Unterlunkhofen
Schulleiter kann sein Amt unbelastet antreten

In einem Brief an die Schulpflege hatten 19 Eltern den künftigen Schulleiter Michael Weder heftig kritisiert. Nun räumten Eltern, Lehrpersonen, Schulpflege und Gemeinderat mit Hilfe einer Mediatorin Vorwürfe gegen Michael Weder aus.

Fabian Hägler
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Mediatorin Margrit Weber-Scherrer leitete den Abend.

Mediatorin Margrit Weber-Scherrer leitete den Abend.

zvg

In einem Brief an die Schulpflege hatten 19 Eltern den künftigen Schulleiter Michael Weder heftig kritisiert (az Aargauer Zeitung vom 7. Juni). Sie warfen Weder, der sein neues Amt am 1. August antritt, vor, er sei in der Vergangenheit oft «Gegenstand von Konflikten und Problemen» gewesen. Insgesamt fehle ihnen «das Vertrauen in seine Fähigkeit, eine Schule zu führen», machten die Eltern deutlich. Sie forderten die Schulpflege auf, die Wahl von Weder nochmals zu überdenken – die Behörde hielt aber an ihrem Wahlentscheid fest.

Anlass mit Mediatorin

Um die Unstimmigkeiten auszuräumen, lud die Schulpflege nun zu einem öffentlichen Anlass ein. «Wir wollten allen die Gelegenheit geben, sich auszusprechen und unter Leitung der Mediatorin Margrit Weber-Scherrer aus Zufikon Lösungen für das gemeinsame weitere Vorgehen zu finden», sagt Schulpflegepräsidentin Silvana Moggio. Eine Gruppe von rund 55 Personen, bestehend aus
Eltern, Lehrpersonen, Gemeinderäten und Schulpflegemitgliedern, folgten der Einladung.

«Wie im Laufe des Abends offenbar wurde, fühlten sich alle Beteiligten von den Ereignissen überrollt», hält Margrit Weber-Scherrer fest. Als Ziele der Veranstaltung wurden laut der Mediatorin formuliert: «Wir schaffen eine Basis, auf der Vertrauen wachsen kann», und «wir ermöglichen dem neuen Schulleiter einen guten Start» formuliert.

Weber-Scherrer schreibt in ihrem Bericht: «Diese Gelegenheit wurde genutzt, es wurde offen und engagiert diskutiert.» Bei ihrem Eingangsvotum ging Schulpflegepräsidentin Silvana Moggio auf den Wunsch verschiedener Eltern ein, die Gründe für den Entscheid zu erfahren, Michael Weder als neuen Schulleiter anzustellen. «Wichtig ist der Schulpflege insbesondere, dass Herr Weder bei
einem Schulleitungspensum von 40% der Schule trotzdem zu 100% zur Verfügung steht, da er auch weiterhin als Lehrer wirkt», erläuterte sie. Ausserdem kenne Michael Weder das schulische Tagesgeschäft in Unterlunkhofen und sei äusserst engagiert.

Weiter erklärte Moggio, dass die Schulpflege als vom Volk gewählte Behörde auch für die Anstellung der Schulleitung zuständig sei. Deshalb sei es ihr wichtig, dass die aufgrund ihrer Zuständigkeit gefällten Entscheide akzeptiert würden.

Lehrer wollen Qualität hochhalten

Die Lehrpersonen vereinbarten gemeinsam, dass Margrith Wernli das Lehrerteam vertrete. Ihnen ist es wichtig, dass jedes Kind gerne zur Schule kommt. Deshalb wollen die Lehrerinnen und Lehrer die Qualität in Unterlunkhofen weiterhin hochhalten. Gleichzeitig besteht bei den Lehrpersonen Offenheit für Veränderungen und Verbesserungen. Auf konkrete Anfrage einer Teilnehmerin betonte Margrith Wernli dezidiert, dass das Lehrerteam den Entscheid der Schulpflege akzeptiere und zusammen mit dem neuen Schulleiter die anstehenden Themen angehen werde.

Von einzelnen Teilnehmenden wurde die Qualität im Unterricht von Michael Weder angezweifelt. Bezirksschullehrer Manfred Knecht hielt dem entgegen, dass Schüler und Schülerinnen aus Unterlunkhofen im Allgemeinen, und insbesondere jene aus Weders Klassen, gute Leistungen erbrächten.

Elternsprechstunde angekündigt

Der designierte Schulleiter Michael Weder ging auf verschiedene Vorkommnisse aus der Vergangenheit ein und zeigte auf, dass er inzwischen einiges anders sehe und auch anders angehen würde. Er beabsichtigt insbesondere, im neuen Schuljahr eine Elternsprechstunde einzurichten. Dies kam beim Publikum gut an. Ebenfalls offerierte er interessierten Eltern einen Gesprächstermin für noch anstehende Themen im neuen Schuljahr, was genutzt wird.

Vielen Eltern mit Kindern in seinen Klassen war es laut der Mediatorin wichtig, «auch eine andere als die in der Presse diskutierte Seite von Herrn Weder hervorzuheben: Sie schätzen die Zusammenarbeit mit ihm und auch die Kinder gehen gern zu ihm zur Schule», hält sie fest.

In der Folge wurde rege diskutiert, Ängste und Sorgen wurden angesprochen und jene Personen, die gegenüber der Schulpflege oder Weder kritisch eingestellt waren, kamen laut Weber-Scherrer ebenso zu Wort, «wie jene, die sowohl der Schulpflege als auch Herrn Weder und dem Lehrerteam den Rücken stärken wollten». Letztere hätten für ihre Voten wiederholt Applaus geerntet, hält die Mediatorin fest. Zentral war für alle Beteiligten, dass jeweils das direkte Gespräch zwischen den Betroffenen gesucht wird, dass aber auch der Dienstweg eingehalten wird.

Mediatorin sieht Ziel erreicht

Das Fazit der Mediatorin fällt positiv aus: «Das gesteckte Ziel konnte erreicht werden», hält Margrit Weber- Scherrer fest. Klar ist für sie: «Natürlich braucht es in Zukunft viele weitere Schritte, damit Vertrauen weiter wachsen kann.» Verschiedene Vereinbarungen zum weiteren Vorgehen wurden auf dem Flipchart notiert und am Schluss von allen Anwesenden unterschrieben.

Die Zufiker Mediatorin freut sich: «Die Basis, auf der Vertrauen wachsen kann, wurde mit dem Anlass gelegt, der Ruf des künftigen Schulleiters ist wiederhergestellt». Sie ist überzeugt: «Herr Weder kann seine Arbeit bei null beginnen.»