Wohlen

Schweizer Jugend forscht: Unser tägliches Plastik schwimmt von hier bis ins Meer

Der Wohler Cyril Bouilloux am Ufer der Bünz, deren Wasser er mehrere Wochen auf Mikroplastik untersuchte.

Der Wohler Cyril Bouilloux am Ufer der Bünz, deren Wasser er mehrere Wochen auf Mikroplastik untersuchte.

Plastik ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Cyril Bouilloux untersuchte in seiner Maturaarbeit, wie viel Mikroplastik es in Freiämter Gewässern hat. Der grösste Teil davon stammt von synthetischen Textilien.

Plastik ist aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Unsere Nahrung ist darin verpackt, er wird für Kosmetika verwendet, und auch in unserer Kleidung ist er eingewebt. Oftmals wird er achtlos weggeworfen. Eine ganze PET-Flasche kann man zwar wieder aus dem Wasser fischen, doch die Plastikstückchen, die sich davon ablösen, nicht mehr. Kunststoffteilchen, die kleiner sind als fünf Millimeter, werden als Mikroplastik bezeichnet.

«Ich hatte gelesen, dass es in den Meeren sechsmal mehr Plastik hat als Plankton», erzählt Cyril Bouilloux. Das Thema packte ihn sofort und er beschloss, im Rahmen seiner Maturaarbeit herauszufinden, wie viel Mikroplastik in den Freiämter Gewässern vorhanden ist. Bouilloux wurde klar, dass der Anteil an Mikroplastik in den Meeren mit den Freiämter Gewässern in Verbindung steht. «Wir stehen hier am Anfang dieses Förderbands und sind auch mitverantwortlich.»

Mehrere Wochen lang untersuchte der 20-Jährige verschiedene Stellen der Reuss, Bünz und im Hallwilersee. Für ungefähr zehn Minuten hielt er ein Planktonnetz mit einem Auffangbehälter ins Wasser. Mit einem Styroporball an einer Schnur mass er, wie schnell das Wasser floss. «So konnte ich ausrechnen, wie viel Wasser in dieser Zeit durch mein Netzchen geflossen ist.» Danach gab er Schwefelsäure in die Proben, damit sich Dinge wie Algen und Schlamm auflösten. Die Plastikteilchen blieben dabei aber unverändert. «Genau das ist ja der Punkt: Plastik zersetzt sich nicht», erklärt der Wohler. Er untersuchte die Proben unter dem Mikroskop und dokumentierte, wie viel Mikroplastik er in jeder Probe fand. 

Viele Teilchen in der Reuss

Zu sagen, in welchem Gewässer des Freiamts es am meisten Mikroplastik hat, sei schwierig. «In der Reuss hat es im Vergleich zu den anderen viel», stellt Bouilloux fest. Dabei müsse man aber bedenken, dass die Reuss ein grösserer Fluss ist und bereits mehrere kleine Flüsse in sie hineinfliessen. Dem Freiämter fiel aber auch noch etwas anderes auf: Vor der Einspeisung des Wassers aus der Kläranlage enthalten einige Flüsse weniger Mikroplastik als nachher. 

So zum Beispiel in Unterlunkhofen. Bei der Kläranlage in Bremgarten sei im Wasser nach der Einspeisung in den Fluss allerdings weniger Mikroplastik enthalten. Mehr Kunststoff-Teilchen hat es ausserdem in stillen Gewässern. Beispielsweise im ruhigen Teil der Reussschlaufe, erzählt Bouilloux. Dabei betont er: «Ich habe sicher auch Messfehler gemacht. Die Arbeit ist wissenschaftlich primitiv.»

Der 20-Jährige fand in seinen Proben hauptsächlich Fasern von synthetischen Kleidern. Diese gelangen durch das Abwasser der Waschmaschinen in die Flüsse. Um dies zu verhindern, könne man entweder einen Filter einbauen oder beim Kleiderkauf auf das Material achten. Auch für Zahnpastas und Gesichtspeelings wird Mikroplastik verwendet. «Für Laien ist es aber schwierig, das an den Inhaltsstoffen auf der Verpackung zu erkennen», erklärt der Maturand.

Wegwerfplastik vermeiden

Da Mikroplastik kaum mehr aus dem Wasser entfernt werden kann und von Auge auch nicht sichtbar ist, findet Bouilloux es wichtig, den Gesamtkonsum an Plastik zu verringern. Das verdeutlicht er mit einer Metapher: «Wenn man nach Hause kommt und die Küche überflutet ist, kann man versuchen, das Wasser mit einem Lappen wegzuwischen. Das Naheliegende ist aber, einfach den Wasserhahn zuzudrehen.»

Vor allem solle der Konsum des Plastiks, den man nur kurz verwendet und gleich wieder wegwirft, verringert werden, sagt der Wohler. Beispielsweise beim Gebrauch von Einweg-Geschirr oder dem Säckli fürs Zmorgegipfeli, das gleich nach der Kasse im Mülleimer landet. Cyril Bouilloux ist sich aber auch bewusst, dass so eine Umstellung nicht von heute auf morgen passiert. «Der erste Schritt ist, sich seines Plastikkonsumes bewusst zu werden.»

Autor

Johanna Lippuner

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