Mutschellen
Schüler machen es vor: Wie das Smartphone zum Mikroskop wird

Die Schüler von Biologielehrer Lukas Kammermann untersuchen Objekte mit dem Handymikroskop. Mit diesem lässt sich ein Objekt 30-fach vergrössern. Je nach Qualität der Kamera lassen sich auch bessere Ergebnisse erzielen. Den Schülern machts Spass.

Malte Aeberli
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Mutschellen: Die Schüler von Biologielehrer Lukas Kammermann untersuchen Objekte mit dem Handymikroskop
14 Bilder
Endlich angekommen auf der ersten Aue bei der Suhremündung
Die Schülegruppe aus Mutschellen versucht sich zu konzentrieren
Der Baum fällt noch nicht
Die Schnipsel des Bibers sind heissbegehrt
Unterricht in der freien Natur
Auch in Baumstämmen lassen sich Lebewesen finden
Die Natur erfahren, heisst auch Aufträge lösen
Der Waldboden steckt voller Überraschungen
ie kleinen Krabbeltiere sitzen unter dem Moos
Baum fällt
Die Ausbeute eines Sammeltages
Das Smartphone-Mikroskop
Die Schüler untersuchen ihre Fundstücke im Naturama Aarau

Mutschellen: Die Schüler von Biologielehrer Lukas Kammermann untersuchen Objekte mit dem Handymikroskop

Malte Aeberli

Es ist Projektwoche an der Bezirksschule Mutschellen. Also hat sich der Biologielehrer Lukas Kammermann etwas Besonderes für seine Gruppe einfallen lassen: ein Smartphone-Mikroskop.

«Mit der starken Auflösung von bis zu 16 Megapixeln kann man das gut machen. Mit den Natels von früher wäre das undenkbar», sagt Kammermann lachend.

Am Montag haben die Schüler zusammen mit dem Werklehrer ihr eigenes Mikroskop gebastelt. Eine Holzplatte bildet den Fuss. Auf drei Schrauben liegt als Auflagefläche eine Plexiglasscheibe. Diese dient gleichzeitig als Halterung für die beiden Linsen: eine Kontakt- und eine Laserpointerlinse. Unterhalb der ersten Scheibe liegt der Plexiglasobjektträger. Wenn man die Handykamera auf eine der beiden Linsen legt, zeigt sich das Objekt in seiner ganzen Pracht.

Gestern, am zweiten Tag hiess es für die Schüler vom Mutschellen: ab nach Aarau in die Natur. «Wir wollen den Schülern die Wichtigkeit der Auen für alle Lebewesen näherbringen», sagt Kammermann.

Es gehe ihm auch darum, die Generation Selfie wieder nach draussen zu locken. «Mit dem Smartphone-Mikroskop versuchen wir beide Welten zu verbinden.» Kein leichtes Unterfangen, wie sich unterwegs zeigt. Die Gruppe ist stufendurchmischt. Sekundar-, Real- und Bezirksschüler sollen hier im Wald zusammenarbeiten. Unabhängig von der Stufe – einige interessiert der Unterricht im Freien mehr als die anderen. Auch das Schuhwerk ist bei vielen Schülern eher unterentwickelt.

Natur fühlbar machen

Auf der ersten Aueninsel bei der Suhremündung hält sich die Begeisterung bei vielen noch arg in Grenzen. «Schaut mal, was auf dieser Aue neu und was alt ist», fordert Lehrer Kammermann die Jungen und Mädchen auf. Woraufhin die einen betreten rumstehen und nicht recht wissen, was sie hier sollen, und die anderen zu schiefern beginnen.

Beim zweiten Zwischenstopp packt die ersten Schüler dann das Jagdfieber. Von wegen Desinteresse. Der Lehrer hat einen von Bibern angefressenen Stamm gefunden. «Sammelt doch ein paar Schnipsel ein, vielleicht sehen wir unter dem Smartphonemikroskop die Bissspuren», sagt Kammermann. Die Schüler haben definitiv Freude an der Natur gefunden. «Natürlich nicht alle», sagt Kammermann weiter, «aber das gehört dazu».

Jäger und Sammler mit Handy

Beim dritten Stopp ist der Bann definitiv gebrochen. Munter wird unter Baumstämmen, in Erdlöchern und im Laub nach Würmern, Blättern, Larven und Krabbeltieren gesucht und die Funde stolz dem Lehrer präsentiert. Am Ende des Morgens haben alle das, was sie für den Nachmittag brauchen: Material, um mit dem Smartphonemikroskop genauer hinzusehen.

Nach einem kurzen Mittagessen kehrt die Schülergruppe ins Naturama beim Bahnhof Aarau zurück. Vollgepackt mit Eindrücken und Fundstücken. Kaum angekommen, packen die Ersten das selbst gemachte Mikroskop und ihre Handys aus und beginnen Blätter, Tausendfüssler, Steine, Pflanzensamen und Moos auf ihre Objektträger zu spannen.

«Wow – schau dir das an», sagt ein Junge begeistert zu seinem Sitznachbarn. «Wenn ich deine Lampe darunterlege, kann ich durch den Tausendfüssler gucken», sagts und macht ein Foto davon.