Biobauer
Sebastian Hagenbuch ist lieber Biobauer als Bürogummi

Der ehemalige az-Praktikant Sebastian Hagenbuch (23) aus Vechigen im Kanton Bern wird in Zweitausbildung Biolandwirt. Mit dieser Berufswahl tritt er in die Fussstapfen seiner Eltern. Doch er denkt nicht daran, ihren Hof zu übernehmen.

Andrea Weibel
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Sebastian Hagenbuch (23) gefällt die Arbeit auf dem Biobauernhof im Berner Vechigen. Obwohl – oder gerade weil – es ein grosser Unterschied zu seinem Bürojob ist.

Sebastian Hagenbuch (23) gefällt die Arbeit auf dem Biobauernhof im Berner Vechigen. Obwohl – oder gerade weil – es ein grosser Unterschied zu seinem Bürojob ist.

Im Örtchen Vechigen bei Bern liegt der Schnee zentimeterhoch und das Thermometer zeigt Minusgrade an. Doch drinnen im Stall bei Perla, Olivia, Lampona und den anderen 15 Milchkühen ist es wohlig warm. Hier ist das neue Reich von Sebastian Hagenbuch, der nach seiner KV-Lehre auf der Gemeinde Bünzen als Praktikant für die az Freiamt tätig war. Im Sommer hat er mit der Zweitausbildung zum Biobauern begonnen. Diese Idee hat er anstelle von Souvenirs von einer Veloreise mitgebracht, die ihn bis nach Istanbul führte. Auf die Frage nach seinen Beweggründen antwortet er lachend: «Das ständige Grübeln über den Weltfrieden bringt doch nichts.»

Die Sinne werden geschärft

Obwohl seine Eltern einen Hof mit Ackerland und Munimast in Werd betreiben, macht «Bäschtu», wie er auf dem Berner Betrieb genannt wird, nicht die Lehre, um den Hof zu übernehmen. «Die Lehre ist das Ziel», sagt er. «Ich lerne hier so viel. Das Schönste sind die täglichen Fortschritte, beispielsweise im Umgang mit den Tieren, das praktische und theoretische Verständnis und auch die Verantwortung, die ich zu tragen lerne.»

Unwillkürlich schnuppert er in die Luft neben einem Kalbernest. «Hat es Durchfall?», denkt er laut. Diese Frage scheint für einen Moment alle seine Sinne zu fesseln. Als er sich dessen bewusst wird, muss er lachen. «Ich merke, wie meine Aufmerksamkeit wächst. Ich nehme die Kühe oder die Schweine, den Wind und das Wetter anders wahr und reagiere darauf.» Eine Wiese sei beispielsweise nicht mehr nur grün: «Ich kenne die verschiedenen Gräser und kann durch sie viel über die Wiese sagen. Trotzdem ist es mir wichtig, dass ich zwischendurch einfach auf einer Bank sitzen und die Landschaft bestaunen kann. Erst beides zusammen macht meine Faszination am Beruf aus.»

Strenger Tagesablauf

Der Tagesablauf ist durchstrukturiert und streng: Morgens heisst es um 6 Uhr aufstehen, melken und andere Stallarbeiten erledigen, um 8 Uhr frühstücken mit Bäuerin Anne Hodel und dann geht der Tag erst richtig los. Im Winter gibt es auf den Feldern wenig zu tun. Dafür werden jetzt die Kälber geboren und die beiden Lehrlinge oder Bauer Peter Hodel müssen auch nachts nachsehen, ob die trächtigen Kühe in den Wehen liegen.

Die harte Arbeit kommt Hagenbuch, der sich häufig in Grübeleien und Sinnfragen verstrickt und manchmal beinahe verloren habe, sehr zugute: «Viele meinen, der Bauer hat den ganzen Tag Zeit zum Nachdenken, während er ein bisschen melkt oder Traktor fährt. In Wirklichkeit muss man sich so auf die Arbeit konzentrieren, damit man nichts vergisst oder falsch macht, dass fürs Grübeln höchstens abends vor dem Einschlafen ein Stündchen Zeit bleibt.» Es war für ihn nicht leicht, einige seiner Ideale, die er gerade in der Biolandwirtschaft sah, über Bord zu werfen, denn auch dort lauern stets die Sinnfragen. «Wenn man sich ständig fragt, ob man verantworten kann, dass Tausende Regenwürmer beim Ackern sterben, damit wir Getreide anbauen können, kommt man irgendwann nicht mehr weiter.» Doch die Arbeit, die er derzeit täglich verrichtet, sieht der Jungbauer als sinnvoll an. Und von seinem Lehrmeister Peter Hodel lernt er sehr viel. «Es war eine sehr gute Entscheidung», ist er sich sicher. Ab August wird er dann sein zweites Lehrjahr bei Donat Abt in Hermetschwil verbringen.

Den Blog aus seiner Biobauern-Lehrzeit finden Sie, wenn Sie unter www.schweizerbauer.ch im Suchfeld «Sebastian Hagenbuch» eingeben.

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