Eggenwil

Seit 40 Jahren Samichlaus: «Ich muss schmunzeln, wenn Kinder ihre Eltern in die Pfanne hauen»

Samichlaus, wie geht das eigentlich, dass du gleichzeitig überall sein kannst?

Samichlaus, wie geht das eigentlich, dass du gleichzeitig überall sein kannst?

Ein Interview mit dem Samichlaus vom Bremgartner Weihnachtsmarkt – und dem Mann dahinter.

Benny Hoppler ist seit 40 Jahren Samichlaus – am Donnerstag besucht er wieder die Kinder am Christchindlimärt.

Das kleine Haus hoch oben am Stotzige Hang liegt in dichtem Nebel. Die Türe öffnet sich, noch bevor die Klingel ertönt – der Samichlaus weiss, dass Besuch da ist. In der Stube ist es heimelig warm, neben dem Kachelofen stehen Engelsfiguren. Kerzen erhellen den Raum, aber der Mann mit dem weissen Bart hat Sorgen: «Die letzten Tage war ich krank und musste einige Familienbesuche absagen», erzählt er. Gesund sei er noch nicht, aber am Donnerstag hoffentlich fit genug, um am Christchindlimärt in Bremgarten die Kinder zu besuchen.

Seit 40 Jahren schlüpft Benny Hoppler in den roten Mantel. «Eine gewisse Routine ist schon da», sagt er schmunzelnd. Angefangen hat er damals, weil es in Eggenwil keinen Chlaus gab und er seinem Sohn – der inzwischen bald 44 Jahre alt ist – eine Freude machen wollte. Seine Frau nähte ihm Kleider, Kollegen begleiteten ihn als Schmutzli.

Mit Flugblättern machte die Gruppe im Dorf auf sich aufmerksam. Heute kann man den Samichlaus schweizweit übers Internet buchen: Auf www.chlaus.ch findet man nach Kanton und Gemeinden sortiert die richtige Anlaufstelle.

Keine Angst, aber Respekt

Aus seiner eigenen Kindheit hat Hoppler keine guten Erinnerungen an den Samichlaus: «Mir wäre fast das Herz stehen geblieben, solche Angst hat man uns vor dem Samichlaus und den Schmutzli gemacht. Manchmal habe ich sogar geweint.» Das sei jedoch der falsche Weg, um den Kindern etwas mitzugeben. «Sie sollen einen schönen Abend haben, ein Erlebnis, von dem sie noch lange erzählen können – aber so, dass sie nach dem Besuch vom Samichlaus noch ruhig schlafen können.» Er schimpfe nicht mit den Kindern, sondern rede mit ihnen. «Dann kann ich ihnen sagen, was sie noch besser machen müssen, und sie nehmen das auch auf.»

Und wenn ein Kind doch Angst hat? «Dann treten die Schmutzli einen Schritt zurück, und ich knie mich hin, damit ich auf Augenhöhe mit ihnen bin. Häufig nützt das schon. Und wenn noch mehr Kinder da sind, dann spreche ich zuerst mit einem anderen», erzählt Hoppler.

«Wir haben uns abgemeldet»

«Wir haben uns abgemeldet»

Die Kindergärtler des Kindergarten Aesch in Wohlen über den Samichlaus, sein Zuhause und sein Buch. Natürlich haben sie auch ein Versli auf Lager.

In den 40 Jahren als Samichlaus konnte der Eggenwiler viele schöne Erlebnisse sammeln. «Ein Kindergartenmädchen hatte ein gebrochenes Bein. Sie wurde dick eingepackt und auf einem Schlitten in den Wald gefahren, damit sie mit ihren Gspöndli den Samichlaus besuchen konnte. Das Mädchen hatte sogar Freudentränchen in den Augen.»

Auch Lustiges weiss der Samichlaus zu berichten: «Ich muss schmunzeln, wenn Kinder ihre Eltern in die Pfanne hauen. So habe ich einmal ein Mädchen ermahnt, sie dürfe nur beim Fussgängerstreifen die Strasse überqueren, worauf diese prompt entgegnete, dass auch Mami manchmal über die Strasse springe.» Ein anderes Kind ärgerte sich darüber, dass sein Papa immer fluche, wenn etwas nicht klappe. In solchen Fällen richte der Samichlaus auch mal ein ernstes Wort an die Eltern. «Das freut die Kinder meist ganz besonders», sagt Hoppler und lacht.

Ein harter Job

Haben sich die Kinder in den 40 Jahren verändert? «Sie sind spontaner geworden und erzählen mehr. Das liegt wohl daran, dass man ihnen nicht mehr solche Angst macht», findet Hoppler. Ermahnen müsse man die Kleinen aber immer etwa an ähnliche Dinge: Das Zimmer aufzuräumen und mehr im Haushalt zu helfen seien die Klassiker. «Ich sage jedem Kind zwei bis drei Sachen, die es gut gemacht hat, und zwei bis drei, die es noch besser machen kann. Mehr Sachen aufzuzählen, bringt nichts.»

Um selber Samichlaus werden zu können, sollte man zuerst ein paar Jahre als Schmutzli helfen, findet Hoppler. «Man darf es nicht unterschätzen. Es gehört schon mehr dazu, als sich ein Kostüm anzuziehen.» Zum Beispiel viel Geduld. Das wird er auch am Christchindlimärt beweisen, wo sicherlich viele Kinder auf ihn warten werden. «Jedes hat doch das Recht, ein paar Worte mit dem Samichlaus zu reden.»

Meistgesehen

Artboard 1