Niederwil

Schon wieder Nein: Auch im Reusstal wird kein neuer Golfplatz gebaut

Auf den heute landwirtschaftlich genutzten Flächen hätte beim «Reusspark» in Niederwil (Gebäude in der Bildmitte, auf dem Plan rechts in grau) ein Golfplatz entstehen sollen.

Auf den heute landwirtschaftlich genutzten Flächen hätte beim «Reusspark» in Niederwil (Gebäude in der Bildmitte, auf dem Plan rechts in grau) ein Golfplatz entstehen sollen.

Der Grosse Rat lehnt die Anpassung des Richtplans für das Gebiet Gnadenthal in Niederwil klar ab. Die Gegner befürchten den Verlust von Landwirtschaftsland.

Schon einige Golfplatz-Projekte sind im Aargau gescheitert, so in Aristau, Bergdietikon, Mägenwil und Beinwil. Am Dienstag sagte der Grosse Rat erneut Nein, diesmal zu einem Projekt im Reusstal. Der Verein Gnadenthal, der auch das Pflegezentrum Reusspark betreibt, wollte auf 34 Hektaren eine 9-Loch-Anlage mit Driving Range realisieren. Der Regierungsrat unterstützte das Projekt, die vorberatende Kommission war dagegen.

Die Gegner der Vorlage - SVP, SP, Grüne sowie Teile der GLP, CVP, EVP und BDP - argumentierten primär mit dem Verlust des Landwirtschaftslands. «In der heutigen Zeit Landwirtschaftsland zu opfern, ist falsch», meinte Martin Brügger (SP). Auch die SVP-Fraktion will die Fläche für die Landwirtschaft bewahren, denn die 34 Hektaren für den Golfplatz seien «beste Landwirtschaftsfläche», sagte Mario Gratwohl, der selber in Niederwil wohnt. Hansjörg Wittwer (Grüne): «In einem Landwirtschaftsgebiet höchster Klasse einen Gutshof in ein Golfhaus umzuwandeln, ist ein Affront gegen alle Bauern.»

Kritik gab es auch am Mehrverkehr, den ein Golfplatz im Freiamt auslösen würde. Zwar wäre eine Bushaltestelle in der Nähe vorhanden, es dürften aber nur wenige mit dem öffentlichen Verkehr anreisen werden, so Gratwohl. Nicht stichhaltig ist für die Gegner des Projekts das Argument, mit dem Golfplatz die Biodiversität zu fördern. «Das lässt sich auch an anderen Orten realisieren», sagte etwa CVP-Grossrat und Bauernverbands-Geschäftsleiter Ralf Bucher. Ähnlich sieht dies auch die GLP: «Es gibt noch andere Möglichkeiten, um die Biodiversität zu fördern, als einen Golfplatz oder Gemüseanbau», sagt Barbara Portmann.

Golfplatz als grössere Chance für Biodiversität als Landwirtschaft

Komplett anders sehen dies die Befürworter des Golfplatzes: «Fruchtfolgeflächen gehen kaum dauerhaft verloren», meinte FDP-Grossrätin Jeanine Glarner. Ausserdem sei das Bedürfnis nach einem Golfplatz im Freiamt gross: Etwa 1000 Golfer wohnten in der Region um Niederwil, sagt SVP-Grossrat Roland Vogt. Der Golfplatz würde zudem «gute Steuerzahler anziehen». Jeanine Glarner betont ausserdem die Chancen für die Biodiversität: «Wo heute Hanf und Rollrasen angebaut wird, haben wir die Möglichkeit, mit einem ökologischen Golfplatz die Biodiversität zu fördern», meint sie. Sie verwies ausserdem auf die Unterstützung des Projekts durch Pro Natura.

Regierung unterstützte das Projekt – Attiger betont Bedarf

Die Befürworter des Golfplatz-Projekts wurden von der Regierung unterstützt. Der Bedarf sei da, sonst gäbe es kein Projekt, meint Baudirektor Stephan Attiger. Ausserdem betont Attiger, dass die Niederwiler Bevölkerung die Möglichkeit erhalten sollte, über das Projekt abzustimmen – was nur mit einer Richtplanänderung möglich wäre. Doch eine Mehrheit liess sich nicht überzeugen: 91 Ratsmitglieder stimmten gegen die Golfplatz-Pläne, nur 41 dafür. Damit ist das Projekt auf kantonaler Ebene schon gescheitert, eine kommunale Abstimmung in Niederwil gibt es nicht. (ama)

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