Es sind happige Vorwürfe, die im Raum stehen. Die Milchgold Käse AG mit Sitz in Auw soll bei den Milchmengen geschummelt und dadurch Verkäsungszulagen für Milch eingezogen haben, die gar nie geliefert wurde. Markus Ottiger, der seine Milch an die Freiämter Firma lieferte, brachte den Fall ins Rollen. Er stellte Unregelmässigkeiten fest und meldete diese dem zuständigen Bundesamt für Landwirtschaft. Dieses hat eine Untersuchung eingeleitet, wie AZ berichtete.

Die Verkäsungszulage in der Höhe von 15 Rappen pro Kilogramm verkäster Milch wird vom Bundesamt für Landwirtschaft an die Käsereien ausbezahlt. Diese müssen sie innert Monatsfrist an die Bauern weitergeben. Es geht jedes Jahr um insgesamt fast 300 Millionen Franken Subventionen. 2017 wurden alleine an die Milchgold Käse AG 9,3 Millionen Franken ausbezahlt.

Kontrollsystem aushebeln

Das Bundesamt zahlt aber nicht nur die Zulagen, es ist gleichzeitig auch für die Kontrollen der Milchverwerter zuständig. Der Bund prüfe «auf der Basis von Stichproben, ob die Verkäsungszulagen den Produzenten effektiv überwiesen worden sind», heisst es auf der Website des Amtes.

2013 stellte die Zeitschrift «Beobachter» infrage, ob das Subventionsmodell tatsächlich funktioniere. Für manche Bauern sei es unmöglich, zu erfahren, wo ihre Milch lande. Deshalb könnten sie auch nicht kontrollieren, ob sie die Zulagen erhalten, die ihnen zustünden.
Gegenüber der «BauernZeitung» räumte das Bundesamt für Landwirtschaft letzte Woche ein, es sei grundsätzlich immer möglich, «mit betrügerischen Aktivitäten und Verschleierung ein Kontrollsystem über eine gewisse Zeit auszuhebeln». Inspektoren könnten anlässlich von Kontrollen «nur Sachverhalte überprüfen und verifizieren, zu welchen sie Zugang haben».

Im Zusammenhang mit der eingeleiteten Untersuchung gegen die Milchgold Käse AG hat das Bundesamt alle Milchlieferanten aufgefordert, ihre Abrechnungen von Januar 2013 bis November 2017 einzureichen. Sollte sich nach der Prüfung der Unterlagen der Verdacht bestätigen, müsste die Milchgold Käse AG, laut BLW-Sprecherin Florie Marion «zu Unrecht bezogene Beiträge oder Vermögensvorteile unabhängig von der Anwendung der Strafbestimmungen zurückerstatten oder verrechnen».

2,8 Millionen zurückzahlen

Dass dabei schnell Beträge von über einer Million Franken zusammenkommen, zeigt ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Juli 2018. Die Richter haben entschieden, dass ein Milchverarbeitungsunternehmen aus dem Kanton Freiburg 2,8 Millionen Franken an Milchzulagen zurückerstatten muss.

Die Zulagen hatte das Unternehmen aufgrund einer falschen Deklaration vom Bund erhalten. Es ging um insgesamt rund 91 Millionen Liter Milch. Das Bundesverwaltungsgericht hat mit seinem Urteil den Entscheid des Bundesamtes für Landwirtschaft bestätigt. Das Bundesamt hat das Freiburger Unternehmen ausserdem verwarnt.