Iglu-Dorf

Schlafen im Eispalast: Ein Zufiker baut Hotelzimmer aus Schnee

Marc Ruck hilft mit, in Gstaad ein Iglu-Dorf aufzubauen. Das gefällt ihm viel besser als sein früherer Bürojob.

Marc Ruck hilft mit, in Gstaad ein Iglu-Dorf aufzubauen. Das gefällt ihm viel besser als sein früherer Bürojob.

Marc Ruck wollte raus aus dem Büro – und hat seinen Traumberuf gefunden. Der Freiämter baut Iglus, betreut die Gäste und macht mit ihnen Schneeschuhwanderungen.

Marc Ruck strahlt über das ganze Gesicht. Widerspenstig schaut das krause Haar unter der Mütze hervor, Schneeflocken haben sich im dichten Bart verfangen. Gelassen stapft er durch den Schnee, obwohl er alle Hände voll zu tun hat: Er muss das Essen für die Skischule vorbereiten, die am Mittag vorbeikommt, gleichzeitig die Bar bedienen, und wenn er eine freie Minute hat, dann hilft er beim Aufbau der Iglus mit. Der Freiämter, der sonst in Zufikon wohnt, ist seit Dezember in Gstaad und hat dort seinen Traumberuf gefunden. Im Iglu-Dorf betreut er Gäste, verköstigt sie, unternimmt mit ihnen Touren und schaut, dass die Übernachtung mitten in Schnee und Eis reibungslos verläuft. «Jede Nacht ist etwas anders – manche Gäste möchten lieber für sich sein, andere suchen den Kontakt und wollen unterhalten werden.» Wenn seine Gäste Party feiern, dann feiert Ruck mit. «Ein Bier liegt drin, aber ich habe die Verantwortung über die Leute, da ist es klar, dass ich nicht zu sehr über die Stränge schlagen kann.»

So geht Iglu-Bauen: Mithilfe eines Luftkissens entsteht ein Durchgang.

So geht Iglu-Bauen: Mithilfe eines Luftkissens entsteht ein Durchgang.

Nie wieder ein Bürojob

Der Zufiker ist bereits zum zweiten Mal im Iglu-Dorf in Gstaad anzutreffen. Vorher hatte er auf einer Gemeindeverwaltung gearbeitet und war danach längere Zeit in Zentralamerika unterwegs. «Im Büro zu arbeiten machte mir keinen Spass. Ich hatte das Gefühl, dass es nach den Ferien wieder geht – aber es ging nicht.» So schaute er sich nach einem Job in den Bergen um und fand das Iglu-Dorf. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, wieder im Büro zu arbeiten, kommt die Antwort wie aus der Schneekanone geschossen: «Nein. Hier muss ich mich nicht zwingen, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Das ist mir wichtig.» Wie er im Sommer Geld verdienen wird, weiss er noch nicht. Eventuell werde er versuchen, mit einem Kollegen in Terifa (Spanien) ein Projekt aufzuziehen – etwa einen Barbetrieb.

Gesellig, spontan und unkompliziert müsse man für den Job sein, erklärt Ruck. «Auch Sprachen sind wichtig, weil wir nahe der Grenze zum Welschland sind; etwa die Hälfte der Gäste spricht französisch.» Sportliche Fitness gehört ebenfalls zu den Anforderungen, wenn man Schneeschuhtouren leiten und beim Aufbau der Iglus stundenlang Schnee schaufeln muss. «Zeitweise ist es streng, dafür hat man immer die schönste Aussicht», sagt Ruck.

Whirlpool und Sauna

Die Iglus werden nicht mit Blöcken aus Schnee aufgebaut, sondern mithilfe von blauen, aufblasbaren Plastikbehältern. Sie haben Form und Grösse der Zimmer, und werden mit Schnee zugeschüttet. Ist dieser angefroren, wird an der richtigen Stelle ein Durchgang herausgebrochen, das Ventil geöffnet und der Plastik fällt in sich zusammen. Zwei finnische Künstler schnitzen danach Dekorationen in die Wände und schmücken den Raum mit Eisskulpturen.

Besonders die Suiten mit eigenem WC und Whirlpool bieten viel Luxus für ein Iglu. Die Betten aus Eis sind dank Matratze und dicken Schafsfellen weich und kuschelig. Umziehen darf man sich in einem beheizten Container neben den Iglus und wem es dann immer noch zu kalt ist, der kann sich in der Sauna aufwärmen.

Seit dem 25. Dezember sind drei Iglus geöffnet. Eigentlich sollten dann bereits alle Unterkünfte in Betrieb sein, aber es fehlte der Schnee. Nun ist es endlich kalt genug und die Schneekanone läuft praktisch ununterbrochen. In sieben bis zehn Tagen werden die restlichen Iglus bezugsbereit sein. Die Gäste seien bunt durchmischt, erzählt Ruck, vom 16 Monate alten Baby bis zum 70-Jährigen. Am meisten seien es aber Paare, die eine romantische Zeit verbringen wollten.

Und was vermisst der Freiämter so hoch oben auf dem Saanerslochgrat? «Die Fasnacht», meint er und blickt etwas sehnsüchtig ins Tal. «Und natürlich meine Kolleginnen und Kollegen. Aber ab und zu besucht mich jemand und ich habe hier oben auch schnell Anschluss gefunden.»

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