Unterlunkhofen

Schweizweit am grössten und doch kaum bekannt: Nun sollen die Keltengräber erlebbar werden

Die Grabhügel der Keltengräber sollen in einer Hainlandschaft besser sicht- und erlebbar werden.

Die Grabhügel der Keltengräber sollen in einer Hainlandschaft besser sicht- und erlebbar werden.

Im Unterlunkhofer Wald liegt das schweizweit grösste eisenzeitliche Grabhügelfeld. Dass dies kaum bekannt ist, will der Kanton ändern.

63 Grabhügel sind es, die im Bärhau, einem Waldgebiet oberhalb Unterlunkhofens, zu finden sind. Doch wer dort durch den Wald spaziert, erkennt im Grunde nur das: einen Wald. Die Hügel sind unter Bäumen und Unterholz versteckt, nur einer von ihnen ist durch einen kleinen Rundweg zugänglich und auch als Grabhügel erkennbar. Eine Tafel am Eingang des Waldes weist auf das Gräberfeld hin, sonst sieht man wenig von den Keltengräbern. Dabei ist es die grösste eisenzeitliche Grabhügelnekropole der Schweiz. «Wir finden es schade, dass diese fantastische und sehr wichtige historische Stätte so versteckt ist. Wir wollen sie erlebbar machen», erklärt Kantonsarchäologe Thomas Doppler.

Pietätvolle Hainlandschaft passt zum Friedhof der Kelten

Seit 2016 erarbeitet die Kantonsarchäologie in Zusammenarbeit mit der kantonalen Abteilung Wald, dem Forstbetrieb Mutschellen, der Jagdgesellschaft Unterlunkhofen und natürlich der Einwohner- und Ortsbürgergemeinde ein Projekt, um den Grabhügeln aus der Keltenzeit – im sehr übertragenen Sinn– neues Leben einzuhauchen. Eine Landschaftsarchitektur-Studentin hat in einer Arbeit verschiedene Szenarien konstruiert, die möglich wären, um die Keltengräber für ein grösseres Publikum zugänglich zu machen.

«Am Ende entschieden wir uns für das waldverträgliche Projekt Hain», sagt Doppler. «Wir stellen uns grosse Bäume vor, deren dichtes Blätterdach dafür sorgt, dass das Unterholz mehr und mehr verschwindet. So sollen die Hügel schön zu sehen sein. Ausserdem soll es ein Ort der Ruhe sein, der eine pietätvolle Stimmung bietet, die zu dem passt, was dieser Ort tatsächlich ist: eine Nekropole, ein Friedhof.»

Sanfter Waldumbau könnte 40 bis 50 Jahre dauern

Dabei ist dem Kantonsarchäologen wichtig: «Wir planen keine flächige Rodung und Aufforstung, sondern einen sanften Waldumbau, der vielleicht erst in 40, 50 Jahren wirklich fertig ist. Es wird ein Generationenprojekt sein, keine Hau-Ruck-Übung.» Das bedeutet, dass Besucher anfangs vermutlich wenig sehen werden. Zumindest haben sich die Planer das so gedacht. Doch die Natur machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. «Westlich der Waldstrasse, die vom Forsthaus her kommt, mussten wegen Borkenkäfern und Stürmen auf 2000 Quadratmetern Bäume gefällt und weggeräumt werden. Dieses Stück hätten wir erst in einem zweiten Schritt bearbeitet, nun ist es zum Testbereich geworden», erzählt Doppler und lacht, als er die nun kahle Fläche neben der Forststrasse betritt. Überall sieht man frisch gepflanzte junge Bäume, unregelmässig verteilt stehen Holzpfosten mit blauen Spitzen. «Jeder dieser Pfosten zeigt einen einzelnen Grabhügel», erklärt Doppler. Wer das weiss, sieht nicht mehr nur normalen Wald, sondern erlebt auf einmal ein Stück Geschichte.

Geplant sind Bäume, die es zur Keltenzeit schon gab

Für den sanften Waldumbau braucht es eine Baubewilligung. «Wir haben mit allen Beteiligten geredet und den Ortsbürgern, denen das Waldstück gehört, das Projekt vorgestellt. Unser Vorhaben stösst auf Wohlwollen», freut sich Doppler. «Es muss aber noch definitiv von der Ortsbürgergemeinde bewilligt werden. Wir planen, das Baugesuch Anfang Jahr einzureichen, um möglichst bald beginnen zu können.» Der Waldumbau wird vor allem von Förster Christoph Schmid und seinem Team vorgenommen. «Sie planen, jene Bäume rauszunehmen, die den Klimaänderungen sowieso schlecht gewachsen sind. Wo immer möglich würden wir gerne Bäume pflanzen, die es zur Zeit der Kelten bereits hier gegeben hat.»

Wo genau die Wege verlaufen und neue Bänklein und Infotafeln zu stehen kommen, wird noch ausgearbeitet. Ebenso Kosten und Finanzierung, bei der sich der Kanton beteiligen wird, die aber möglichst breit abgestützt sein soll. «Gerne würden wir einen Lehrpfad anlegen, der auch Schulklassen anziehen soll. Und natürlich überlegen wir, wie wir den Ort auch digital erlebbar machen können. Beispielsweise könnte man im Wald stehen und per Handy in einen Grabhügel hineinschauen. Wir haben viele Ideen», freut sich der Kantonsarchäologe.

Ziel ist es, Kultur und Natur zu vereinen, «sodass die Bevölkerung im Bärhau nicht nur Erholung finden, sondern auch kulturell an ihrem eigenen historischen Erbe teilhaben kann», hält Thomas Doppler fest.

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