Wohlen
Schülerzeitungen sind im Freiamt fast ausgestorben

Wer auf der Suche nach Schülerzeitungen das Freiamt abklappert, kommt mit leeren Händen zurück. Mit leeren Händen? Nicht ganz. Eine einzige Schülerzeitung gibt es noch in der ganzen Region – und zwar an der Bezirksschule Wohlen.

Andrea Weibel
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Freifachleiterin Dina Furter (zweite von links) diskutiert mit einem Teil der BezTimes-Redaktion die neue Schülerzeitung: Jan Günthart, Chefredaktorin Lisa Kleiner, Sabrina Fischer, Martina Stöckli und Samuel Kuhn (von links). aw

Freifachleiterin Dina Furter (zweite von links) diskutiert mit einem Teil der BezTimes-Redaktion die neue Schülerzeitung: Jan Günthart, Chefredaktorin Lisa Kleiner, Sabrina Fischer, Martina Stöckli und Samuel Kuhn (von links). aw

In Sins entstehen sporadisch Zeitungen während Spezialwochen. In Muri, Bremgarten und auf dem Mutschellen heisst es, dass vor allem die Lehrer, manchmal aber auch die Schüler ab und zu eigene Berichte an die Zeitungen schicken. Und auch die Kreisschule am Maiengrün in Dottikon und Hägglingen verfügt über keine eigene Zeitung.

Dabei wäre es so einfach: Peter Feurer, Fachlehrer für Musik sowie Ethik und Religion an der Bezirksschule Wohlen, hat das Freifach Schülerzeitung ins Leben gerufen, das während seines derzeitigen Urlaubs von Dina Furter geleitet wird. Über 20 Schüler von der zweiten bis zur vierten Bez haben sich für das Fach angemeldet und sammeln damit erste Erfahrungen im Bereich Journalismus.

«Nicht nur Justin Bieber»

Früher waren es Wohler Lehrpersonen, die schulhaus- und stufenübergreifend eine Zeitung mit Schülerbeiträgen herausgegeben haben. Nach einer längeren Pause sind es nun die Schüler selbst, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ihre Mitschüler zu informieren – und zwar über alles, von Themen, die die Welt bewegen, bis hin zu Schulhofgeschichten, Sportberichten, Beautytipps, Filmkritiken und Buchbesprechungen. «Es ist spannend, sich immer selber neue Themen zu suchen, über die man berichten möchte», findet Lisa Kleiner (15), Chefredaktorin der BezTimes. Ganz einfach sei das allerdings nicht immer. Das kennt auch Redaktorin Sabrina Fischer: «Manchmal habe ich zwar sehr viele Ideen, weiss dann aber doch nicht, was ich über die einzelnen Themen schreiben soll.»

Am Ende findet aber doch jeder der Redaktoren Themen, über die er berichten möchte. «Diese besprechen wir dann gemeinsam», erklärt Redaktor Samuel Kuhn (14). «Wir teilen die Themen in Sparten ein wie Sport, Lifestyle, People und so weiter. Dann loten wir aus, von welchen Sparten wir genügend haben und welche Artikel wir streichen oder dazunehmen sollten.» Das bestätigt auch Dina Furter, die die Schüler dazu anhält, auch Aktuelles aus der Welt zu verarbeiten: «Man soll schliesslich nicht nur über Beauty und Justin Bieber lesen können», schmunzelt sie. Sonst lässt sie den Schülern aber absolut freie Hand in Themenauswahl und Schreibstil.

Eine Zeitung pro Monat

Nach der ersten Redaktionssitzung haben meist alle Schüler ihr Thema gefunden. Dann geht die eigentliche Arbeit los: Es werden Bücher und Kritiken gelesen, Filme angeschaut, Sport- und andere Veranstaltungen besucht, gedichtet und vor allem im Internet recherchiert.

Dann folgt die Schreibarbeit. «Wir treffen uns zweimal wöchentlich über Mittag, um die Zeitung zu machen», sagt Redaktor Jan Günthart (13). «Das ist manchmal schon etwas viel.» Dem pflichtet auch Samuel Kuhn bei: «Gegen Ende stehen wir zudem oft unter Zeitdruck, weil noch nicht alles fertig ist und wir bald in Druck gehen wollen. Aber das ist manchmal auch spannend.»

Ihr erklärtes Ziel ist es, möglichst jeden Monat eine Zeitung herauszubringen. «Sonst sind die Themen immer sofort wieder veraltet, und das will niemand lesen», ist Furter bewusst. Kuhn ergänzt: «Wir überlegen uns auch gerade, ob wir in der Zeitung jeweils Platz für sehr aktuelle Themen offen lassen sollen, damit wir die gleich abdecken können.»

Einblick in den Journalismus

Die Ideen sind zahlreich und die jungen Schreiberlinge sehr motiviert und wie es scheint auch diszipliniert. «Anfangs war es etwas chaotisch, aber so langsam werden die Schüler immer sicherer. Sie erhalten auf praktische Art Einblick in die journalistische Arbeit, müssen sich selber organisieren und werden auch schreiberisch immer sattelfester», ist Dina Furter, die eigentlich Fachlehrerin für Deutsch, Englisch und Französisch ist, begeistert.

Den meisten Teilnehmern gefällt der Kurs sehr gut. «Ich schreibe sehr gerne frei, was mir gerade einfällt. Darum habe ich in der Schülerzeitung begonnen, Kolumnen zu schreiben», erklärt Martina Stöckli (15) lächelnd. Sie konnte sich im Freifach davon überzeugen, dass eine journalistische Zukunft für sie auf jeden Fall erstrebenswert ist. Auch der Villmerger Samuel Kuhn, der früher bereits eine eigene Quartierzeitung herausgegeben hat, will irgendwann in den Journalismus einsteigen, «allerdings eher beim Radio», hält er fest. Jan Günthart hingegen hat erkannt, dass er zwar gerne Aufsätze schreibt, dass er später aber doch eher Medizin studieren möchte. Auch wegen dieser Einsicht hat sich das Freifach Schülerzeitung gelohnt.

Die beiden letzten Ausgaben der BezTimes sind unter www.bezwohlen.ch unter dem Link «Fächer & Projekte» abrufbar.