Ursprünglich war er Vergolder und restaurierte mit Josef Brühlmann in der Klosterkirche Muri. Heute rettet er alte Filme und Tonaufnahmen und damit so manches «Goldstück» vor dem endgültigen Untergang: Roman Sticher hat dafür in Muri fast alle Gerätschaften zur Verfügung, die einmal für das Abspielen der Medien notwendig waren. «Ich habe mein Hobby und meine Berufung zu meinem Beruf gemacht», freut er sich. Zuvor hat der Konservator und Restaurator mit einer entsprechenden Weiterbildung den Grundstein für seine Firma, die transfermedia.ch, gelegt.

Was man privat kennt, ist auch für Firmen, Museen und Archive nicht anders: Irgendwo liegen noch Filme, aufgenommen mit verschiedenen Formaten, herum, irgendwo lagern alte Dias in Schachteln oder Tonbänder, ebenfalls in unterschiedlichen Formaten. «Da hat es oft wahre Schätze darunter», weiss der 47-jährige Sticher. Längst sind aber nicht mehr die Abspielgeräte dazu vorhanden. Die Bild- und Tondokumente drohen in Vergessenheit zu geraten oder – schlimmer – langsam durch den Alterungsprozess zerstört zu werden. Das stellt an Archive eine grosse Herausforderung. «Erstes Ziel ist immer, die originalen Dokumente zu erhalten und sie gut altern zu lassen», betont Sticher. Er bewertet für seine Kundschaft das vorhandene Material, entscheidet mit ihr, was in die Neuzeit gerettet und eventuell digitalisiert wird, um es zu veröffentlichen.

Zu seinen Kunden zählen Staatsarchive und Kunstmuseen, das Kriminalmuseum der Kantonspolizei Zürich und das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern, das Archiv SBB Historic mit dem Archiv Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur. Der Bildbestand «Fotoalben Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik» ist beispielsweise eine einzigartige Quelle für Recherchen zur Schweizer Schwerindustrie und besteht aus etwa 350 Fotoalben mit komplett etwa 18 000 Fotografien, welche zwischen 1890 und 1987 entstanden sind. Ähnliches Material schlummert noch da und dort, ist Sticher überzeugt.

Bewusstsein wächst

«Der Vorteil von analogen Medien ist, dass sie sichtbar altern», sagt Sticher. «Aber die Leute reagieren meist erst, wenn es fast zu spät ist». Spätestens, wenn eine Filmrolle zu riechen beginnt, muss man handeln. Sticher sichtet und digitalisiert private Filme kostenlos, wenn darauf für die Öffentlichkeit bedeutende Sequenzen festgehalten sind und er diese für die Nachwelt erhalten und veröffentlichen darf. «Auf privaten Bilddokumenten sind vielfach Sequenzen aus dem alltäglichen Leben vorhanden, um die es wirklich schade ist, wenn sie verloren gehen.» Erfreut stellt er aber fest, dass das Bewusstsein wächst, alte Bilder und Töne langfristig zu sichern und dass die Bereitschaft steigt, die Medien richtig zu lagern. Filme beispielsweise gehören in den Kühlschrank.

Unzählige Formate

Bei Sticher stehen Abspielgeräte herum, die einmal ein Vermögen gekostet haben. Er hat sie aus Auktionen zusammengetragen und ist damit in der Lage, alle gängigen Formate abzuspielen und zu digitalisieren. «Ich habe einmal versucht, alle Tonträgertypen zu recherchieren, die es im Laufe der Zeit gab. Bei 70 verschiedenen Tonformaten habe ich aufgegeben.» Das tut er, der offensichtlich Freude an der Technik von gestern hat, nicht, wenn es darum geht, seine Geräte am Laufen zu halten. Teilweise repariert er sie selber, sonst sucht er sich die entsprechenden Fachleute und die notwendigen, manchmal sehr rar gewordenen Ersatzteile im Internet. Der Restaurator und Konservator lebt damit etwas aus, das er schon in seiner Jugend getan hat: Neben dem Kunsthandwerk interessierte ihn die Elektronik. «Mit den Jungs aus der Gemeinde, die von der Elektronik ebenso elektrisiert waren wie ich, bastelten wir weiter bis zum Piratenradio», erinnert er sich. Das war in der Zeit, als Musik noch ausschliesslich ab Vinyl abgespielt und für die private Nutzung auf Musikkassetten oder Spulentonbänder gespeichert wurde.

Mehr Informationen: www.transfermedia.ch. Das Archiv SBB Historic in Brugg zeigt am 2. Februar ein einstündiger Zusammenschnitt mit Trouvaillen aus dem Aargau, Titel: «Industriekanton Aargau». Informationen und Platzreservationen auf: www.sbbhistoric.ch