Die Maturaarbeit ist für die meisten Schüler ein Leiden, eine Bürde, die es irgendwie zu bewältigen gilt. Nicht so für Lorina Locher. Die 20-jährige Wohlerin erhielt für ihre Arbeit mit dem Titel «Lokale Immunsuppression für die Transplantation von Gliedmassen» die Note 6, einen Anerkennungspreis des Rotary-Clubs sowie das Prädikat «sehr gut» von der Stiftung Schweizer Jugend forscht.

Vor einer Woche verbrachte die ehemalige Kantonsschülerin drei Tage in Bern, wo sie bei einer Ausstellung der SJF ihre Arbeit präsentierte und neugierigen Besuchern Fragen dazu beantwortete. Die Preisverleihung erfolgte am Samstag. Laut Locher war das ein Moment, den sie wohl nie vergessen wird: «Die ganze Zeit über habe ich alles ziemlich locker genommen», erzählt sie schmunzelnd. «Doch als dann die Namen der Ausgezeichneten aufgerufen wurden und sogar Doris Leuthard eine Rede hielt, wurde mir mulmig und ich habe realisiert, dass ich wirklich etwas erreicht habe.» Doch: Wie kam die Schülerin dazu, ihrer Arbeit bei dem schweizweiten Forschungswettbewerb einzureichen?

Arbeit in Berner Labor

Lorina Locher erzählt: «Die Maturaarbeit war für mich eine Chance, etwas eigenes zu machen, eine echte Herausforderung.» Ihre Interessen reichen von Pädagogik und Psychologie bis zu Naturwissenschaften und Technik. Ihre Themenwahl, nach langer Recherche, beschränkte sich jedoch auf letzteren Bereich: «Werden Gliedmassen transplantiert, muss der Patient sein ganzes Leben lang Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken und den Körper dazu veranlassen, die fremden Zellen anzunehmen», erklärt sie. Folgen dieser sogenannten Immunsuppression seien, dass man schneller und schwerer krank wird. «Ständig werden neue Möglichkeiten erforscht, mit denen man die Immunsuppression nur noch auf eine lokale Stelle einschränken kann.»

Prädikat «sehr gut»

Während zweier Wochen konnte Locher in einem Berner Labor momentane Forschungsarbeiten beobachten, mithelfen und Resultate auswerten. «Die Arbeit im Team hat viel Spass gemacht und ich konnte neue Erfahrungen sammeln», erzählt sie. Mit dem Gedanken, nichts verlieren zu können, reichte sie die fertige Arbeit bei SJF ein und hatte auch hier Erfolg.

Das Prädikat «sehr gut» ist die zweitbeste Auszeichnung, die vergeben wird. Eine Bestätigung für Locher, sich auch weiterhin mit naturwissenschaftlicher Forschung zu befassen? «Jein. Ich werde Maschinenbau an der ETH studieren», antwortet sie. «Ich möchte keine Ärztin werden und Biologie war mir zu einseitig. Maschinenbau ist innovativ und gibt mir die Möglichkeit, aktuelle Probleme zu lösen.»