Es war im Wohler Traditionscafé Widmer, wo Heini Bürgi, Heribert Isler und Kumpanen vor über 50 Jahren beschlossen, einen Handballverein zu gründen. «Damals war der Sport in Wohlen noch kaum bekannt. Die Regeln waren selbst den Lehrern zu kompliziert, bei uns spielte man eher Fussball», erinnert sich der Mitgründer und erste Aktuar Heribert Isler. «Ich hätte als Kind auch gerne Fussball gespielt, aber das durfte ich von meinen Eltern aus nicht. Ich war im KTV Wohlen bei den Leichtathleten.»

Aber ein Mannschaftssport hätte ihn schon mehr gereizt. «Dann kam Familie Bürgi aus der Handballhochburg Möhlin nach Wohlen. Ich freundete mich mit Heini Bürgi an, und wir hatten die Idee, selber ein Team aus unserem Freundeskreis zusammenzustellen.» Tatsächlich hatten sie bald ein Dutzend spielwillige junge Männer beisammen. «Und weil einer davon der Sohn des Dottiker ‹Güggel›-Wirts war, hielten wir unsere Gründungsversammlung am 13. August 1966 dort ab.» So wurde der Ballspielclub BSC Wohlen geboren. Der Kantonsschüler Heini Bürgi übernahm das Präsidium, «und ich als KV-Lehrling war als Aktuar und Kassier quasi für alles andere zuständig», lacht Isler. Franz Vock wurde Vizepräsident, Paul Vock Beisitzer.

Aufstieg nach einer Saison

In Wohlen konnte damals aufgrund der fehlenden Sporthallen mit ausreichender Feldgrösse kein Heimspiel des BSC ausgetragen werden. «Zur Eröffnung wollten wir dennoch wenigstens ein Freundschaftsspiel organisieren. Also luden wir den AV Baden ein und machten Handball Schritt für Schritt bekannter in Wohlen.» So stieg der BSC Wohlen 1966 nicht nur in die 4. Liga ein, sondern 1968 auch schon in die 3. Liga auf. Aus versicherungstechnischen Gründen schloss sich der BSC aber auch schon in der zweiten Saison dem TV Wohlen an und nannte sich ab dann TV Wohlen Handball.

1972 stellte der Verein bereits vier Mannschaften und zählte 77 Mitglieder, nur ein Jahr später waren es 7 Teams mit insgesamt 122 Spielern. «Unser Handballverein hatte von Anfang an einen sehr guten Ruf», ist Isler stolz. «So schaffte es der Sportlehrer Viktor Hollinger, der auch Spielertrainer in unserer ersten Mannschaft war, Handball an die Schulen, vor allem an die Bezirksschule, zu bringen. Er machte Handball salonfähig», denkt der 68-jährige Isler laut nach.

1969 stellte der TV Wohlen Handball seine erste Juniorenmannschaft, 1972, pünktlich zum Frauenstimmrecht, auch das erste Frauenteam. «Hier war auch Sepp Merz sehr aktiv.» Heribert Isler selber war ebenfalls Trainer in den verschiedenen Teams und im Vorstand des aargauischen Handballverbands. «Ich war eigentlich alles, nur Präsident war ich nie.» Er spielte erst im Aufbau, später fand er seine Stammposition am rechten Flügel. Er erinnert sich noch gut an ihren Lieblingsspielzug, den «Stanser». Seine kurioseste Zweiminutenstrafe erhielt er seinerzeit in Lenzburg während einer Penalty-Ausführung des Gegners. «Der Schiedsrichter hob zwei Finger und zeigte auf mich. Ich fragte, weshalb ich vom Platz sollte. Er sagte: ‹provozierender Blick.›»

Gründer gegen HC Einwohnerrat

Zum 25-Jahr-Jubiläum schrieben die Handballer eine Chronik. «Und wir organisierten ein Freundschaftsspiel zwischen den Gründern und dem HC Einwohnerrat. Das war genial. Wir haben, glaube ich, verloren», lacht Isler. Noch heute fühlt er sich sehr mit Handball Wohlen verbunden, obwohl der Wahl-Mutscheller eher Spiele in Berikon anschauen geht. «Es war schon schmerzhaft zu erleben, als die Handballhochburg Wohlen die Freiämter Herrschaft an den TV Muri verlor, wir waren schon immer verbissene Konkurrenten, und das habe ich natürlich verfolgt.»

Zur Jubiläums-Generalversammlung am 10. Juni, vor allem aber zur eigentlichen Geburtstagsfeier des Vereins am 18. Juni werden die meisten Gründungsmitglieder ebenfalls anwesend sein. Und auch eine rund 70-seitige Chronik wird es wieder geben. Daneben verfügt der Verein seit zwei Jahren über die Zeitschrift «Gägestoss», die dreimal pro Jahr erscheint. Mittlerweile sind rund 200 Spielerinnen und Spieler aktiv für Handball Wohlen auf dem Platz, es sind eine Damen-, drei Herren- und neun Juniorinnen- beziehungsweise Juniorenteams gemeldet – von U9 bis in die 1. Liga bei den Herren.

Offensichtlich hat Handball Wohlen erkannt, dass die Juniorenförderung wichtig ist für einen ambitionierten Verein. «Unser Projekt ‹Handball Wohlen macht Schule›, für das wir Dominique Meier als Verantwortliche gewinnen konnten, bringt den Ballsport für die 7– bis 11-Jährigen wieder in die Schulturnhallen», freut sich der heutige Präsident Martin Laubacher. «Und schon nach zwei Jahren konnten wir erste Rosinen für unsere U13- und U14-Teams pflücken.» Das Projekt findet unter der Woche, aber auch samstags statt. «Wir haben erwartet, dass die Eltern ihre Kinder bei uns abgeben und später wieder abholen. Aber viele sind ehemalige Handballer und nutzen die Zeit, um sich zu treffen. Es freut mich zu sehen, wie Handball Wohlen wieder zu einer echten Familie zusammenwächst.» Erst kürzlich konnte man mit Andreas Stierli, einer wichtige Stütze des Fanionteams, vereinbaren, dass das Projekt auf die Junioren-Altersklassen U13 bis U19 ausgeweitet werden kann.