Wohlen
Schulraum Wohlen: Handelt endlich zum Wohl der Kinder

«Damit eine Chance besteht, bis 2018 mit dem Bau fertig zu werden, braucht es jetzt endlich Taten.» Eine Analyse zur Schulraumplanung in Wohlen.

Dominic Kobelt
Drucken

Dominic Kobelt/Archiv

Familie Meier ist auf der Suche nach einem neuen Wohnort. Auch Wohlen steht auf der Liste der Kandidaten. Es gibt einiges, das für die Gemeinde spricht: Zentrale Lage, gute Verkehrsanbindungen, Einkaufsmöglichkeiten, günstige Mieten. Da fällt der vergleichsweise hohe Steuersatz nicht mehr ins Gewicht. Auf einem Spaziergang kommt Familie Meier am Schulhaus Halde vorbei, es ist gerade Pause. Auf dem Pausenplatz drängen sich fast tausend Kinder, einige Primarschüler versuchen trotz den beengten Verhältnissen Fussball zu spielen. Die Bezschüler nerven sich, weil die Kleinen ihnen vor den Füssen herumstolpern. Irgendwo im Kindermeer hört man einen Kindergärtler schreien, die Aufsichtsperson versucht die Übersicht über das Tohuwabohu zu behalten.

Das ist der Moment, in dem Familie Meier Wohlen den Rücken kehrt. Denn sie möchte für ihre Kinder eine Schule, in der diese sich wohlfühlen. Was nützt das beste Standortmarketing – schöne Stelen am Dorfeingang und ein ansprechender Internetauftritt –, wenn die Schule einer Hühnerfarm gleicht?

Eine Gruppe von Wohler Architekten hat den Vorschlag gemacht, das dringend benötigte Schulhaus nicht auf dem Pilatusareal, sondern neben den bestehenden Schulhäusern auf dem Haldenareal zu bauen. Dann müsse die Gemeinde nämlich kein Land kaufen und spare Geld. Vom Entwickeln von Synergien war die Rede und vom knappen Bauland, von Nachhaltigkeit und Ökologie.

Der Vorschlag kam rund zwei Wochen, bevor der Einwohnerrat über den Landkauf Pilatus hätte abstimmen sollen. Die aktuelle Schulraumplanung dauert dagegen schon fünf Jahre. Das Haldenareal war bis dahin nicht in die engere Auswahl einbezogen worden. Wohl aber 1991, als ebenfalls ein Bauwerk mit dem Namen «Sprungbrett» als Erweiterung auf dem Haldenareal geprüft wurde. «Das ‹Sprungbrett›überzeugt nicht in allen Teilen. Es engt den Pausenplatz Halde massiv ein», war der Befund vor 24 Jahren.

Die Bewertung der Areale ist bis zu einem gewissen Grad subjektiv

Trotzdem zog der Gemeinderat seine Vorlage zum Landkauf zurück und überarbeitete die Planung. Er hat nun aufgezeigt, warum die Pilatus-Variante der Halde-Variante vorzuziehen sei. Die Kritiker werden sagen, der Gemeinderat habe eine Bewertungsmatrix angewandt, die ihm in die Karten spielt. Für die verschiedenen Kriterien wurden Punkte vergeben. Ist es eine stufendurchmischte Anlage? Wie hoch ist das Eskalationsrisiko aufgrund der Schülerdichte? Diese und weitere Aspekte wurden bewertet, eine gewisse Subjektivität ist nicht zu vermeiden. Zudem gehen die Kostenschätzungen weit auseinander. Der Bau Halde wäre teurer, es bräuchte unterirdische Parkplätze und ein Provisorium. Das gleiche den Preis für das Pilatus-Areal wieder aus, sagt der Gemeinderat – er hat eine transparente, vergleichbare Kostenschätzung vorgelegt. Beide Varianten (und eine dritte, die die SVP gefordert hat) wären aber realisierbar. Zwar birgt die Variante Pilatus ein gewisses Risiko: Das Land muss umgezont werden. Wenn dagegen Einspruch erhoben wird, ist der Zeitplan dahin. Aber wer garantiert, dass an einem anderen Ort niemand Einspruch erheben wird? Deshalb müssen sich die Politiker jetzt auf einen Aspekt fokussieren: Was ist das Beste für die Kinder?

Schulleitung und Schulpflege graust es ob der Variante Halde

Die Schulleitungen der Bezirksschule und Primarschule Halde als auch die Schulpflege sprechen sich in aller Deutlichkeit gegen den Vorschlag der Architekten aus. Hauptsächlich, weil eine solche «Schülerdichte» in der Schweiz wohl einzigartig wäre – ein unrühmlicher Spitzenplatz.

Eine erholsame Pause wirke sich positiv auf den Unterricht und auf die Fitness der Schüler aus und trage zu einem guten Klima bei, argumentieren die Lehrer. Bei 950 Kindern auf 12 200 m2 Schulareal wäre das kaum möglich.

Markus Pfyl, der am Planungsbericht mitgearbeitet hat, brachte es auf den Punkt: Er erinnerte daran, dass ein Schulhaus im Schnitt rund 100 Jahre Bestand hat. «Da wäre es schade, wenn man aus Angst vor einer Verzögerung nicht den bestmöglichen Schulraum bauen würde.»

Geplant wurde nun genug. Rund ein Dutzend Varianten wurden geprüft, über Hunderte von Seiten und über fünf Jahre analysiert. Bis zu einem neuen Schulhaus ist es noch ein langer Weg – schliesslich folgen der Planungs- eine Projektierungs- und eine Bauphase. Damit eine Chance besteht, bis 2018 mit dem Bau fertig zu werden, braucht es jetzt endlich Taten. Die Variante Pilatus ist die Beste. In erster Linie für die Kinder – aber damit ist es auch die beste Variante für Wohlen.

Aktuelle Nachrichten