Wenn das Wildschwein Trudy hässig ist, geht man ihm am besten aus dem Weg. Wenn es aber gut drauf ist, dann sollte man auf es zugehen und es nicht meiden, nur weil es manchmal hässig ist. Sonst wird es traurig und möglicherweise wieder hässig. Man sieht am Gesicht von Trudy, wie es ihm geht. «Aufs Gesichts schauen», sagt Roger Frick vom Schweizerischen Institut für Gewaltprävention (SIG), «ermöglicht es, aufzuhören, bevor eine Situation aus dem Ruder gerät.» Spielerisch zeigt er das im Rahmen von Gewaltpräventionsübungen für Kindergärtler sowie Schülerinnen und Schüler der Unterstufenklassen in Muri. Die Lehrpersonen waren bereits in einer Weiterbildung des SIG im Rahmen des Stufentages 2016, wie Lehrerin Irene Weibel bestätigt. Mit weiteren Veranstaltungen in den nächsten Jahren will die Schule Muri das Thema in den Klassen präsent und aktuell halten. Auch die Weiterbildung der Lehrpersonen zu dieser Thematik wird fortgesetzt.

Konstruktives Verhalten

Ein positives Schulklima sei die Grundvoraussetzung, damit Kinder optimal lernen können, hält das SIG fest. «Das Trainieren von konstruktiven Verhaltensweisen in Konflikt- und Gewaltsituationen ist eine der wichtigsten Fertigkeiten, welche eine Schule den Kindern auf den Lebensweg mitgeben kann.» Im privaten und beruflichen Umfeld würden sie heute zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählen. Im Rahmen des Projektes werden einerseits die Lehrpersonen geschult, Konflikt- und Gewaltsituationen möglichst früh zu erkennen und zu entschärfen. Andererseits werden mit den Klassen die wichtigsten drei Themenbereiche der Gewaltprävention erarbeitet: Konflikte lösen, Grenzen respektieren, Provokationen deeskalieren. Es werden schliesslich Instrumente aufgezeigt, welche zusammen mit den Lehrpersonen im Alltag jederzeit wirksam bei Konflikt- und Gewaltsituationen eingesetzt werden können. Konkret lernen die Schülerinnen und Schüler etwa, alltägliche Grenzüberschreitungen durch andere Schüler wirksam und nachhaltig zu deeskalieren. Für den Notfall wird ihnen gezeigt, wie sie sich möglichst ohne Verletzung des Gegenübers auch körperlich verteidigen können.

Konkrete Übungen

Unbedacht dreinschlagen ist nicht so wirksam, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag. Wer sich elegant und schlau durchschlängelt, kommt schneller und unbeschadeter aus einer brenzligen Situation als jener, der wild drauflos rennt, um Sperren zu durchbrechen. Das merken die Kinder schnell in altersgerecht gestalteten Übungen, die zu allem auch noch viel Spass machen. Oder sie entscheiden, ob sie sich zu einem kleinen Zweikampf herausfordern lassen wollen oder nicht. Ziel der präventiven Arbeit mit den Klassen ist es unter anderem, dass alle Kinder im Schulhaus die gleichen Methoden und Symbole kennen, um schwierige Situationen zu meistern.

Speziell an den Übungen in Muri ist, dass auch die Eltern der Kinder, mindestens eine erwachsene Person pro Familie, daran beteiligt sind. Geleitet werden die Übungen von Roger Frick und Margot Gammeter vom SIG in Balsthal. Das Projekt wird zudem durch die Josef Müller-Stiftung in Muri unterstützt.