Freiämter Landschaftstheater
Schlossbesitzerin lässt über 8000 Theater-Besucher vor ihr Schlafzimmer

Louise Schellenberg öffnet für das Landschaftstheater «mit Chrüüz und Fahne» die Tore zum Schloss Hilfikon. «Es ist wichtig, dass der 2. Villmergerkrieg thematisiert wird», sagt die 93-jährige Schlossbesitzerin, die Schauspielerin werden wollte.

Pascal Meier
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«Au e wunderschönä guetä Morgä», ruft Louise Schellenberg singend, als Theater-Bauchef Niklaus Meyer mit Brettern unter dem Arm durch den Schlosshof schreitet und die elegant gekleidete Dame grüsst. Seit den 1960er-Jahren wohnt Louise Schellenberg auf Schloss Hilfikon; seit Anfang Jahr aber ist nichts mehr, wie es einmal war. Rund ums Schloss wird gebohrt, geprobt, gesungen und gelacht.

Den Pfauen, die durch das Anwesen stolzieren und Räder schlagen, ist dies egal - genau wie Louise Schellenberg. «Das sind alles nette Menschen, die eine Mission haben», sagt die 93-jährige Dame mit der getönten Brille und dem hölzernen Gehstock.

Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: Louise Schellenberg blickt hinunter auf eine Theater-Bühne in ihrem Schlossgarten.
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Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: Louise Schellenberg vor dem Schloss Hilfikon.
Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: Die Schlossbesitzerin auf einem Balkon mit einem steinernen Pfau.
Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: Louise Schellenberg auf einem Balkon.
Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: Louise Schellenberg freut sich auf die Theaterbesucher.
«Mit Chrüüz und Fahne»: Louise Schellenberg öffnet Tore zum Schloss Hilfikon
Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: «Religion, wenn ich das nur höre!», sagt Schellenberg.
Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: Lousie Schellenberg im Garten vor dem Schloss.

Hilfiker Schloss-Tore für Theater geöffnet: Louise Schellenberg blickt hinunter auf eine Theater-Bühne in ihrem Schlossgarten.

Pascal Meier

Sie habe schnell zugesagt, als die Anfrage kam, den ersten Teil des Landschaftstheaters «mit Chrüüz und Fahne» zum 2. Villmerger Krieg rund um ihr Schloss zu inszenieren. «Der Krieg liegt jetzt 300 Jahre zurück, und es ist wichtig, dass sich jemand dem Thema annimmt.»

Louise Schellenberg hat damit die Schlosstore nicht nur für das rund 80 Mann und Frau starke Schauspielvolk geöffnet, sondern holt sich damit auch gleich über 8000 Theaterbesucher ins Haus. Für sie kein Problem: «Das Theater ist eine gute Sache, und die Leute sollen sagen: Da gehen wir hin! Das ist interessant!»

«Was heisst gläubig?»

Mit Interesse verfolgt Louise Schellenberg, wie die Proben vor der Premiere am 25. Juli immer intensiver werden. «Ich wollte ja selbst Schauspielerin werden», verrät sie. In Berlin rasselte die junge Louise jedoch prompt durch die Schauspielprüfung. Die Leidenschaft fürs Theater ist dennoch geblieben.

Und bei «mit Chrüüz und Fahne» hat Louise Schellenberg einen exklusiven Logenplatz: Wenn im Schlossgarten der Chor «Im Aargäu sind zwoi Liebi» anstimmt, steht sie oft als stille Beobachterin hoch oben auf ihrem Balkon. Mit dem grünen Kreuz, das sich liegend über den Schlossbrunnen zieht und als Bühne für diese Szene dient, kann sich Louise Schellenberg zwar nicht so recht anfreunden. «Das Ding kommt ja wieder weg», sagt sie. «Hauptsache, es läuft etwas.»

Und wie ihre Pfauen wird auch die Schlossbesitzerin immer wieder von der Neugierde gepackt und mischt sich unters Theatervolk - oder setzt sich mal Überraschung von Regisseur und Choreografin gleich mitten ins Bühnenbild, um nichts zu verpassen.

«Ich bin keine Schlossherrin»

Louise Schellenberg ist charmant, wirkt zufrieden und verfolgt auch im hohen Alter das Weltgeschehen. «Religion, wenn ich das schon höre!», entfährt es ihr auf die Frage, ob sie gläubig sei. «Wir wissen nicht, was der Herrgott mit uns vor hat.» Man solle sich vor allem anständig benehmen. «Tue nie jemandem was, das du selbst nicht erleben willst», erklärt die Schlossherrin ihre Lebensphilosophie.

«Schlossherrin!», ruft Louise Schellenberg, als dieses Wort fällt, und verwirft die Hände. Schlossherren habe es früher gegeben. «Ich bin Frau Schellenberg, eine kleine Frau, die in einem kleinen Dorf lebt. Basta.»