Im Ausstellungsraum an der Bremgartenstrasse 21 in Aristau ist kein Tisch wie der andere. Der eine ist leicht krumm, die Kanten würden keiner Wasserwaage standhalten, ein anderer hat ein Loch an einer Seite, wo die Baumrinde nicht gerade gewachsen ist, bei einem dritten sieht man gar noch die Schnittstellen der Motorsägen der Förster, die den Baum vor Jahren gefällt haben. Mittendrin sitzt der Mann, der für diese alles andere als «normalen» Möbel zuständig ist: Schreiner Othmar Sachs. «Jedes Möbelstück hat seine Fehler, aber ich schaue das eben nicht als Fehler an, es ist Natur und hat eine Geschichte, und die soll das Holz auch erzählen dürfen.» Seine Frau Sonja ergänzt strahlend: «Mein Mann weiss von jedem Tisch und jedem anderen Möbel genau, wo der Baum gewachsen ist, aus dem er das Stück gebaut hat.» Ganz wichtig ist ihnen dabei: «Alle Bäume kommen aus Wäldern aus der Region, die allermeisten sogar aus dem Freiamt», sagt der Schreiner und streicht mit der Hand über eine unebene, aber fein geschliffene Tischkante.

Bäume mit Geschichten

Schon als Bub wollte Othmar Sachs Schreiner werden, sein Vorbild war sein grosser Bruder Bruno. Während der Lehre erkannte er dann seine Leidenschaft für Massivholz. «Und ich merkte, dass wir hier so viel wunderbares Holz zum Verarbeiten haben. Ich begann mich immer mehr zu fragen, weshalb Hölzer aus den Tropen importiert werden müssen, während die Schweizer Holzhändler und Förster auf ihren Stämmen sitzen bleiben.» So spezialisierte er sich auf Möbel aus heimischem Holz und begann auch, die Geschichten hinter den Bäumen, die die Stämme noch zu erzählen wissen, bewusst sichtbar zu lassen.

So entstanden unter seinen kundigen Händen immer mehr Möbelstücke, mit denen manchmal nicht nur die Förster und der Schreiner selbst Geschichten verbinden. Der Baum für den Birnbaumtisch in seiner Ausstellung wuchs beispielsweise in Hägglingen, und auch der ausgestellte Kirsch-, der Eichen- und der Nussbaumtisch sind mit Ortsangaben versehen. Sonja Sachs erzählt: «Als ich klein war, sah ich von meinem Fenster aus auf zwei Apfelbäume, das war einfach Heimat für mich. Als diese gefällt werden sollten, hatten wir das Glück, dass wir das Holz weiterverarbeiten durften. So stehen diese zwei wunderbaren Apfelbäume nun als Esszimmertisch bei uns zu Hause.» Auch Othmar Sachs fallen Beispiele ein: «Eine Kundin hatte einen Nussbaum, der zu ihrer Geburt gepflanzt worden war. Auch dieser musste gefällt werden. Da hat sie angerufen und gefragt, was man aus dem Holz noch machen könnte. Heute steht der Baum als massgefertigte Garderobe und Bar in ihrem neuen Haus. Sie hat sich riesig gefreut.»

Förster rufen an, bevor sie fällen

Mittlerweile hat Othmar Sachs ein gutes Netzwerk unter den Förstern der Region. «Sie rufen mich an, wenn sie wieder einen grossen Baum fällen müssen. Dann gehe ich hin und schaue, ob ich ihn verwenden kann. Wenn ja, bringe ich ihn nach Malters in mein Nasslager. Dort müssen die Stämme etwa vier Jahre trocknen, bevor ich sie weiterverwenden kann.» Anschliessend sägt er die Stämme zu Brettern. «Manchmal sieht man von aussen nicht, dass der Baum innen beschädigt ist. Aus einigen kann man schlicht keine Möbel mehr machen.» Aber auch das stört den fantasievollen Schreiner nicht: «Solche Bäume verarbeite ich oft zu grösseren oder kleineren Stelen oder Skulpturen, die ich teilweise mit Lämpchen hinterlege. So kommt auch ein kaputter Baumstamm wunderbar zur Geltung.»

Zu Beginn arbeitete Othmar Sachs noch vermehrt mit seinem Partner Wendelin Lang zusammen, mit dem er die Firma Schreinerei Lang & Sachs gegründet hat. Dieser musste unfallbedingt mittlerweile aufs Büro wechseln. Die Firma bietet alle Arten von Schreinerhandwerk an, denn nur von den speziellen Möbeln, von denen er pro Monat etwa zwei herstellt, könnten sie noch nicht leben. «Dennoch sind mir diese speziellen Möbel mit Geschichten natürlich die liebsten.»

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