Waltenschwil
Seit 30 Jahren als Osterhase im Einsatz: «Ich habe mich ans Hasensein gewöhnt»

Markus Meier verteilt Ostereier und schüttelt Dutzende von Kinderhänden. Seit 30 Jahren schlüpft er in Waltenschwil jeweils zu Ostern ins Hasenkostüm.

Roger Wetli
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Der Osterhase begeistert die Kinder in Waltenschwil und verteilt bunte Ostereier. Fotos: Roger Wetli

Der Osterhase begeistert die Kinder in Waltenschwil und verteilt bunte Ostereier. Fotos: Roger Wetli

Roger Wetli

Die traditionelle Ostereiersuche am Ostermontag im Tierpark Waltenschwil zog erneut wieder viele Familien an. Besondere Attraktion ist seit 30 Jahren der Osterhase, welcher nach der Suche den Kindern weitere angemalte Eier verschenkt.

Es ist noch halb dunkel, als um 7 Uhr die ersten Helfer beim Tierpark Waltenschwil eintreffen. Bis um 8 Uhr sind es über 30 Personen, welche Eier verstecken und die Festwirtschaft betreuen. Bei den Kindern besonders beliebt ist Markus Meier, der den Osterhasen spielen wird. Das Verstecken der Eier überlässt er aber den andern. Diese werden angewiesen, die Eier einzeln und nicht gruppiert zu verstecken. Die diesjährigen rund 2000 Eier sind dem verstorbenen und langjährigen Helfer Alois Huber gewidmet. «Die Kollekte an seiner Beerdigung ging an unseren Verein», erklärt Alois Meier, ehemaliger Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Waltenschwil. «Ich finde es schön, dass Alois Huber mit dieser Spende im Geist nochmals dabei sein darf.» Nach einer halben Stunde sind alle Eier versteckt und die ersten Familien erscheinen.

Einsatz vorbei: Markus Meier ist erschöpft, aber glücklich.

Einsatz vorbei: Markus Meier ist erschöpft, aber glücklich.

Roger Wetli

«Osterhaas, Osterhaas!»

Zu diesem Zeitpunkt ist Osterhase Markus Meier bereits im kleinen Häuschen im Tierparkgehege drin. Erste «Osterhaas»-Rufe von Kindern sind zu hören. Meier zieht sein Kostüm an und schaut zurück: «Den ersten Hasen wollten wir zum Dorfjubiläum 1985 bei der Eiersuche dabei haben. Das Kostüm war aber nicht so schön. Und weil es an diesem Tag stark geregnet hatte, verzichteten wir auf den Hasen.» Die Idee mit dem Osterhasen sollte aber weiterverfolgt werden. «Wir hatten somit ein Jahr Zeit, um ein Kostüm zu finden», so Meier, der 1986 mit 14 Jahren zum ersten Mal zum Osterhasen wurde. «Die ersten zwei, drei Jahre war ich noch ein wenig nervös. Mittlerweile habe ich mich aber ans Hasensein gewöhnt.» Die Rolle gefällt ihm derart gut, dass er den Hasen seit 30 Jahren mimt. «Nur 1995 konnte ich nicht, weil ich mich auf Reisen befand, und ein anderes Mal hatten wir provisorisch eine Ersatzperson in der Hinterhand, welche wir dann aber doch nicht brauchten.»

9.10 Uhr: Langsam füllt sich der Platz vor dem Tierparkeingang. Markus Meier zieht die Hasenmaske an und wagt sich zaghaft aus dem Häuschen. Kinder, die ihn sehen, kreischen entzückt. Der Hase hat einen Tisch und einen Stuhl aufgestellt. Hier kontrolliert er die Eier, welche sich in zwei Körben türmen. Ab und zu verlässt er seinen Platz, hüpft durch den Wald, versteckt sich hinter einem Baum und späht etwas unsicher in Richtung der Kinder. Um 9.30 Uhr fällt der Startschuss für das Eiersuchen. Meier verschwindet ins Häuschen, zieht die Maske ab und sieht erschöpft aber glücklich aus. «Die Maske lässt mich nur durch die Augen atmen, und das Kostüm heizt enorm», erklärt er seinen roten Kopf, und weiss aus Erfahrung, dass das Verteilen der Eier noch strenger wird. Nach 20 Minuten kehren die ersten Sucher zum Tierparkgehege zurück. Die «Osterhaas»-Rufe werden jetzt intensiver.

Im Wald werden die Eier sorgsam versteckt.

Im Wald werden die Eier sorgsam versteckt.

Roger Wetli

Nochmals raushoppeln

Meier wagt sich wieder aus dem Haus. Wieder etwas zaghaft hoppelt er zu den Kindern und beginnt, die rund 300 Eier aus den beiden Körben durchs Gehegegitter zu verteilen. Hatten die Kinder vorher den Osterhasen nur von weitem gesehen, steht er jetzt in voller Grösse vor ihnen. Die kleineren Kinder brauchen etwas Motivation von ihren Eltern, um die Hand dem Hasen hinzustrecken. Die älteren Kinder sind mutiger. Gemeinsam haben sie das entzückte Lächeln, wenn sie vom Osterhasen persönlich ein Ei geschenkt erhalten. Der Osterhase versucht, alle Kinder zu berücksichtigen. Keines soll zu kurz kommen.

Nach 45 Minuten ist auch dieser Einsatz vorbei. Markus Meier sieht jetzt definitiv erschöpft aus, lächelt aber selig. «Ich spiele den Osterhasen gerne.»