Gradlinig, tief verwurzelt, sodass der Wind rütteln kann, soviel er will: Eichen sind Bäume, die lange stehen. Wie Josef Schärer, Benzenschwil, der seit 40 Jahre als Förster, beziehungsweise als Leiter des Forstbetriebes Reuss-Lindenberg, bei der Ortsbürgergemeinde Merenschwand angestellt ist. Nichts kann ihn, zumindest scheinbar, aus der Ruhe bringen. Nachhaltigkeit war und ist ihm ein Anliegen. Ist es ein Zufall, dass Eichen einen wichtigen Platz im Leben von Josef Schärer einnehmen und seine Lieblingsbäume sind?

Bäume nicht verscherbeln

Damals, vor 40 Jahren, hat sein Vorgänger zwei schöne Eichen verkauft. 12 000 Franken gab es dafür, ein stattlicher Betrag. Mit diesem Geld wurden Arbeitsgeräte für den neu startenden Forstbetrieb angeschafft.

Damit waren die Eichen weg und das Geld. «Das hat mich geprägt», sagt Schärer selber. Mächtige Bäume verscherbeln, das ist nicht sein Ding. Im Gegenteil: In seinem Revier geniessen solche Bäume Schutz, ohne offiziell unter Schutz zu stehen. «Die Waldbesitzer haben erkannt, dass das Stehenlassen von grossem Holz seinen Wert hat.»

Schärer setzte auf Nachhaltigkeit, auf Naturverjüngung und auf den Kontakt mit den Waldbesitzern. «Wald ist als ein wertvolles Stück Kultur anzusehen, da darf man nicht mit der Brechstange dahinter.» Der Wald, sagt Schärer, ist recht gesund, die Klimaveränderung wird aber einerseits die Waldgrenzen verschieben, andererseits Bäume wie Eichen zu schaffen machen. «Eine gute Mischung wird deshalb wichtiger werden.» Dramatisieren will der Förster aber nicht. «Im Wald habe ich immer wieder erlebt, dass sich vieles ohne einzugreifen regelt.» Die Arbeit im Wald, die Erfahrung, dass sich Probleme manchmal auch lösen, wenn man nichts macht, haben ihn gelassener gemacht.

Zu viel Administration

Josef Schärer, noch bis Ende Dezember 2015 zu 50 Prozent als Leiter des Forstreviers Reuss-Lindenberg angestellt, ist lieber draussen im Wald und bei den Waldbesitzern als drin im Büro. «Der Stellenwert der Administration ist zu gross geworden.» Er ist oft in seinem weitläufigen Revier unterwegs, sein allradangetriebener Nissan hat in zwölf Jahren rund 230 000 Kilometer auf dem Tacho angesammelt.

Die Fahrten waren nicht zum Vergnügen, sondern erforderlich: «Die Einsätze der Grossmaschinen, die Abfuhr des Holzes, die höhere Leistungsfähigkeit des eigenen Personals erfordern heute einen grösseren, flexibleren organisatorischen Aufwand vor Ort.»

Besonders gefällt Schärer an seinem Revier die Vielseitigkeit. Kleine Naturschutzwälder in der Reussebene betreut er genauso wie die grossen, zusammenhängen Waldungen auf dem Lindenberg. Wenn er vom Horben ins Tal hinunterblickt, liegt ihm sein Revier sozusagen zu Füssen.

Schärer erlebt viel Anerkennung für seine Arbeit: «Er ist ein waldbauliches Naturtalent, der seine Kenntnisse zwar auch im Rahmen seiner Aus-und Weiterbildung erworben hat, der jedoch ein feines Gespür für die anstehenden waldbaulichen Entscheidungen besitzt und, der die dafür notwendige Beharrlichkeit verinnerlicht hat», lobt der Gemeinderat. So erreiche er seine Ziele auf eigene, bisweilen auch spezielle Art und unabhängig von Kennziffern aus der Branche.

Vieles bleibt

Es gibt nicht nur ein paar Eichen, die auch nach seiner vollständigen Pensionierung an Schärer erinnern werden. Einer der Höhepunkte in seiner 40-jährigen Tätigkeit im Revier Reuss-Lindenberg, dessen Name auch er kreiert hat, ist das Waldhaus der Mühlauer Ortsbürgergemeinde, ein Blockbau an einem wunderschönen Platz, eigenständig in der Form und Ausführung und für alle zugänglich.

Der damalige Gemeindeschreiber Urs Scherer und er hatten die Idee, Stefan Keusch aus Buttwil, der in Kanada das entsprechende Handwerk gelernt hat, das notwendige Können für den Bau.

Ob er nach seiner endgültigen Pensionierung in eineinhalb Jahren vermehrt hier verweilen wird, kann Schärer nicht sagen. «Es wird mir für dann schon etwas einfallen», lacht er, «nur fernsehen geht ja nicht.» Auf jeden Fall wird er wieder einmal nach Kanada fliegen. «Dort will ich fischen, nicht einen Lachs, sondern nur eine Forelle.» Und die Natur, die riesige Weite der dortigen Wälder geniessen.

«Er ist ein Naturtalent, der ein feines Gespür für die waldbaulichen Entscheidungen», lobt der Gemeinderat.