Seengen
Schweinsöhrli und Ochsenschnörrli für Hunde stinken den Freiämtern

Erwin Rüetschi wollte seinen Produktionsbetrieb für Hunde-Kauartikel ins Freiamt verlegen. Doch der Unternehmer ist weder in Hägglingen noch in Dottikon willkommen. Nun zieht Rüetschi mit seiner Firma «Kau-Mi» in den Nachbarkanton Luzern.

Fabian Hägler
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Erwin Rüetschi ist mit «Kau-Mi», seinem Produktionsbetrieb für geräucherte Kauartikel für Hunde, im Freiamt nicht willkommen.

Erwin Rüetschi ist mit «Kau-Mi», seinem Produktionsbetrieb für geräucherte Kauartikel für Hunde, im Freiamt nicht willkommen.

fh

«Wir produzieren seit zweieinhalb Jahren in Seengen, erst in den letzten Monaten gab es Beschwerden von Nachbarn», sagt Erwin Rüetschi. In den Räumlichkeiten der Metzgerei beim Restaurant Bären stellt die Firma «Kau-Mi» 31 verschiedene Kauartikel für Hunde her. Für die Produktion von Schweineohren, Ochsenschnörrli, Lammpansen, Straussenknackerli und Geflügelhälsen wird das frische Rohmaterial in Schlachthöfen abgeholt. Dann werden diese Schlachtnebenprodukte bei «Kau-Mi» gereinigt und geräuchert.

«Dies unterscheidet unsere Produkte von sonst erhältlichen Kauartikeln, die meist luftgetrocknet sind», sagt Erwin Rüetschi. Der ehemalige Küchenchef und langjährige Hundehalter stellte fest, dass seine Hunde diese Produkte nicht mochten und begann, mit selbst geräucherten Schweinsohren zu experimentieren. «Meine Hunde waren begeistert, und das Räuchern hat einen grossen Vorteil: Unsere Produkte stinken nicht.» Auf der Website der Firma heisst es sogar: «Durch das Räuchern erhalten sie einen angenehmen Geruch, der einem selber ‹gluschtig› macht.»

Widerstand von Anwohnern

Dies gilt aber offenbar nicht generell, bei der Suche nach einem neuen Standort stösst «Kau-Mi» auf Widerstand. «Weil die Liegenschaft in Seengen abgerissen wird, suchten wir in der Region neue Räumlichkeiten», sagt Rüetschi. Eine erste Möglichkeit sah «Kau-Mi» in der alten Käserei in Hägglingen. «Der Eigentümer hat ein Umnutzungsgesuch eingereicht, dagegen sind Einsprachen aus der Nachbarschaft eingegangen», sagt Gemeindeschreiberin Fabienne Fischer. Derzeit sei das Gesuch für die Liegenschaft gegenüber der Kirche hängig. Für Rüetschi ist aber klar: «Wir ziehen nicht nach Hägglingen, weil auch der Gemeinderat dagegen ist.»

Im benachbarten Dottikon lag bis Ende letzter Woche ein weiteres Baugesuch von «Kau-Mi» auf. Dort war das Gewerbehaus als Standort vorgesehen, wo zuletzt die R+S Schreinerei ihren Sitz hatte. Doch auch hier gab es Opposition: Mit einem Flugblatt warben Anwohner für eine Sammeleinsprache. «Welche Immissionen sollen wir künftig allenfalls ertragen müssen?», ist darauf zu lesen.

Rüetschi ist enttäuscht, «dass die Leute mit Flugblättern und Einsprachen reagieren, statt uns anzurufen, vorbeizukommen und sich vor Ort ein Bild zu machen». Für ihn ist klar: Dottikon ist als Standort für «Kau-Mi» keine Option mehr. «Ende Monat müssen wir hier in Seengen raus, bis ein Entscheid über die Einsprachen vorliegt, kann es aber Monate dauern», begründet er. Und Rüetschi fügt hinzu: «Es geht um die Existenz unseres Betriebs mit drei Arbeitsstellen.»

Neuer Standort in Kriens

Diese ist inzwischen gesichert, die Firma hat in Kriens einen geeigneten Standort gefunden. Dort wird sich «Kau-Mi» im früheren Produktionsgebäude des Fleischverarbeiters Bell einmieten. «Für uns verlängert sich der Arbeitsweg, und die Lieferung an unseren Hauptkunden, die Meiko AG in Villmergen, wäre von Hägglingen oder Dottikon aus viel einfacher gewesen», bedauert Rüetschi.

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