Es ist still – keine Motorengeräusche, keine lärmenden Turbinen. Mit 130 km/h fliegt der Motorsegler HB-2084 über das Freiamt hinweg. "Jetzt sind wir auf 1 300 Metern über Meer, die Bedingungen sind perfekt", sagt Pilot Thomas Bazzigher. Im Zweisitzer ist es heiss und die angeschnallten Fallschirme lassen keine bequeme Sitzposition zu.
Rund 4000 Flüge hat Fluglehrer Bazzigher in den vergangenen 30 Jahren bereits absolviert.

Die Schweiz aus der Vogelperspektive zu sehen, sei aber auch für ihn immer wieder etwas Spezielles: "Für mich ist es eine Flucht aus dem hektischen Alltag. Segelfliegen ist etwas sehr Ästhetisches und Graziles - die Ruhe, die man mehrere hundert Meter über dem Boden antrifft, ist einmalig", sagt Bazzigher. Nach einem letzten Kontrollblick auf die Fluginstrumente lehnt er sich zurück, lächelt und lässt seinen Blick über den Horizont schweifen, wo sich langsam die Berner Alpen abzeichnen.

Zum Auftakt in den Graubünden

Genau diese Momente der grenzenlosen Freiheit seien es, für die es sich zu fliegen lohne, sagt Bazzigher: "Ich bin ein absoluter Genussflieger, Wettkämpfe sind nichts für mich. Dafür fehlt mir einfach der Ehrgeiz." Ganz anders geht es den Teilnehmern der diesjährigen Zürcher Segelflugmeisterschaften, welche am vergangenen und am kommenden Wochenende auf dem Flugplatz Buttwil stattfinden. Insgesamt 19 Segelflugpiloten kämpfen während diesen vier Tagen um den Sieg.

Beim Briefing wird den Piloten jeweils bereits am frühen Morgen die Tagesroute präsentiert. Zum Auftakt führte die Konkurrenzleitung die Piloten am Samstag in den Kanton Graubünden. Vom Rossberg her ging es über die Bieler Höhe und den Horben zurück nach Buttwil. Für erfahrene Piloten war dieser Entscheid keine Überraschung. Aufgrund der momentan vorherrschenden Thermiksituation in der Schweiz sei es sogar fast die einzige Option gewesen, erklärt ein Teilnehmer. Bereits kurz nach dem einführenden Briefing werden die Flugzeuge in Position gebracht. Viele fliegen mit Vereinsmaschinen, teilweise haben die Teilnehmer aber auch ihre eigenen Segelflieger dabei -moderne Hightech-Maschinen, welche sich preislich zwischen 10'000 und 200'000 Franken bewegen.

Dann heisst es abwarten. Denn der blaue, wolkenlose Himmel mag zwar Badigäste sehr erfreuen, zum Segelfliegen ist er aber eher weniger geeignet. Die sogenannte Blauthermik bedeutet nämlich, dass es zu wenige Luftströme gibt und der Wettkampfbeginn verschoben werden muss, bis sich bessere Flugbedingungen ergeben. Erst nach rund zwei Stunden kann gestartet werden und die ersten Segelflieger werden von kleinen Motorflugzeugen in die Höhe gezogen.

Ein sehr familiärer Rahmen

Teilnehmen an den Regionalmeisterschaften können grundsätzlich alle Piloten, die einen Segelflugschein haben. Um am Wettbewerb auch erfolgreich zu sein, sei aber noch viel mehr nötig, erklärt Fluglehrer Dani Stahl: "Für einen guten Wettkampf braucht es viel Ehrgeiz, einen eisernen Willen und vor allem auch viel Erfahrung." Sieger ist, wer am schnellsten alle Kontrollpunkte anfliegen und am Schluss wieder zum Startflughafen Buttwil zurückkehren kann. Wer das nicht schafft und, wie man im Fachjargon sagt, aussenlanden muss, verliert wertvolle Punkte.

"Bei Regionalmeisterschaften ist das Ambiente meist sehr locker und entspannt. Ganz anders geht es bei den Schweizermeisterschaften zu und her", erklärt Stahl. Dort sei alles noch eine Stufe ernster und es würde noch viel ehrgeiziger um den Sieg gekämpft. Auch dieser Grossanlass wird im kommenden Jahr in Buttwil durchgeführt. Vom 23. bis am 31. Mai 2015 werden die besten Piloten der Schweiz um den nationalen Titel kämpfen. Segelflieger werden aber bereits schon am kommenden Wochenende wieder über das Freiamt kreisen. Dann nämlich wird der Sieger der diesjährigen Regionalmeisterschaften gekürt.