Jetzt sieht man es überall spriessen, das junge Grün. Doch nicht alle Pflanzen sind gern gesehen. Besonders in Naturschutzgebieten müssen invasive Neophyten, also nichtheimische Pflanzen, die die einheimischen Arten verdrängen, bekämpft werden. So soll die Artenvielfalt gewährleistet bleiben. Im Rottenschwiler Moos hat der Kanton nun einen neuen Versuch gestartet, um besonders dem Berufkraut (Erigeron annuus) an den Kragen – beziehungsweise an die Wurzel – zu gehen. «Seit etwa fünf Jahren haben wir dort mit verschiedenen Gruppen versucht, das Berufkraut einzudämmen, indem wir die Pflanzen ab Mai ausreissen liessen», sagt Christian Müller, Leiter des kantonalen Werkhofs in Rottenschwil. «Das hat aber nie den gewünschten Effekt gebracht. Darum wollten wir dieses Jahr so früh wie möglich mit dem Jäten beginnen.» Im Winter sei das nicht möglich gewesen, «weil man die jungen Pflänzchen dann noch kaum von anderen unterscheiden kann», so Müller.

Ein Hügel voller Neophyten

Jetzt, Anfang April, erkennt man sie jedoch gut. Das weiss im Moment kaum einer besser als Einsatzleiter Diego Scholer vom Naturwerk Windisch, der mit sieben Zivildienstleistenden das Rottenschwiler Moos vom Berufkraut befreit. «Es ist etwas heller als die anderen Jungpflanzen. Und wenn sich das Auge einmal daran gewöhnt hat, leuchtet es einem von überall entgegen», sagt er lachend. Zwei Tage waren die Zivis an einem Hügel mitten im idyllischen Naturschutzgebiet bei Rottenschwil am Werk. Scholer staunt, dass rund um den Hügel kaum Berufkraut wächst, der Hügel jedoch überwuchert ist. Christian Müller erklärt: «Der Hügel ist eine Stockdeponie. Hier wurden bei der Stauung des Flachsees 1972 die Wurzelstöcke des für den See gerodeten Waldstückes deponiert. Auf solchen gestörten Bodenstrukturen wachsen die Neophyten generell viel besser.» Er geht davon aus, dass die Zivis unter der Leitung der professionellen Umweltingenieure heuer noch zwei- bis viermal zur Neophytenbekämpfung angefordert werden. «Wir hoffen, dass wir schon im Sommer, spätestens aber nächstes Jahr, einen deutlichen Rückgang des Berufkrauts spüren werden.»