Ein lauter Knall hallt durch den Raum, schon liegt einer der Judokas nach einem geschickten Wurf auf der Matte. Es ist Montagabend, das erste Judo-Training nach den Sommerferien ist in vollem Gange. Das Dojo, wie der Trainingsraum auf Japanisch heisst, ist gut besucht. Die Trainer zeigen ihren Schülern Griffe und Wurftechniken, die dann gleich ausprobiert werden. Und wieder liegt ein Athlet auf der Matte. Neben den Wurftechniken gibt es im Judo auch Techniken für das geschickte Fallen. «In unseren Sportarten ist die Verletzungsgefahr eher gering», informiert Vereinspräsident Andreas Schmid schmunzelnd. Zudem seien die Matten angenehm. Auf ihr jetziges Dojo ist der Judo und Aikido Club Wohlen schon ein wenig stolz. «Nach einem Wasserschaden musste einiges erneuert werden», erläutert Schmid, «den Schwingboden haben wir mit entworfen, er ist einer der modernsten in der Schweiz.» Wenn der Verein woanders an Wettkämpfen oder anderen Veranstaltungen teilnehme, falle der Unterschied zu anderen Matten schon auf, führt Schmid aus und fügt augenzwinkernd hinzu: Wir sind immer froh, wenn wir wieder hier im Dojo sind.»

Idee von ein paar Verrückten

In diesem Jahr begeht der Judo und Aikido Club (JAC) ein besonderes Jubiläum: Vor 50 Jahren wurde der Verein für japanischen Wettkampf und Kampfkunst gegründet. Einer, der von Beginn an dabei war, ist Kurt Wissmann. Auf die Frage, wie es 1968 zur Gründung kam, antwortet er lachend: «Ein paar Verrückte hatten die Idee dazu und gaben ein Inserat auf.» Die treibende Kraft hinter dem Vorhaben sei Emil Pfründer gewesen, der 1999 verstorben ist. Das Inserat war erfolgreich. «An der Gründungsversammlung am 18. Oktober nahmen 75 Personen teil», berichtet Wissmann. Die ersten Trainingsmöglichkeiten seien allerdings ein wenig spartanisch gewesen. «Wir trainierten in der Turnhalle des Haldenschulhauses, ohne Matten und ohne Heizung.» Nach einer Weile gab es Reisstrohmatten, die aber recht hart waren. Dennoch habe sich der Verein nicht über mangelndes Interesse beklagen können. Nach drei Jahren erfolgte ein Umzug in die Luftschutzräume des Bünzmattschulhauses, was das Training aber nicht komfortabler machte, da es auch hier keine Heizung gab und keine Duschen.

Seit 1975 trainiert der JAC am jetzigen Standort, im Junkholzschulhaus. Dort gab es Platz für ein neues, grosses Dojo. Für Matten und Schwingboden sammelten die Mitglieder Geld. Laut Kurt Wissmann trainierten Frauen ab 1971 mit im Verein. «Uns war schon bewusst, dass wir mit diesen Sportarten auch ein bisschen aussergewöhnlich in der Region waren», stellt Wissmann fest und sagt über das Sportliche: «Der JAC war insgesamt mehr auf den Breitensport ausgerichtet, obwohl wir als Mannschaft auch in höheren Rängen der Regionalliga vertreten waren.» Was aber immer besonders wichtig gewesen sei, sei der Zusammenhalt im Verein. Bis heute sei es üblich, nach dem Training noch etwas Zeit miteinander zu verbringen.

«Mittlerweile zählt der JAC 250 Mitglieder», informiert der Vereinspräsident. Davon sind 130 Judoka und 70 Aikidoka. «Zwischen den beiden japanischen Sportarten gibt es deutliche Unterschiede», erklärt Aikidotrainer Uli Bird. Judo sei ganz klar ein Wettkampfsport, Aikido definiere sich dagegen als eine moderne defensive Kampfkunst, zu der auch Holzwaffen gehören. Die Positionen Angreifer und Verteidiger werden festgelegt. Folglich messen sich Aikidoka nicht, sondern treffen sich mit anderen Vereinen zu einer Stage, um sich auszutauschen und zu trainieren. «Wenn wir hier im JAC eine Stage planen, ist die sehr schnell ausgebucht», freut sich Bird.

Besonders stolz ist der JAC auf die Sparte «Judo für Personen mit Handicap». Barbara Bortoluzzi, die bei Integra, Stiftung für Behinderte im Freiamt, arbeitet, trainiert seit 2005 beeinträchtigte Sportler im JAC. «In einer betreuten Wohngruppe der Integra gab es Interesse am Judo», erzählt sie – und schon war die Idee geboren. Für ihre Trainertätigkeit besucht sie regelmässig Weiterbildungen. «Es ist wichtig, dass man über die verschiedenen Krankheitsbilder Kenntnisse hat, nur so funktioniert ein einwandfreies Training.» Sehr hilfreich sei zudem Einfühlungsvermögen. Der Erfolg gibt ihr Recht: Im Juni gewannen Raphael Boppart und Markus Schaarschmidt bei den Special Olympics in Österreich zweimal Gold. Nächstes Jahr nimmt Schaarschmidt an den Special Sommerspielen in Abu Dhabi teil und ist schon gespannt, wie es laufen wird.