Boswil

Schulschatz und 160 Klassenfotos locken – ein Treffen der besonderen Art

Othmar Stöckli, Präsident des Kulturvereins Boswil, mit 160 Klassenfotos.

Othmar Stöckli, Präsident des Kulturvereins Boswil, mit 160 Klassenfotos.

Ehemalige Schüler treffen sich am Jugendfest

Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Schule Boswil werden staunen: Othmar Stöckli, Präsident des Kulturvereins Boswil, hat für das Klassentreffen aller Jahrgänge 160 Klassenfotos zusammengesucht – das älteste von 1890. Zudem hat der ehemalige Rektor Gerold Hänggi eine Broschüre über die Geschichte der Schule verfasst und sie mit Kuriosem aus alten Schulchroniken angereichert. Hauptgrund aber, zum Klassentreffen am 27. Juni zu erscheinen, ist das Wiedersehen mit alten Schulkameradinnen und -kameraden.

«Da», sagt Othmar Stöckli und zeigt auf ein Bild vom Jugendfest 1946, «da ist Fränzi, die kennen alle.» In der Broschüre von Hänggi gibt es ein Wiedersehen mit der Lehrerin Fränzi Notter. Oder mit dem Verfasser selber, Gerold Hänggi, auf einem Bild des Jugendfestes 1969 als junger Lehrer zu sehen. Es waren noch andere Verhältnisse früher: Als die Gemeinde 1826 beschloss, das Schulgeld nach dem Einkommen zu bemessen und deshalb die Armen wenig bezahlen mussten, stieg die Schülerzahl, sodass jeder Lehrer 90 Schüler unterrichtete. Lehrer Jakob Mäder hatte 1921 beispielsweise 82 Schüler, 55 Mädchen und 27 Knaben, in der 6. bis 8. Klasse. Die Knaben durften die Bezirksschule besuchen, die Mädchen kaum.

Als geistesgestört angeschwärzt

Nicht alle Lehrkräfte wurden glücklich in Boswil, wie der Autor feststellen muss: «Lehrer K. wurde in den privaten Konkurs getrieben und ist weggezogen. Nicht die Schule bereitete ihm Probleme, sondern einzelne Bürger von Boswil.» Oder Oberlehrer H., ein eigenwilliger Lehrer, der von Boswiler Bürgern bei der Regierung in Aarau als geistesgestört angeschwärzt wurde, «ist weggezogen nach Basel».

Aber das heisst nicht, dass die Lehrer in Boswil nicht gute Arbeit geleistet haben und leisten. Es gibt einige Persönlichkeiten in der Politik und der Wirtschaft, weiss Hänggi, welche die Boswiler Gemeindeschule besucht haben: einen Personaldirektor der SBB in Bern zum Beispiel, einen Oberrichter in Aarau, einen Bankdirektor in Wohlen oder den im 19. Jahrhundert weitherum berühmten Architekten und Baumeister Johann Pankraz Keusch.

Klassenfotos als Zeitzeugen

Ein besonderer Magnet werden die zahlreichen Klassenfotos sein, die ausgestellt werden. «Aus den Klassenfotos ab 1895 können wir erahnen, wie die Kindedermode sich entwickelt hat, wie die Kinder streng erzogen wurden und viel älter aussahen als heute», schreibt Hänggi. «Kein Lachen, kein Kopfdrehen, Arme verschränkt, Knaben mit Gilet und Fliege oder Krawatte, genagelte Schuhe, Mädchen in Maxiröcken, 25 Jahre später das erste Lachen, 35 Jahre später manchmal barfuss und rund 100 Jahre nach dem ersten Schulfoto farbig und aufgeschlossen.»

Fotos können beim Kulturverein bestellt werden, sagt Stöckli. Sie sind alle eingescannt und können auf Wunsch problemlos reproduziert werden. Spannend ist auch, wie sich die Schule vom ersten richtigen Schulhaus, 1804 erstellt, bis heute baulich entwickelt hat. Viele Bürger meinten beim Bau des ersten Schulhauses, es müsse neben der alten Kirche gebaut werden, so könne die christliche Erziehung besser gewährleistet werden. Es wurde dann trotzdem mitten im Dorf gebaut. Um genügend Steine für den Bau zu haben, wurde den Boswilern verboten, weiterhin von den Findlingen, die aus der Eiszeit auf Wiesen lagen, Steine abzusprengen.

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