Wohlen
«Schmuseweg» bleibt dem Dorf erhalten

An der Steingasse 12 und 14, wo früher der Werkhof der Käppeli AG stand, können per September 30 neue Wohnungen bezogen werden.

Andrea Weibel
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Das neue Mehrfamilienhaus direkt neben dem «Schlössli» Andrea Weibel

Das neue Mehrfamilienhaus direkt neben dem «Schlössli» Andrea Weibel

Andrea Weibel

Leuchtend grüne Baumaschinen, daran erkannte man die Käppeli Bau AG, deren Werkhof sich an der Steingasse befand, von Weitem. Nun ist nicht nur der Firmenname verschwunden – die Käppeli AG gehört jetzt zur Notter-Gruppe – sondern auch der Werkhof. An seiner Stelle, direkt neben dem «Schlössli», dem ältesten Steingebäude Wohlens, fuhren vor zwei Jahren die Bagger auf, das Gebäude wurde abgerissen. «Bei so einem Werkhof muss man immer mit Altlasten rechnen, so war es auch hier», hält Heinz Dennler von der Gross Generalunternehmung AG fest, die den Abriss und den Neubau durchgeführt hat. «Wir haben alles saniert und blieben dennoch im Zeitplan. Am 4. Mai 2015 konnten wir mit dem Bau des modernen, geschmackvollen Mehrfamilienhauses mit 30 Wohnungen und Tiefgarage beginnen.» Es entstand ein Mix aus 11⁄2- bis 51⁄2-Zimmer-Wohnungen. Zwölf davon sind 21⁄2-Zimmer-Wohnungen, «ideal für junge und auch ältere Leute», wirbt Dennler. Bauherr und Eigentümer ist die Zürcher Anlagestiftung Pensimo.

Rücksicht auf das alte Wohlen

Doch nicht nur an die Käppeli-Fahrzeuge erinnern sich die Wohler, wenn sie an das Gebiet direkt neben dem «Schlössli» denken. Anschliessend an den Garten neben dem ältesten Haus Wohlens führte ein kleines Weglein lauschig am Gartenzaun, ein bisschen versteckt zwischen Büschen und Bäumen vorbei: der sogenannte «Schmuseweg». Die Planer konnten diesen nicht so erhalten, wie er war, aber er sollte auch nicht ganz in Vergessenheit geraten, sagt Architekt Stefan Saner von Guignard & Saner Architekten aus Zürich, die das Projekt geplant haben. «Es ist ein einziges langes Gebäude entstanden. Doch die beiden Hausnummern 12 und 14 sind mit einem Durchgang unterteilt, der an den ‹Schmuseweg› erinnert. Es soll so ein kleiner öffentlicher Weg entstehen, der ans alte Wegnetz hinter den Häusern anschliesst. Es war uns wichtig, solche kleinen Erinnerungen an früher auch im modernen Gebäude erhalten zu können.»

Da die Gemeinde die Strasse zur «Kernzone Steingasse» erklärt hat, musste das Projekt vorgängig mit der Baukommission abgesprochen werden. «Das Gebäude ist sehr lang geworden. Aber durch verschiedene Unterteilungen haben wir im Grunde die vorherige Architektur aufgenommen und in eine moderne Sprache übersetzt», erklärt Saner weiter. Doch nicht alles, was früher war, wurde als gut befunden. «Wir wollten keine Abschottung, wie sie bei Einfamilienhäuschen sichtbar wird. Stattdessen wollen wir die Leute aus den Wohnungen miteinander verbinden. So entstand rückseitig quasi ein grosser Garten, der von allen gemeinsam genutzt werden kann.»

Ganz modern sind auch die beiden Solaranlagen der IBW auf dem Dach. Von 950 Quadratmetern Solarzellen werden jährlich rund 43 000 Kilowattstunden Strom geliefert, «das sind etwa zehn Haushalte, die mit Strom versorgt werden können», so Domenic Philipp, Bereichsleiter IBW Energie AG. «Aber das ist nicht für die Wohnungen darunter selbst. Die IBW hat nur das Dach gemietet.» So rückt die geschichtenreiche Steingasse etwas näher an die Moderne heran.