Zufikon
Schleichverkehr: Zufikon hat noch keine Lösung für die Blechlawine

Anwohner in Zufikon ärgern sich über den Mehrverkehr auf der Stiefelstrasse seit dem Sädel-Ausbau Ende 2007. Immer wieder gab es seither Reklamationen, doch die Lösung ist noch nicht gefunden.

Dean Fuss
Drucken
Teilen
Die Stiefelstrasse wird im Durchschnitt täglich von 3120 Fahrzeugen befahren – und sie verstossen damit gegen keine Verkehrsvorschriften.SL/Archiv

Die Stiefelstrasse wird im Durchschnitt täglich von 3120 Fahrzeugen befahren – und sie verstossen damit gegen keine Verkehrsvorschriften.SL/Archiv

Morgen für Morgen schlängelt sich eine ansehnliche Blechlawine bergwärts über die Stiefelstrasse in Zufikon. Abend für Abend wiederholt sich das Prozedere in der Gegenrichtung.

Stiefelstrasse-Anwohner Wilfried Fink ärgert sich seit dem Sädel-Ausbau über den vielen Verkehr durch das Quartier. «Ich bin mit dem Verkehrskonzept, das die Gemeinde auf der Stiefelstrasse und den anschliessenden Strassen duldet nicht zufrieden», sagt er. Mit einem Lastwagenfahrverbot ist sie den Anwohnern teilweise entgegen gekommen – talwärts ist den Lastwagen einzig Zubringerdienst innerhalb der Stiefelstrasse gestattet. Fink will noch weiter gehen und fordert einen grundsätzlichen «Zubringerdienst mit Einschränkungen» für alle Arten von Fahrzeugen.

Strasse als Lebensnerv

Für den Zufiker Bauverwalter Rolf Hüsser ist das derzeit keine Option. «Die Stiefelstrasse ist keine Abkürzung, sondern für Zufikon ein Lebensnerv.» Neben der Zugerstrasse und dem Knoten Bibenlos sei die Gemeinde nur noch über die Stiefelstrasse ans Verkehrsnetz angeschlossen. «Insofern handelt es sich bei der Stiefelstrasse um eine normale Anbindung.»

Dass der Mehrverkehr für die Anwohner nicht erfreulich ist, ist auch Hüsser klar. Die Gemeinde ist aber nicht untätig geblieben: Seit Juli 2012 ist beim Aargauer Regierungsrat eine Zufiker Eingabe zur Lösungssuche hängig. Der Kanton hat seine Unterstützung zugesichert und will sich des Problems annehmen, sobald das Verkehrs-Monitoring 2012 (siehe Kasten) ausgewertet ist. «Da warten wir noch auf einen Bescheid», sagt Hüsser.

Stiefelstrasse: Täglich 3120 Fahrzeuge

Durchschnittlich wird die Stiefelstrasse täglich von insgesamt 3120 Fahrzeugen befahren. Dies hat eine zweiwöchige Verkehrszählung des Kanton Aargau im Sommer 2012 ergeben. Demnach fahren täglich 1620 Fahrzeuge talwärts in Richtung Unterdorf-/Schulstrasse und 1500 Fahrzeuge bergwärts in Richtung Zufikerrank. «Der grosse Schub erfolgt naturgemäss in den Stosszeiten am Morgen und nach dem Feierabend», sagt Zufikons Bauverwalter Rolf Hüsser. Für den Verkehrsknoten Bibenlos in Bremgarten hat das kantonale Monitoring ein tägliches Verkehrsaufkommen von 20 000 Fahrzeugen ergeben. (DFS)

Ideen und Vorschläge für eine Änderung der Situation habe es immer wieder gegeben, so Hüsser. «Leider war bisher noch nichts Zufriedenstellendes dabei.» Lärmschutzmessungen des Kantons hätten zudem ergeben, dass ausser beim Kindergarten und einer Wohnliegenschaft die gesetzlichen Lärmschutz-Werte nicht überschritten werden. «Für die meisten Häuser verläuft der Verkehr auf der Haus-Rückseite.» Auf jeder Strasse der Gemeinde gebe es Verkehr, so Hüsser.

Verkehr ist hausgemacht

Eine eigene Verkehrserhebung der Gemeinde vom Juli 2012 ergab, dass rund zwei Drittel des Verkehrs auf der Stiefelstrasse hausgemacht ist. «Darin ist auch der Nahbereich Bremgarten enthalten», sagt Hüsser. Genau das stört Fink an diesen Zahlen: «Diese Beobachtung mag zu den Hauptverkehrszeiten wohl stimmen, weil das Gebiet Bärenmatte in Bremgarten zum hausgemachten Verkehr gerechnet wird», sagt er. Im restlichen Tagesverlauf seien aber 80 Prozent dem Fremdverkehr zuzurechnen, sagt Fink.

Lastwagen auf der Sädelstrasse

Ein az-Leser hat sich zudem beklagt, dass sich sowohl auf der Sädel- als auch auf der Stiefelstrasse immer wieder Lastwagenfahrer über das Fahrverbot für Lastwagen hinwegsetzten.

Der Regionalpolizei (Repol) Bremgarten ist das bekannt, wie Chef Manfred Tschannen auf Anfrage bestätigt. «Es ist aber schwierig, genau diese heraus zu pflücken, weil es genau dann passieren müsste, wenn wir dort eine Kontrolle machen.» Die Polizei könne dort schliesslich nicht 24 Stunden präsent sein. Auf der Sädelstrasse büsste die Repol bisher rund ein Dutzend Lastwagenfahrer, die das Fahrverbot missachtet hatten.

Aktuelle Nachrichten