Wohlen
Schule gelobt, Sportpark gerügt – warum die Sitzung des Einwohnerrats auch eine kleine Fitnesslektion war

Sechs Kreditabrechnungen wurden durchgewinkt - jede mit Aufstehen und Hinsetzen. Die Schule Wohlen wurde sehr gelobt und mehrere künftige Probleme festgehalten. Dagegen wurde der Sportpark Bünzmatt gerügt, weil nach zwei Jahren immer noch keine Jahresrechnungen vorliegen.

Andrea Weibel
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Der Jahresbericht der Schule Wohlen wurde mit emotionalen Voten behandelt.

Der Jahresbericht der Schule Wohlen wurde mit emotionalen Voten behandelt.

Dominic Kobelt

Dass die Einwohnerratssitzung von gestern Montag nicht lange dauern würde, liess die Traktandenliste erahnen – obwohl sie aus 12 Punkten bestand. Die Hälfte waren Kreditabrechnungen, die rasch und in Globo durchgewinkt werden konnten.

Was emotionalere Voten ausgelöst hat, war der Jahresbericht der Schule Wohlen. Laura Pascolin fasste es im Namen der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) zusammen: «Die Anzahl Schüler von 2300 ist imposant und wird weiter steigen. Das bringt Herausforderung, insbesondere in der Schulraumplanung, mit sich.»

Die neuen Bauprojekte (Schulzentrum Halde und Dreifachturnhalle Hofmatten) entschärften diese Situation nur kurz- bis mittelfristig, hielt sie fest. Ein Brennpunkt sei der Lehrermangel, der durch Kreativität der Schuleiter vorläufig behoben werden konnte: Angehende Lehrer dürfen ihr Berufspraktikum in Wohlen absolvieren. Pascolin zeigte sich zudem froh, dass das unterbesetzte Schulsekretariat im Schuljahr 2021/22 entlastet werden soll.

«Schule Wohlen ist kein Bericht, es sind Menschen»

Was Werner Dörig (Fraktion FDP/Dorfteil Anglikon) mit seiner Aufzählung beispielsweise von Seitenzahl und Gewicht des Büchleins erreichen wollte, war minutenlang unklar. Dann sagte er, dass sie den Bericht nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern ausdrücklich würdigen und verdanken wollten, was die Schule leiste. «Die Schule Wohlen ist nicht einfach ein Bericht. Es sind Menschen», sagte Dörig.

Stefanie Dietrich (CVP) hält das Büchlein für ein «tolles Instrument zur Geschichtsschreibung». Beate Zimmermann zeigte sich im Namen von GLP/EVP darüber besorgt, dass bei den Lehrpersonen Ausfälle wegen Überlastungen und Burnouts zunehmen.

Roland Büchi (SVP) fand, der Gemeinderat solle prüfen, ob die Gemeinden, aus denen total 576 Kinder nach Wohlen in die Schule kommen, mehr für diese zahlen könnten. Hier konnte Gemeinderat Paul Huwiler festhalten: «Zu diesem Thema läuft bereits eine Motion im Grossen Rat.» Denn die Aufnahme der auswärtigen Schüler sei für Wohlen nicht freiwillig, sondern kantonal geregelt. Am Ende wurde der Jahresbericht der Schule Wohlen einstimmig zur Kenntnis genommen.

Mehr Transparenz im Sportpark gefordert

Bei der Eigentümerstrategie des Sportparks Bünzmatt kippte die Stimmung leicht ins Negative.. Dani Heinrich wünschte sich im Namen der FGPK mehr Transparenz, womit er unter anderem das bisherige Fehlen der Jahresrechnungen meinte. Gemeinderat Paul Huwiler sah das Problem im sehr raschen Tempo, in dem Bewilligungen und Bau des Sportparks vorangeschritten waren, sodass die Eigentümerstrategie, mit der der Gemeinderat dem Verwaltungsrat die Richtung vorgibt, erst so spät vor den Einwohnerrat gekommen ist.

Zum Thema Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat sagt er: «Die funktioniert bereits recht gut.» So wünschten sich auch die anderen Fraktionen Transparenz und das Einhalten der Vorgaben, gerade auch in Bezug auf Nachhaltigkeit, Ökologie und Soziales.

Die neuen Satzungen für den Abwasserverband Region Wohlen wurden durchgewinkt. Und am Ende gab es gar noch eine kleine Fitnesslektion, als die Räte für jede der sechs Kreditabrechnungen eigens aufstehen mussten, um sie zu genehmigen.

Für Alex Stirnemann (SP), der wegen Wegzugs aus dem Rat ausgetreten war, wurde Simone Allenspach (SP) vereidigt. Und Stirnemanns Nachfolger in der FGPK heisst Valentin Meier (SP). Er wurde einstimmig gewählt.