Jahresbericht

Schule Wohlen kämpft mit Platzmangel, Personalmangel und Anstandslosigkeit

Franco Corsiglia ist Präsident der Schulpflege Wohlen.

Franco Corsiglia ist Präsident der Schulpflege Wohlen.

In Wohlen wächst die Schule stetig, aber nicht in Sachen Platz oder Personal, sondern lediglich in der Schülerzahl.

Dies zeigt sich in verschiedenen Bereichen und führt zu neuen Problemen. Eines davon ist der Platzmangel. «Trotz grosser Bemühungen auf allen Ebenen, beschäftigt die Schule die Schulraumknappheit zunehmend», schreibt Franco Corsiglia, Präsident der Schulpflege, im Jahresbericht der Schule Wohlen. Bis zur Erneuerung werde aber noch Zeit verstreichen, um eine weitsichtige Planung zu garantieren.

Auch die Lehrer selbst sind im Aargau eher knapp vorhanden. Trotzdem gelang es Wohlen glücklicherweise, alle Führungspositionen der Schule zu besetzten, wenn auch nur mit Mühe. Für diesen Mangel an Fachkräften sieht der Präsident der Schulleitungskonferenz, Rolf Stadler, einige Gründe. Er schreibt: «Vergleichen Lehrer ihre jetzige Lohnsituation, so stellen viele fest, dass sie im interkantonalen Vergleich weit unten stehen.»

Stadler betont aber auch, dass dies sicherlich nur einer der Gründe sei. Denn das moderne Lehrerdasein bringe immer mehr Aufgaben mit sich. Unter anderem divergierende Elternmeinungen, ständige Systemwechsel und der Einbezug von sich laufend entwickelnder Informatik. «Ein echter Balanceakt», wie es Stadler nennt. Eine Arbeitsanalyse des Kantons ergab, dass Schulleitungen im Schnitt ein um 14 Prozent zu grosses Arbeitspensum absolvieren. Stadler schreibt: «Heute sieht der Alltag so aus, dass sich auf Ausschreibungen kaum jemand und wenn, dann häufig Personen ohne entsprechende Qualifikation melden.» Dies sei vor allem das Problem, bei Stellen die eine Extraausbildung brauchen, wie es bei Logopäden oder Heilpädagogen der Fall ist.

Immer mehr Schüler, dafür weniger Anstand und Disziplin

Ein weiteres Problem sieht Franco Corsiglia in der Disziplin der Schülerinnen und Schüler. Denn obwohl es keine schweren, negativen Vorkommnisse gab, müssten Lehrer immer mehr Aufwand betreiben, um vernachlässigte Erziehungsaufgaben der Eltern zu übernehmen. Corsiglia schreibt: «Der dafür einzusetzende Aufwand bezüglich disziplinarischer Massnahmen, Elterngesprächen und so weiter ist sehr hoch und zunehmend. Eine Entwicklung, welche die Schule seit Jahren mit einem unguten Gefühl registriert und klar die Entwicklung der Gesellschaft abbildet.» Corsiglia betont aber auch, dass es sich in Bezug auf die rund 2300 Schülerinnen und Schüler immer noch um eine Minderheit handelt. (sik)

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