Gisela Hilfiker erinnert sich, als sei es gestern gewesen: «Wir waren in Zetzwil am Motocross, als uns der vorherige OK-Präsident des Motocross Wohlen erklärte, er höre jetzt definitiv auf. Im jugendlichen Leichtsinn fanden wir, das könnten wir doch übernehmen.» Das war 2002.

Viele hätten es dem jungen Paar damals nicht zugetraut, denn das Motocross Wohlen hat lange Tradition. Doch davon liessen sie sich nicht einschüchtern. Trotz Wetterpech und vielen anderen Pannen haben sie weitergemacht, viele positive Neuerungen und Ideen einfliessen lassen – und können dieses Jahr, genau an Ueli Hilfikers 50. Geburtstag, am 14. April, das 63. Wohler Motocross beim Schloss Hilfikon feiern.

Es ist «ihr» 16. Cross. Und es wird wohl keinen Gast oder Fahrer auf dem Renngelände geben, der die Familie Hilfiker nicht kennt. Ausser vielleicht jener, der vor Jahren beim Eingang stand und versuchte, einen Gratiseintritt zu ergattern, indem er sagte, er sei der Bruder des Organisators Ueli Hilfiker.

«Damals stand ich direkt daneben und fand es spannend, meinen Bruder kennen zu lernen. Bis dahin kannte ich nur meinen Bruder Kurt, und der sah ganz sicher anders aus», erinnert sich Hilfiker lachend.

Wer nicht kommt, verpasst etwas

Familie Hilfiker, zu der seit 13 Jahren auch Sohn Mathias gehört, kann man wohl getrost als Familie Motocross Wohlen bezeichnen. So vieles haben sie am Motocross erlebt, so vieles überstanden, so vieles feiern können. Ihr ganzes Jahr wird von diesen beiden Wochenenden jeden Frühling bestimmt: dem Wochenende der lizenzfreien Rennen und dem darauffolgenden Hauptrennwochenende.

«2005 mussten wir am Samstag alle Rennen wegen des starken Schneefalls absagen», erinnert sich Ueli. «Das Wetter kann einem halt immer einen Strich durch die Rechnung machen.» Gisela ergänzt: «Aber auch bei schönem Wetter kommen die Leute nicht einfach so zu den Rennen.» Lachend fügt sie hinzu: «Es war uns immer ein Anliegen, dass jene, die am Wochenende nicht am Motocross waren, am Montag das Gefühl haben, sie hätten etwas verpasst.»

So haben Hilfikers mit ihren Ideen und natürlich der Hilfe von Hunderten von Freiwilligen jedes Jahr neue Verbesserungen eingeführt. Sie haben den Streckenverlauf ergänzt, Sitzgelegenheiten und Essensstände an allen wichtigen Punkten eingerichtet, für Abendunterhaltung gesorgt und vieles mehr.

Ueli erinnert sich: «Als sich vor Jahren kaum mehr Seitenwagengespanne angemeldet haben, faxten wir unzählige Leute aus der Schweiz und dem Ausland an. Am Ende hatten wir über 30 Gespanne am Start, bei anderen Rennen waren es knapp fünf.» Sie sagen es nicht, aber wenn man den Fahrern und Motocrossfans Glauben darf, haben Hilfikers und ihre Helfer das Motocross Wohlen mindestens zu einem der besten Motocrossevents der Schweiz gemacht.

Europameisterschaft 1991 bis 1995

Ueli Hilfiker hat selber im Alter von etwa 16 Jahren mit dem Motocrosssport begonnen, damals noch in der «Grueb» in Boswil. «Der Freund meiner älteren Schwester fuhr Motocross und nahm mich mit.» Hilfiker fuhr so leidenschaftlich und gut, dass er zwischen 1991 und 1995 an den Europameisterschaften für die Schweiz antrat. Dann hörte er aus gesundheitlichen Gründen auf, blieb dem Rennsport aber verbunden.

Erst wurde er Rennleiter, Sportkommissär und eben OK-Präsident. Seine Frau Gisela ist seit Jahren Herausgeberin des «Motor Journals», des Magazins des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrerverbands (SAM). Zudem ist sie im SAM-Zentralvorstand und kennt daher die Probleme der Veranstalter gut, was ihr oft geholfen hat, das Wohler Cross zu verbessern.

Und auch der 13-jährige Mathias beginnt, in die Fussstapfen seiner Eltern zu treten: Er fährt zwar nicht Motorrad, sondern Fahrrad-Trial. In Hilfikon gehörte er aber schon von klein auf mit dazu.

Ferienhäuschen am Pistenrand

Die bereits 32 Jahre haltende Beziehung des Ehepaars Hilfiker habe nie unter dem Cross gelitten – im Gegenteil: «Wir hatten immer unser Hobby, an dem wir gemeinsam anpacken konnten», so Gisela.

«Das Klubhäuschen in Hilfikon ist auch im Rest des Jahres zu unserem Ferienhäuschen geworden. Wir sind fast jede Woche hier, Mathias fährt Velo-Trial, Ueli Motorrad-Trial, wir grillieren und geniessen den Abend.» Andere gehen in den Urlaub, haben ein Ferienhaus in den Bergen oder feiern Partys. «Das hat uns nie gefehlt. Hilfikon und das Cross reichen uns völlig.»

Von Ferien und gemütlichen Abenden können Hilfikers im Moment aber sowieso nur träumen. Seit Tagen bauen sie die Piste und alles drum herum auf. «Ich weiss noch, als ich vor Jahren an einem Sonntagnachmittag zwischen den Rennen mit Mathias einen Moment lang in der Sonne Pause machte, da kam jemand und fand, so schön möchte er es auch einmal haben. Da hätte ich heulen können, so fertig war ich. Dennoch freuen wir uns jedes Jahr. Denn unser grösster Lohn sind die zufriedenen Zuschauer und unfallfreie, tolle Rennen. Das klingt vielleicht blöd, aber so ist es. Die glücklichen Leute und die zwar anstrengende, aber auch tolle Zeit mit den Helfern sind die Gründe, warum wir uns das jedes Jahr wieder antun.»