Grüngutgebühr
Seit 24 Jahren wird in Wohlen darum gerungen: Geht die unendliche Geschichte doch noch zu Ende?

Am Montag nimmt der Wohler Einwohnerrat einen neuerlichen Anlauf, um über die Einführung einer Grüngutgebühr zu befinden.

Nathalie Wolgensinger
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Seit 1996 wird in Wohlen um die Grüngutgebühr gerungen.

Seit 1996 wird in Wohlen um die Grüngutgebühr gerungen.

Archiv AZ

1996 war jenes Jahr, als die Atombombentests auf dem Mururoa-Atoll weltweite Proteste gegen den französischen Präsidenten Jacques Chirac auslösten. In Deutschland bezahlte man noch mit der guten alten D-Mark, und Präsident der Vereinigten Staaten war Bill Clinton.

Das alles scheint ewig lang her zu sein. In Wohlen nahm damals eine Politgeschichte ihren Anfang, welche die Gemüter bis heute bewegt. Wohlens Stimmbürger sagten nämlich damals erstmals Nein zur Einführung einer Grüngutgebühr und gaben damit den Startschuss zu einem zähen Ringen, das bis heute andauert.

Das Jahr 2008: Ja doch! Oder doch nicht?

Acht Jahre später, 2004, lehnten die Wohler eine ähnliche Vorlage mit 70 Prozent der Stimmen erneut ab. Im Mai 2008 präsentierte der Gemeinderat ein neues Gebührenmodell. Nun sollten es eine Jahresgebühr pro Container und eine Haushaltsgebühr für Recycling richten. Um der Vorlage endgültig zum Durchbruch zu verhelfen, stellte der Gemeinderat eine Steuersenkung von 3% in Aussicht. Damit sollten die zusätzlichen Ausgaben kompensiert werden. Der Einwohnerrat hiess die Vorlage gut, wollte aber noch das Volk befragen. Dieses sagte mit 68,3% Nein.

Im Jahr 2012 ging es in die nächste Runde. Einmal mehr beugte sich der Gemeinderat über das Thema und schlug eine Grundgebühr von 80 Franken pro Haushalt und eine Erhöhung der Sackgebühr um 30% vor. Im Vorfeld machte der Gemeinderat darauf aufmerksam, dass dies in dieser Sache der letzten Zwick an der Geisel sei. Seit Beginn des Jahres hätte die Gemeinde bereits die gesetzliche Grundlage schaffen sollen. Im Einwohnerrat scheiterte der Rückweisungsantrag. Nach kontroverser Diskussion wurde das Gebührenmodell gutgeheissen. Die SVP sammelte jedoch Unterschriften und brachte es 2013 an die Urne. Es wurde von den Wohlern mit 62% deutlich abgelehnt. Kritiker monierten, das Modell sei nicht verursachergerecht.

2016 forderte CVP-Einwohnerrat Franz Wille in einer Motion, dass die Grüngutentsorgung privatisiert werde. Nun, da diverse verursachergerechte Entsorgungen gescheitert waren, ­sollte es die Privatisierung richten. Dies hätte zudem die Gemeindekasse entlastet. Jährlich gab die Gemeinde 764500 Franken, das entspricht 2,3 Steuerprozenten, dafür aus. Die Motion wurde nicht abgeschrieben und der Gemeinderat einmal mehr beauftragt, einen Vorschlag vorzulegen.

2020 – Grundgebühr auf die Haushaltstypen abgestimmt

An der Einwohnerratssitzung vom kommenden Montagabend steht das Traktandum wieder auf der Liste. Nun schlägt der Gemeinderat vor, eine nach Haushaltstyp abgestufte Grüngutgebühr einzuführen. Dies sei verursachergerecht und decke in Kombination mit der Kehrichtgebühr sämtliche Aufwendungen der Abfallwirtschaft. So entstehen einem Zwei- bis Dreipersonenhaushalt in einem Einfamilienhaus mit Garten Kosten von 260 Franken, bisher waren es gegen 140 Franken. Dasselbe Paar bezahlt in einem Mehrfamilienhaus bisher knapp 100, neu 170 Franken.

Man darf hoffen, dass diese nun schon bald unendliche Geschichte am Montag ein Ende nehmen wird. Stimmt der Einwohnerrat der Vorlage zu, so könnte die neue Gebühr im Jahr 2022 in Kraft treten. Ganze 26 Jahre nach der ersten Abstimmung.