Werkhof Zufikon

Seine Karriere begann mit einem Knall: Nach 27 Jahren ist für Sepp Füglistaller Schluss

Josef Füglistaller arbeitet seit 27 Jahren im Werkhof Zufikon und geht im nächsten Sommer in Pension. Dominic Kobelt

Josef Füglistaller arbeitet seit 27 Jahren im Werkhof Zufikon und geht im nächsten Sommer in Pension. Dominic Kobelt

Sepp Füglistaller hört nach 27 Jahren Tätigkeit im Werkhof Zufikon auf – und hat bald mehr Zeit, Grosspapi zu sein. Für die az erinnert sich zurück an seine vielfältigen Aufgaben in der Freiämter Gemeinde.

Josef Füglistallers Karriere beim Werkhof Zufikon begann mit einem Knall. Vor 27 Jahren explodierte der Heizkessel im Feuerwehrgebäude, drei Menschen starben. Das war zwei Monate, bevor Füglistaller seine Stelle im Werkhof antrat – keine einfache Situation, auch wenn er die Opfer nicht kannte: «Die Stimmung war natürlich sehr gedrückt, das spürte man auch als Aussenstehender.»

Zu so einem tragischen Ereignis ist es zum Glück seither nicht mehr gekommen. Trotzdem zählen zu Füglistallers Job als Werkhofleiter auch Arbeiten, die «einfach dazugehören». «Vor Beerdigungen müssen wir die Gräber auf- und danach wieder zumachen. Besonders bei Erdbestattungen, und wenn man den Verstorbenen gekannt hat, ist das eine Arbeit, die mich emotional berührt und die ich nicht so gerne mache», gibt er zu.

Im Dorf gut vernetzt

Den Grossteil seiner Arbeit hat der 64-Jährige, der im kommenden Sommer in Pension geht, aber immer gerne erledigt. «Mit der Heckenschere oder der Motorsense arbeiten, Schneeräumen oder mit dem Traktor herumfahren, solche Sachen haben mir immer Spass gemacht», sagt er schmunzelnd. Sollte in den nächsten Tagen Schnee fallen – in Zufikon wäre alles parat, um die Strassen davon zu befreien.

Auch, dass er bei der Arbeit von Zeit zu Zeit ein Schwätzchen mit einem Passanten halten kann, freut Füglistaller. Von Beginn weg war er im Dorf gut vernetzt – seine Frau ist Ortsbürgerin, und durch seine Arbeit auf dem Bau kannte er schon viele Ortsansässige. Selbstredend, dass es den Büezer nie lange im Büro hält. «Nach einer halben Stunde muss ich wieder nach draussen.»

In den 27 Jahren hat sich in Zufikon einiges verändert. «Früher hat man häufiger miteinander geredet, heute läuft mehr über E-Mail», berichtet Füglistaller, und seinem Tonfall merkt man an, dass ihm diese Entwicklung nicht unbedingt zusagt.

Dafür sind andere Arbeiten leichter geworden: «Früher mussten wir Bäche mit der Handsense vom Gestrüpp befreien, heute haben wir einen Böschungsmäher. Die Heckenscheren liefen elektrisch; in der Zeit, in der wir das Notstromaggregat aufgestellt hatten, sind wir heute manchmal mit der Arbeit schon fertig, weil die Geräte Benzinmotoren haben», erzählt er.

Für was ist man als Werkhofleiter sonst noch zuständig? «Wichtig ist zum Beispiel, dass man bei Wasserleitungsbrüchen rasch reagiert. Ich mache das schon so lange, ich brauche keinen Plan mehr zum ‹Schiebere›.» Schiebere, so erklärt er dem verdutzten Journalisten, bedeute, den richtigen Schieber zu drehen, um das Wasser am entsprechenden Ort abzustellen.

Auch wenn eine Strasse beschädigt ist, ruft dies den Werkhofleiter auf den Plan. «In Absprache mit dem Leiter Bau und Technik bieten wir je nach Schaden jemanden auf, um das zu beheben.»

Kein Raportmensch

Was zugenommen habe, sei das Raportwesen – heute müsse vieles nach Checkliste abgearbeitet und für den Kanton dokumentiert werden, erzählt Füglistaller und nennt als Beispiel die Trinkwasserkontrolle. «Ich bin kein Raportmensch», gibt er zu. 

Und so blickt er mit dem viel zitierten lachenden und weinenden Auge der Pension entgegen. Es werde ihn sicher in den Fingern jucken, wenn er durch Zufikon laufe und irgendwo potenzielle Arbeit sehe, gibt er zu. «Dreinreden werde ich meinem Nachfolger aber sicher nicht, jeder hat seine eigene Art, die Arbeiten zu erledigen.»

Er freue sich aber auch auf die Pension. Fürs Velofahren und die Jagd möchte er etwas mehr Zeit aufwenden, so Füglistaller, der Jagdaufseher in Eggenwil ist. «Ausserdem möchte ich Zeit mit der Familie verbringen – vor einem halben Jahr bin ich Grossvater geworden», erzählt er, mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

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