Berikon
Schule wehrt sich mit Elternbrief gegen Bildungsabbau

Die Verantwortlichen der Kreisschule Mutschellen machen mit einem Brief an die Eltern gegen die Sparrunden des Kantons im Bildungswesen mobil. Ihrer Ansicht nach werden die Sparmassnahmen hauptsächlich auf Kosten der Kinder gemacht.

Toni Widmer
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Die Verantwortlichen der KSM wehren sich gegen den Bildungsabbau. kob/Archiv

Die Verantwortlichen der KSM wehren sich gegen den Bildungsabbau. kob/Archiv

Dominic Kobelt

«Seit 2014 wird in der Bildung des Kantons Aargau gespart, Leistungen werden scheibchenweise abgebaut», steht in einem Brief an die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Kreisschule Mutschellen (KSM) in Berikon. Unterzeichnet haben das Schreiben Astrid Winkler, die Schulpflegepräsidenten der KSM, sowie der Gesamtschulleiter Louis Isenmann.

Gespart werde, steht im Brief, auf Kosten der Kinder. Die 3. Sparrunde im Bildungswesen sei aktuell Thema, eine vierte Sparrunde bereits angekündigt. «Mit diesem Rundbrief wollen wir Sie informieren, welche Sparmassnahmen die Oberstufe massiv betreffen», schreiben Winkler und Isenmann, und listen diese mit den Konsequenzen auf.

So die Erhöhung der Mindestzahlen, welche zu grösseren Klassen führt und damit zu weniger Zeit pro Kind. Die Abschaffung des Berufswahljahres als Option für jene, die noch keine Lehrstelle oder noch nicht den passenden Beruf gefunden haben. Oder die Erhöhung der Mindestzahlen für Wahlfächer, welche eine Einschränkung der Wahlfachlektionen mit sich bringt und – im Werkunterricht wegen der grösseren Schülerzahlen pro Fach – auch erhöhte Unfallgefahren. Die Sparübungen gingen auch auf Kosten der Qualität, halten Winkler und Isenmann fest. Das insbesondere in den Fächern Italienisch und Latein, deren Wochenlektionen reduziert wurden.

Im Grossen Rat noch diskutiert werden müsse der Antrag der Regierung, in der Realschule das Geometrisch-technisches Zeichen zu streichen und in der 1. und 3. Real durch eine Stunde Mathe zu ersetzen, an der Sekundarschule eine Lektion im Fach Geschichte in der 3. Klasse zu streichen und an der Bezirksschule eine Lektion Gesang und Musik in der 1. Klasse abzuschaffen.

Lehrerberuf weniger attraktiv

Weil das Pflichtpensum der Lehrpersonen an der Bezirksschule um eine Wochenlektion erhöht wurde, was einer Lohnreduktion von 3,7 % entspricht, erachten die Verantwortlichen der KSM auch die Attraktivität des Lehrerberufs gefährdet: «Die Lohnsparrunden der letzten Jahre führten dazu, dass der Aargau für Junglehrerinnen und Junglehrer absolut uninteressant geworden ist. Dies betrifft uns als Grenzregion zu Zürich besonders.»

In ihrem Schlussfazit folgern Winkler und Isenmann: «Die Volksschule leidet unter den Abbaumassnahmen. Bisher konnten sie an der KSM teilweise aufgefangen werden, indem in gewissen Wahlfächern Mischklassen gebildet wurden. Aber die Talsohle ist erreicht, mehr ist nicht mehr zu verantworten. Unsere Geduld und unsere Ressourcen sind erschöpft.

Es darf nicht sein, dass eine (verfehlte) Finanzpolitik über die Bildungschancen unserer Kinder entscheidet. Wir bitten Sie, geschätzte Eltern, um Ihre Unterstützung im Kampf gegen einen weiteren Bildungsabbau.»