Wohlen
Schultheater setzt mit «Haley» neue Massstäbe

Maturanden zeigen mit «Haley» eine bemerkenswerte Inszenierung ihres eigenen Theaterstücks

Patrick Züst
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Haley tröstet ihren Ehemann Marvin – eine Schlüsselszene der Tragödie. Patrick Züst

Haley tröstet ihren Ehemann Marvin – eine Schlüsselszene der Tragödie. Patrick Züst

Marion Suter ist nervös. Sie steht vor dem Eingang der Kantonsschule – in der linken Hand ein Kugelschreiber, in der rechten eine Zigarette. Seit bald zwei Jahren beschäftigt sie sich mit «Haley». Es ist ihr erstes Buch, ihr erstes Theaterstück, ihre Maturarbeit. Zusammen mit den Schauspielern geht sie nochmals alles durch, so zur Sicherheit.

Gleich daneben steht Jan Küng, die zweite Hälfte des Regieduos. Gemeinsam haben die beiden Maturanden Suters Buch in eine Theaterfassung umgeschrieben. Soeben fand die Uraufführung statt.

Kurz vor der Premiere ist die Anspannung bei allen Beteiligten gross. Die Generalprobe habe gut geklappt, aber die Reaktionen des Publikums seien halt nur sehr schwer abzuschätzen, erklären die Schauspieler. «Falls jemand heute Abend mit falschen Erwartungen kommt, kann es gut sein, dass er enttäuscht wird, vielleicht sogar geschockt», sagt Co-Regisseurin Suter. Einstellen müsse man sich auf eine Achterbahn der Gefühle. Auf Wechsel zwischen tieftragischen und urkomischen Elementen. Und das im Minutentakt. «Man darf nichts Schönes erwarten», sagt Suter schmunzelnd. «Es wird emotional, aufwühlend, tief gehend, halt einfach alles andere als Kitsch.» Sie wird recht behalten.

Jung, modern, professionell

Haley ist weg. Ihr Ehemann Marvin weiss von nichts, ihre Tochter Juliette spricht nicht mehr. Alle Hinweise verlaufen ins Leere. Das ist die Ausgangslage der Tragödie. Für Marvin beginnt eine Suche nach Klarheit, nach Erinnerung, nach sich selbst. Vor allem aber ist es eine Suche nach Haley.

Der Spannungsbogen des Theaters ist enorm. Was anfangs als sicher angenommen wird, wird während des Stücks infrage gestellt. Als Zuschauer erfährt man von den zerrütteten Familienverhältnissen, von Haleys verborgenen Ängsten, von Marvins psychischen Problemen. Die Inszenierung ist durchdacht. Licht- und Musikwechsel werden ebenso bewusst in die Aufführung einbezogen wie die zeitlichen Rückblenden und die Rolle des auktorialen Erzählers. Suter und Küng beweisen mit ihrem Theater nicht nur ein gutes Gespür für eine gelungene Aufführung, sondern auch den Mut, neue dramaturgische Wege zu gehen. Mit einem gängigen Schultheater hat das nicht mehr viel zu tun.

Lediglich zwei Vorstellungen

Nur einen Tag nach der Premiere fand gestern Freitag bereits schon die Derniere statt. Hunderte Stunden Schreib- und Probeaufwand für zwei Aufführungen: Hat sich das gelohnt? «Absolut», sagt Küng, «die ganze Arbeit hat enorm Spass gemacht und mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden.» Gemäss dem Regisseur habe man viel Glück gehabt mit den Schauspielern und dadurch seien die Proben immer sehr unterhaltsam und auch spannend gewesen.

Auch das Publikum zeigte sich von «Haley» angetan. Die positive Resonanz nach der Aufführung war gross. Mit einer kreativen Inszenierung, einer spannenden Handlung und engagierten Schauspielern schufen Suter und Küng ein fast schon professionelles Theaterstück, das gleichzeitig auch die jugendliche und zeitgemässe Denkweise der Regisseure widerspiegelt.