwach, um grossen Schaden anzurichten. Trotzdem seien sie zu anfangs nicht einfach zu beherrschen. Anfänger lässt Abrahams deshalb nicht gleich an das stärkste Model. Die Rennkarts
dagegen haben etwa 38-42PS und können viel höhere Geschwindigkeiten
erreichen.