Wohlen
Schülerin an Wahl-Podium: «Nachher war ich gleich schlau wie zuvor»

Wie erleben Schüler eine Podiumsdiskussion zu den anstehenden Wahlen? Viviane Widmer hat eine an ihrer Schule, der Kantonsschule Wohlen, besucht und berichtet von ihren Eindrücken im folgenden Text.

Viviane Widmer*
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Wahlpodium an der Kantonsschule Wohlen mit Nationalratskandidatinnen und -kandidaten.

Wahlpodium an der Kantonsschule Wohlen mit Nationalratskandidatinnen und -kandidaten.

Viviane Widmer

Zur Ausbildung an der Kantonsschule Wohlen gehört, nebst der Vermittlung von umfangreicher Allgemeinbildung, auch der regelmässige Versuch, die Schüler für Politik zu begeistern. Diese, so scheint es, ist für viele junge Leute irrelevant und in der Tat gibt es gleich zu Beginn eine viel dringendere Frage, die sich beim Erscheinen der Politiker, insbesondere der SVP-Vertretung, stellt.

Nicole Müller heisst die besagte Person, nur steht sie nicht aufgrund irgendeiner SVP-typischen, brisanten Aussage im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sondern vielmehr wegen ihrer Kleiderwahl. Es herrscht Unklarheit, ob die Dame in einem bauchfreien Top erschienen war. Skandalös, wenn es denn stimmte. Doch die Wahrheit ist nicht so leicht zu ergründen – wegen der Lichtverhältnisse. Bei solchen Podiumsdiskussionen tappt man ja auch sonst bekanntlich oft im Dunkeln.

Wenden wir uns der Diskussion zu, die schon voll im Gange ist: Während sich Matthias Jauslin von der FDP und GLP-Vertreter Orun Palit wortgewandt duellieren, ist Monika Küng von den Grünen noch nicht so ganz bei der Sache und winkt vergnügt ins Publikum. Bei der nächsten Runde zum Thema Energiepolitik ist sie dann aber parat und erklärt sogleich, dass trotz allfälliger Lücken in der zukünftigen Stromversorgung kein Problem bestünde. Das Mikrofon wird an die CVP-Vertretung Ruedi Donat weitergereicht, dem guten Mann bleibt seine geplante Erwiderung jedoch im Halse stecken. SVP-Frau Nicole Müller springt helfend ein, kann die Situation aber auch nicht mehr retten.

Generell geht es bei Frau Küng äusserst informativ zu und her. So weiss ich jetzt, dass ich sorgfältiger mit Energie umgehen sollte, der Computer ist ein Stromfresser, Duschen und Licht sind ohnehin überbewertet. Einzig mein Handy muss ich nicht wegwerfen, es reicht, wenn ich es recycle. An die Aussagen von Herrn Donat kann ich mich nicht mehr erinnern, reden ist nun mal eine Kunst und Künstler fallen bekanntlich nicht vom Himmel. Nachdem die drei diskutierenden Herrschaften vom gegenübersitzenden Matthias Jauslin kompetent darüber aufgeklärt wurden, worum es eigentlich geht, ist eh schon alles gesagt.

Das zweite Thema des Abends dreht sich um Migration. Gesagt wird viel, leider nichts Handfestes. Die unwiderlegbaren Fakten der einzelnen Persönlichkeiten widersprechen sich teilweise komplett, dass die fundierten Beweise vereinzelt auch noch zu Hause liegen gelassen wurden, trägt nicht zur Qualität der Diskussion bei. Im Nachhinein fühle ich mich gleich schlau wie vorher. Ein Lösungsansatz für das Problem hätte mich eigentlich mehr interessiert als der individuelle Wahlkampf, der selten offensiv, aber stets suggeriert vorhanden war.

Am überzeugendsten war Matthias Jauslin (FDP), und Arsène Perroud von der SP kam ebenfalls sehr positiv rüber, auch wenn ich ihn in diesem Text etwas vernachlässigt habe. Orun Palits Youtube-Video werde ich mir wohl nicht anschauen, auch wenn die sympathische GLP-Vertretung neben seinem Namensschild darum bat.

Als Fazit kann ich sagen, dass die Podiumsveranstaltung aus meiner Sicht zwar interessant, aber nicht zu interessant war. Die Fragen waren diskutiert worden, eine blieb am Schluss für mich offen, nämlich die nach dem Top der SVP-Vertretung. Ob wirklich bauchfrei oder nicht – erfahren werde ich es wohl nie mehr.

*Viviane Widmer ist Schülerin der Kantonsschule Wohlen, Abteilung G4G.

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