Villmergen
Schwarzer Humor und tiefe Abgründe bei den Frauen von Killing

Die Premiere von «D’Fraue vo Killing» des Theatervereins Villmergen begeisterte das Publikum.

Verena Schmidtke (Text) und Pascal Meier (Fotos)
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Theaterpremiere Villmergen
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Anstossen auf 23,5 Millionen: Der quirlige Lotto-Mann Edwin Steiner (Willy Müller) trinkt gern ein Gläschen mit. ...auf 23,5 Millionen: Der quirlige Lotto-Mann Edwin Steiner (Willy Müller) trinkt gern ein Gläschen mit.
«Man merkt doch, dass ich nicht meine Schwester Amanda bin!»: Alice Grau (Greti Küng) mit Thea Stucki (Maria Frischknecht, links) und Susen Braun (Monika Koch).
Schnelle Umbauten: Die Bühnenbilder werde per Beamer an die Rückwand projiziert und enthalten wenige weisse Möbel.
«Hat es in Ihrer Gefriertruhe Platz für eine Leiche, Herr Gemeindeammann? Esther Bolliger (Flavia D’Avola) und Ben Schweiger (Paul Koch).
«Du verkauftst normale Ware als Bio! Das sage ich weiter!» Amanda Schmählich (Greti Küng, links) und Susen Braun (Monika Koch).
«Ich widersage der Versuchung des schnöden Mammons. Obwohl: Das Geld würde einige Löcher in der Kirchenkasse stopfen.» Pfarrer Markus Fromm (Hans Ledermann).

Theaterpremiere Villmergen

Aargauer Zeitung

Eine Tippgemeinschaft jagt einem grossen Lottogewinn hinterher – natürlich mit ungeahnten Schwierigkeiten. Das zeigt die Theatergesellschaft Villmergen mit ihren «D’Fraue von Killing», dem Stück von Norbert Franck. Bitterböser schwarzer Humor und spannende Wendungen sind dabei bezeichnend. Die Moral der Dorfbewohner von Killing wird auf eine harte Probe gestellt. Unter der Regie von Gabi Regli überzeugt der Theaterverein Villmergen mit grosser Spielfreude und zieht das Publikum schnell in seinen Bann.

Sogar Ammann und Pfarrer

Es sind die 70er-Jahre: Sieben Frauen aus Killing, unterstützt von Chorleiter Roger Birnbaum (Pascal Meier), bereiten sich auf einen Queen-Liederabend vor. Nach einem Busunglück vor sechs Jahren, bei dem viele der Männer aus Killing umkamen, versuchen die Frauen, ihren einsamen Alltag gemeinsam zu bewältigen. Ein unerwarteter Lottogewinn von 23,5 Millionen Franken bringt das vordergründig harmonische Vorhaben aber durcheinander. Die überhebliche Amanda Schmählich (Greti Küng) spielte ein doppeltes Spiel – und wird von ihren Kolleginnen tot aufgefunden. Kaltblütig beschliessen die Frauen, Amandas Leiche verschwinden zu lassen. Dafür soll deren Schwester Alice aus dem Nachbardorf den Gewinn einstreichen und an sie weitergeben. Für ihr kriminelles Vorhaben können sie schliesslich sowohl den Gemeindeammann (Paul Koch) als auch den Pfarrer (Hans Ledermann) gewinnen, natürlich nicht ohne finanzielle Beteiligung.

Nach einigem Hin und Her ist auch Amandas graumausige Schwester Alice (auch Greti Küng) bereit, mitzumachen. Der Chorleiter, der ein Verhältnis zu Amanda hatte, bemerkt den Rollentausch nicht – sein Gedächtnis ist nicht das beste, seitdem er als einziger mit schwerer Kopfverletzung das Busunglück überlebte. Ob und wie die Frauen von Killing zum Lottogewinn kommen, was es mit den Rückblenden zu den Busunglücks-Verhören auf sich hat und ob der plötzlich auftauchende Kriminalkommissar Wäckerli (Willy Müller) der Verschwörerbande auf die Schliche kommt, wird sich zeigen. Verraten sei: Es tun sich Abgründe auf.

Songeinlagen begeisterten

Ein besonderes Highlight der Aufführung sind die Songeinlagen unter musikalischer Leitung von Christov Rolla. Kostüme und Bühnenbild spiegeln den Charme der damaligen Zeit. Die Rückblenden zu den Busunglücks-Verhören werden via Projektor in schwarz-weiss eingespielt und erinnern an Kriminalfilme aus den 70ern. Regisseurin Gabi Regli – es ist ihre erste Zusammenarbeit mit dem Theaterverein Villmergen – zeigt sich sehr zufrieden mit der Premiere: «Auf die Gruppe ist zu 100 Prozent Verlass, alle sind ernsthaft bei der Sache und zeigen, wie viel Spass ihnen das Spielen macht.»
Dem Premieren-Publikum war die Freude am Stück deutlich anzumerken. Von Beginn an wurde die oft schwarzhumorige Situationskomik mit Lachern und spontanem Applaus kommentiert. Bei den abgründigen Wendungen im Stück ging immer wieder ein Raunen durch die Reihen. Am Ende waren sich alle einig: ein gelungener Abend mit einem tollen Stück.

Weitere Spieldaten: 17., 18., 24., 25. und 31. Oktober, jeweils 20 Uhr, 2. November, 14 Uhr, sowie 7. und 8. November, jeweils 20 Uhr

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