Fischbach-Göslikon

Seit 100 Jahren fliesst der Strom im Dorf

Strom sorgt in Fischbach-Göslikon immer für Diskussion: Zum Beispiel die Freileitungen.

Strom sorgt in Fischbach-Göslikon immer für Diskussion: Zum Beispiel die Freileitungen.

Vor 100 Jahren diskutierte Fischbach-Göslikon, ob man Strom im Dorf einführen solle. Heute diskutiert die Stromgenossenschaft, ob man den Atomstrom ersetzen kann.

Vor 100 Jahren herrschte Aufbruchstimmung, als ein paar Herren in Fischbach-Göslikon die Elektra-Genossenschaft aus dem Boden stampften. Allerdings gab es schon damals lange Diskussionen. Und zwar darüber, ob man überhaupt den Strom im Dorf einführen sollte. «Heute begegnen wir in der ganzen Diskussion in anderen Dimensionen», meinte Peter Bühler von der AEW Energie AG Aarau. Der Trend sei rückläufig: So sollen in genau 138 Jahren gerade noch 20 Prozent der heutigen Energiemenge konsumiert werden. Vier lokale Vorreiter, die sich mit hauseigenen Photovoltaik- und Biogasanlagen für saubere Energie engagieren, ehrte er mit einem Gutschein für ihr Handeln im Bereich der erneuerbaren Energien.

Axpo-CEO Manfred Thuman stellte zum 100. Geburtstag viele drängende Fragen: «Von dem, was die Generationen vor uns geschaffen haben, profitieren wir noch heute», begann Thumann. Und er stellte Fragen: Was ist mit heute? Was tun wir denn für die kommenden Generationen? Werden wir ihnen etwas von Nutzen hinterlassen können? Eine klimafreundliche Stromversorgung?

Seit Fukushima alles anders

Seit dem Atomunfall von Fukushima vor einem Jahr habe sich das Blatt gewendet, die Stromversorgung befinde sich in einer grossen Revolution. Atomstrom werde von allen Seiten bekämpft – «doch wo holen wir adäquaten Ersatz?», fragte Thumann ganz pragmatisch. Das Wort «Herausforderung» fiel oft in seinem Referat: Kein Wunder, sind doch künftig Lösungen gefragt, die trotz guter Absichten häufig kontrovers oder gar nahezu utopisch erscheinen.

"Kulturgut Atomkraft"

Seine philosophischen Ansätze findet Thumann in der Aufklärung: Vernünftiges, rationales Denken, Mut zum Handeln und vor allem: Die Idee des modernen Staats als «Ort» des Gemeinwohls. Denn Strom sei die Basis der Infrastruktur – «ohne ihn läuft gar nichts». Und es profitierten ausnahmslos alle von dem noch relativ jungen «Kulturgut». Thumann beklagte sich nicht über die undurchführbaren Forderungen gewisser Kreise, die gegen die Atomkraft kämpften, aber keine echten Gegenvorschläge zur Hand hätten. Er analysierte vielmehr, welche valablen Alternativen – Windkraft, Photovoltaik, Biothermie oder Wasserkraft – in welchem Ausmass verfügbar seien.

Und das gezeichnete Bild zeigte: Es ist schwierig, den Atomstrom zu ersetzen. So lautete sein nüchternes Fazit: «Wir können das Problem nicht lösen. Wir können es nur besser machen.» Kein Konzept sei gross genug, um alles zu schaffen, hielt Manfred Thumann fest.

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