Die Wohler Südumfahrung – eine rund 2,2 Kilometer lange Querverbindung, die vom Bremgarterwald über das Chüestellihau bis zur Bünztalstrasse im Bereich Boll führen würde – ist seit Jahrzehnten ein Thema. Im kantonalen Richtplan ist das Trassee dafür ausgeschieden und es gab dafür sogar schon einmal ein generelles Projekt. Konkret angepackt wurde ein solches bisher aber nie.

Interpellation im Grossen Rat

Jetzt bringt der Wohler Einwohnerrat und Grossrat Harry Lütolf (CVP) das Thema wieder auf den Tisch. An der nächsten Sitzung wird er im Grossen Rat eine Interpellation dazu einreichen. «Wohlen, die viertgrösste Gemeinde im Kanton, leidet schon seit Jahrzehnten und in zunehmendem Ausmass unter dem Durchgangsverkehr, insbesondere auf der Kantonsstrasse 127» hält er in seinem Vorstoss einleitend fest. Es komme hinzu, dass sich auf dieser viel befahrenen Achse mitten in Wohlen ein Engpass befinde, der Flaschenhals «Kirchenrain» in unmittelbarer Nähe verschiedener denkmalgeschützter Gebäude. «Oft», hält Lütolf fest, «kommt es dort zu brenzligen Verkehrssituationen, wenn Lastwagenzüge und dergleichen in der engen Kurve manövrieren müssen oder sich grössere Fahrzeuge kreuzen. Die K127 und der Schwerverkehr über die Bünzstrasse bereiten innerhalb der Gemeinde Wohlen auch an anderen Stellen verkehrstechnische Schwierigkeiten.»

«Sorgen endlich ernst nehmen»

Die Problematik sei schon lange bekannt, vom Kanton aber bisher stets auf die lange Bank geschoben worden. Darin sieht Harry Lütolf eine ungerechte Behandlung der Freiämter Metropole: «Seit die Wohler ‹Süd-Umfahrung› im Richtplan erstmals festgeschrieben wurde, konnten diverse andere Umfahrungen im Kanton realisiert oder zumindest die Planung dazu aufgenommen werden. Zu erwähnen sind etwa die Umfahrungen in den Gemeinden Aarburg, Bad Zurzach, Bremgarten, Brugg und Windisch, Lenzburg, Mellingen, Oberwil-Lieli, Sins sowie Suhr. Der Interpellant ist der Meinung, dass das regionale Zentrum Wohlen nicht minder bedeutend und nicht minder belastet ist, als es die erwähnten Gemeinden sind oder waren», schreibt Lütolf und verlangt: «Der Kanton muss die Sorgen der Gemeinde Wohlen endlich ernst nehmen und soll für eine möglichst rasche Entlastung des Zentrums vom Durchgangsverkehr sorgen.»

In der Folge stellt der Interpellant dem Regierungsrat verschiedene Fragen. Unter anderem will er von ihm wissen, wie hoch dieser die Kosten für eine solche Umfahrung schätze, wie sie sich mit dem Hochwasserrückhaltebecken vertragen würde, welches inzwischen auf dem im Richtplan eingezeichneten Trassee realisiert worden ist, und ob an eine Südumfahrung in Wohlen auch Bundesbeiträge zu erwarten wären. Weiter fragt Lütolf, ob sich die Regierung auch Alternativen zu einer Umfahrung vorstellen könnte, so etwa eine Untertunnelung des Wohler Zentrums auf einer Länge von 500 bis maximal 3000 Metern oder ob die nationale Durchgangsstrasse allenfalls gar verlegt werden könnte. Lütolf bringt diesbezüglich einen Tunnel aus der Region Fischbach-Göslikon oder Niederwil bis zur Nutzenbachstrasse im Raum Anglikon ins Spiel.

Die Südumfahrung von Wohlen ist aktuell auch beim Regionalplanungsverband Unteres Bünztal ein Thema.

Langfristige Strategien nötig

Im Regionalen Entwicklungskonzept (REK), das die Repla im Oktober 2017 vorgestellt hat, ist festgehalten: «Das Verkehrsnetz der Region stösst zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen.» Das betreffe das Strassennetz und insbesondere die Knotenbereiche der Bünztalstrasse, aber auch die Bahnstrecke, die durch das Güterverkehrsaufkommen und den Regionalverkehr weitgehend ausgelastet sei. Die Repla strebt in ihrem Grundsatzpapier eine Kanalisierung des motorisierten Verkehrs auf die Hauptachsen an: «Der Verkehrsfluss im bestehenden Strassennetz wird weiter optimiert. Zusätzlich wird die Südumfahrung Wohlen als prioritäre Netzergänzung weiterverfolgt.» Flankierend zur Südumfahrung sollen auch Massnahmen zur Beruhigung des Verkehrs umgesetzt werden. So will man die Ortsdurchfahrten zu «integrierten und siedlungsverträglich gestalteten» Strassen aufwerten und die Wohnquartiere generell verkehrsberuhigen. Damit sollen die negativen Auswirkungen des Verkehrs minimiert werden.